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Foto: Cora K. Hiebinger

Glück kann man immer brauchen, und für ein neues Jahr, das den Inbegriff eines Neubeginns darstellt erst recht. Nicht umsonst boomt die Glücksbringer-Industrie rund um den Jahreswechsel und es gibt zahlreiche Traditionen die dafür sorgen sollen, dass das Glück einem hold bleibt: z.B. in der Nacht auf den 1. Jänner rote Wäsche zu tragen, von einem Sessel zu springen, Trauben zu essen, oder Walzer zu tanzen. Gleichzeitig gilt es, Unglück zu vermeiden: in meiner Familie wurde von meiner Großmutter überliefert, dass man in der Silvesternacht keine Wäsche aufhängen darf – und obwohl ich den ganzen Tamtam um Silvester gar nicht mag, halte ich mich nach wie vor an diese Regel. Glück alleine ist aber nicht genug für einen Neubeginn. Um gute Vorsätze umzusetzen und positive Veränderungen erfolgreich zu verwirklichen braucht es neben Glück auch eine gehörige Portion Durchhaltevermögen und Planung.

Falls du zu denjenigen gehörst, die den Jahreswechsel zum Anlass nehmen, gute Vorsätze zu fassen – die dann häufig bereits Mitte Jänner zu verstauben beginnen: es hilft ungemein, eine klare Richtung festzulegen, um dort anzukommen, wo Du hinwillst. Deshalb ist es äußerst wichtig, bei der Zielsetzung das Ziel auch wirklich präzise zu formulieren: z.B.  “ Ich bin fit und gesund, meine Lungenkapazität ist die einer gesunden 20-jährigen“ statt: „Ich rauche nicht mehr“. Oder “ Ich lebe in einer liebevollen, unterstützenden Beziehung“, statt: “ Ich bin nicht mehr alleine.“

Der nächste Schritt ist dann, den ersten Schritt zu tun. Und dann den nächsten und den nächsten. Daher ist es auch hilfreich, ein großes Ziel in kleinere Unterziele zu unterteilen, deren Erreichung Du dann auch gebührend feiern solltest. Kleinere Häppchen nehmen den Überwältigungs-Faktor aus der Gleichung. Jedes Abnehm- oder Muskelaufbau-Programm beginnt mit dem ersten halben Kilo.

Startschwierigkeiten sind oft das Todesurteil für viele Vorsätze. Vielleicht funktioniert unser erster Schritt nicht gleich und vielleicht auch der nächste und übernächste nicht und wir kommen unserem Ziel nicht näher, sondern enden im Frust. Oder wir beginnen gar nicht erst, weil der Alltag uns wieder fest im Griff hat nach den Feiertagen, oder weil unser Ziel gar nicht ist, abzunehmen, sondern die zu engen, unbequemen Kleidungsstücke gegen passende auszutauschen, und weil unser Nicht-RaucherInnen-Status von unserem Partner oder unserer Ärztin gewünscht wird, und nicht von uns selbst.

Oft vergessen wir auch, zurück zu blicken und zu überprüfen, was denn in der Vergangenheit funktioniert und was eben nicht funktioniert hat. Im Bestreben, nur ja einen Neubeginn zu erwirken und von nun an alles anders machen zu wollen übersehen wir, dass es vielleicht schon Dinge gibt, die eigentlich gut funktionieren und uns auch liegen. Dinge also, die wir behalten oder beibehalten sollten. Das Leben ist oft kein klares Alles-oder-Nichts.

Was können wir tun, damit 2018 die erwünschten Veränderungen bringt?

Energie kann bekanntlich nicht zerstört werden, nur umgewandelt. Wenn Dir in deinem normalen Alltag (sprich ab spätestens 6. Jänner) die Energie fehlt, die Umsetzung deiner Ziele in Angriff zu nehmen fehlt Dir vielleicht einfach nur der Zugang zu deiner Energie, die Dir helfen würde, den ersten Schritt zu tun. Statt unsere Energie für Anspannung, Steifigkeit oder sonstige Zustände zu verwenden, können wir sie für unsere Ziele einsetzen.

Die Beschreibung der Realität ist eines unserer wichtigsten Werkzeuge in der Körperarbeit. Wenn du z.B. selbst bemerkst und beschreiben kannst, wie genau du wirst, wenn du plötzlich gar keine Lust mehr hast, den nächsten Schritt auf dem Weg zu deinem Ziel zu gehen (sprich, die Tafel Schokolade nicht auf einen Sitz aufzuessen), dann kann dir das helfen, genau das eben nicht mehr zu tun, statt die Umstände verantwortlich zu machen. Oder du siehst, dass das Ziel sehr groß ist und du dir Unterstützung suchen musst, wenn du es erreichen willst. Auch kein Problem. Es gibt sicher jemanden, der Dir weiterhilft.

Jeder Neubeginn beinhaltet auch, etwas Altes loszulassen oder abzuschließen. Manchmal hängen wir jedoch in unserer Vergangenheit fest. Die ist aber genau das – vergangen. Vorbei. Wenn Du insgeheim noch offene Rechnungen mit jemandem hast, die im Hintergrund schwelen und die Atmosphäre oder sogar Deine Handlungen beeinflussen wird es schwierig, eine Beziehung neu zu definieren oder einen Konflikt beizulegen. Wenn Du die Realität wahrnimmst, ohne in einem automatischen Zustand festzuhängen, wirst Du bemerken, was nötig ist, um das Thema abzuschließen: eine Aktion von Dir, oder etwas, was du von deinem Gegenüber noch brauchst. Oder ob du die Sache gehen lassen kannst.

Der Jahresbeginn bietet sich an, das alte Jahr Revue passieren zu lassen und das neue zu planen, sei es Vorsätze zu fassen, konkrete Ziele zu formulieren, oder sich zu überlegen, was man weitermachen und mitnehmen und was man lieber loslassen und bleiben lassen möchte. Ich selbst werde in den nächsten Tagen genau das tun, und auch die bereits angekündigten Kurse zum Thema Wollen für Frauen planen. Falls Du spezielle Wünsche an das Programm 2018 hast, schreib mir ein Mail oder einen Kommentar!

Im Jänner biete ich sowohl eine Mini-Workshop-Reihe zum Thema „Ziele – Get_it_Done“ an, als auch ein individuelles „Get_it_Done“ Paket mit Workshops, Training und individuellen Sitzungen.

Ich freue mich über Deinen Kommentar dazu, wie Du Deine Vorsätze umsetzt oder was dich daran hindert – Dich bei einem der Workshops persönlich zu sehen!

 

 

Vom Mut zu spüren (Teil 1)

Vom Mut zu spüren (Teil 1)

Foto: Schustikova Inessa/shutterstock.com

In meiner Arbeit geht es immer darum, den Körper mit all seinen Empfindungen zu spüren. Das erfordert Mut, denn oft sind die Dinge die wir wahrnehmen oder spüren nicht wirklich angenehm. Aber es ist auch spannend: denn die Bandbreite dessen, was unser Körper spüren und empfinden kann ist schier unendlich. Da geht neben weh, nicht weh, und verspannt, entspannt noch einiges! Interessanterweise wird „Es tut nicht weh!“ oft gleichgesetzt mit „Ich spüre nichts“. Der Körper ist aber immer da und kann gar nicht anders, als sich und seine Umgebung zu spüren, d.h. ihn nicht zu spüren ist an sich schon ein Paradoxon.

Erinnere dich vielleicht an das letzte Mal, als du dich mit Spaß so richtig gut verausgabt hast und dieses wohlige Gefühl in den Muskeln, die ihrer Bestimmung nachgekommen sind, sich wieder mal bis zum Anschlag kontrahiert haben und jetzt wohlig entspannt und saftig ausrasten. Oder das warm-mollige Gefühl, nach einem Winter-Spaziergang durchfroren nach Hause in die Wärme zurück zu kommen und sich mit einer Schüssel heißer Suppe auch innerlich wieder auszuwärmen. Ich kann mich noch gut an die Zeit meiner aktiven Tanzkarriere erinnern, jeden Morgen spürte ich meinen Körper als lebendigen, arbeitenden Organismus. Neben bamstig, voll, schwer, leicht, schwebend, saftig kann auch klares Wollen, oder voll für etwas zu gehen als körperliche Empfindung spürbar sein. All diese zusätzlichen Empfindungsmöglichkeiten machen das Leben intensiv, spannend, saftig.  Eben spürbar. Und lebendig.

Wieso wollen wir oft nicht spüren, was ist?

Die Intensität mancher Empfindungen, z.B. von Schmerz, sind oft überwältigend. Sei es der Herzschmerz nach einer Trennung oder über den Tod einer geliebten Person oder der Schmerz in einem Zahn der dich in der Nacht wachhält: wir haben alle Strategien entwickelt, den Schmerz in Schach zu halten und uns entweder abzulenken oder ihn aktiv auszublenden. Grundsätzlich ist das eine logische und nachvollziehbare Strategie. Wir sind überzeugt, dass wir nur damit weiter unserer Arbeit nachgehen, Dinge erledigen, unser Leben so weiterführen können wie bisher. Und so beißen wir die Zähne zusammen, drosseln unsere Atmung, verschnüren unser Herz und selbst wenn es uns eigentlich gerade den Boden unter den Füßen wegzieht, weil sich die Zukunftspläne mit einer bestimmten Person gerade in Nichts aufgelöst haben oder unser Job nach 30 loyalen Dienstjahren kurz vor der Pension einer Restrukturierung zum Opfer fällt machen wir gute Miene zum bösen Spiel und tun so, als würde uns das alles nicht weiter tangieren.

Natürlich können wir den unsagbaren Zorn, den wir vielleicht über eine Ungerechtigkeit verspüren die uns oder jemandem in unserem nächsten Umfeld gerade zuteilwurde nicht ungefiltert in die Tat umsetzen und unseren Vorgesetzten mal so richtig die Meinung sagen, wollen wir unsere Karriere nicht aufs Spiel setzen oder jemanden wirklich verletzen. Deshalb sind wir ja auch „erwachsen“ und mit einem logischen Verstand ausgestattet, der uns dabei hilft zu entscheiden, was angebracht ist und langfristig sinnvoll und was nicht.

Unsere Empfindungsfähigkeit automatisch herunterzufahren und das Ausmaß z.B. eines Schmerzes oder eines Zorns auf „lauwarm“ oder „gar nicht mehr“ herunter zu dimmen lässt uns jedoch Situationen aushalten, die wir auf die Dauer nicht aushalten sollten, in denen zu verharren unsere Gesundheit und unser Glück aufs Spiel setzt. Würden wir den Schmerz, die Wut, den Frust wirklich ungefiltert spüren, müssten wir reagieren. Wir könnten nicht in einer Beziehung/in einem Job bleiben, in der/dem wir immer wieder maßlos wütend oder verletzt werden. Wir könnten nicht die Augen verschließen vor gravierenden Problemen unserer Zeit und bequem so weiterleben wie bisher, wie ein Frosch bei langsam zum Kochen gebrachtem Wasser. Wir müssten reagieren und etwas verändern.

Was bringt es, mehr als nur „tut weh“ – „tut nicht weh“ zu spüren?

Es ist sicher nicht so schwierig, dich davon zu überzeugen, dass es genüsslich ist, Freude zu spüren, oder in jeder Zelle Klarheit darüber zu haben, was du willst. Aber Schmerz? Angst? Im Folgenden findest Du ein erstes Argument dafür, auch diese „unangenehmen“ Gefühle zuzulassen. Weitere Argumente folgen im nächsten Blog.

Veränderung und Heilung:

Die Energie, die wir dafür aufwenden, Dinge die eigentlich da sind (Wut, Schmerz, Angst etc.) nichts zu spüren, fehlt dafür unser Leben voll zu leben. Gleichzeitig fehlt uns die Energie dieser starken Empfindungen und Gefühle als Motivator. Wir verbleiben in unserem Status quo, leiden möglicherweise daran, verändern aber nichts. Je länger wir in einer für uns eigentlich untragbaren Situation verharren, desto mehr müssen wir uns an den Mechanismus klammern, der uns ermöglicht das Ausmaß der Untragbarkeit nicht zu spüren, um es überhaupt aushalten zu können. Egal, ob das einen körperlichen oder seelischen Schmerz, Wut oder Angst betrifft, behindert ein Nicht-Spüren Veränderung und Heilung. Wenn ich spüre, dass mich etwas sehr verletzt hat, kann ich reagieren. Ich kann das Gespräch suchen, mögliche Missverständnisse klären, Konsequenzen setzen, mich von einer Person nachhaltig trennen, d.h. dafür sorgen, dass diese Person – wenn sie nicht bereit ist, für ihr verletzendes Verhalten Verantwortung zu übernehmen – nicht mehr in meinem Leben ist.

Wenn ich spüre, dass ein Körperbereich auch Wochen nach einer Verletzung noch schmerzt, kann ich mich darum kümmern, mir Hilfe suchen. Ich kann unterscheiden zwischen „schlechtem Schmerz“ und „Wohlschmerz“ und mir damit vom Körper Feed-back holen, was der Bereich nicht mag und was er schon verträgt – damit nachhaltige und umfassende Heilung stattfinden kann.

Gerne begleite ich Dich in Deinen Bestrebungen dazu, dein „Spüren“ zu aktivieren oder noch stärker anzukurbeln oder Deinen Körper dazu zu animieren, sich nach Verletzungen vollständiger zu regenerieren. Kontaktiere mich für eine Schnuppersitzung zum Einführungspreis oder einen Geschenk-Gutschein für die kommenden Feiertage, oder schreib einen Kommentar wie Du es mit dem Spüren hältst.

Du hast die Wahl

Du hast die Wahl

Foto: seanbear/shutterstock.com

In meiner Arbeit geht es häufig um „Zustände“, die wir in bestimmten Situationen automatisch kreieren. Ein Zustand ist meist eine Reaktion auf eine bestimmte Person oder eine Gegebenheit (Stress), beinhaltet z.B. eine bestimmte Art zu atmen, eine Körperhaltung mit Bereichen, die angespannt sind oder sich anfühlen, als wären sie gar nicht da, oder eine bestimmte Stimmung.

Manchmal ist ein bestimmter Körperbereich betroffen, der dann als „Beschwerde“ wahrgenommen wird; z.B. Deine Schulter – wenn Du vorwiegend in einer bestimmten Haltung sitzt und das über mehrere Stunden pro Tag, und wenn Deine Schulter dabei nicht in der Position ist, in der sie anatomisch sein sollte, wird das Konsequenzen haben. Vielleicht hängt sie nach vorne und du spürst ständig einen Zug hinten, oder durch die Fehlhaltung kommt es zu einer Enge im Gelenk und deine Beweglichkeit ist eingeschränkt bis hin zu Schmerzen und einer Diagnose bei der OrthopädIn. Egal, ob es um eine „Beschwerde“ geht oder dein Seins-Zustand (inklusive Atmung, Stimmung etc.) betroffen ist, einen automatischen Zustand zu kreieren und zu leben wird immer Konsequenzen haben. Die gute Nachricht ist, dass Du auf verschiedenen Ebenen wählen kannst, verschieden Dinge tun kannst:

Wähle den Realitäts-und Fakten-Check

Wenn wir in einem Zustand sind, erleben wir das Leben wie einen Film dessen Verlauf wir bereits zu kennen glauben. Die Fakten zu checken, nachzuprüfen, ob die Realität mit dem übereinstimmt, was wir gerade wahrnehmen, glauben, oder spüren ist bei jeder Wahl hilfreich. Der erste Schritt ist, Dir bewusst zu werden, dass du gerade in einem Zustand bist. In einer Sitzung lernst du ja genau das, zu spüren, wie sich dein ganz persönlicher Zustand anfühlt, wie du ihn kreierst, was er beinhaltet – und wie du ihn loslassen kannst, wie du dich ohne Zustand anfühlst. D.h., wenn du z.B. kaum atmest, in verschiedenen Körperbereichen Anstrengung machst, Dein Denken eindimensional und sich wiederholend wird oder viele Sätze mit „immer“, „nie“ in deinem Kopf herumschwirren, kannst du davon ausgehen, dass du gerade nicht entspannt und frei die Realität erlebst. Wenn du also das nächste Mal glaubst, dass eine Bekannte wütend auf dich ist, obwohl du dir keiner Schuld bewusst bist, frag sie doch, ob dem wirklich so ist. Oder ob deine schlechte Stimmung sich vielleicht hebt, wenn Du ein paar tiefe Atemzüge nimmst und aus der nach vorne gebeugten Haltung mit angespanntem Kopf, Nacken und Bauch aussteigst.

Wähle der Verlockung zu widerstehen

Unsere Zustände sind uns wohlbekannt. Das führt dazu, dass sie sich oft anfühlen, wie unser Lieblings-Sweatshirt – so oft gewaschen, dass es ganz weich und anschmiegsam ist. Selbst wenn der Zustand unangenehm ist oder zumindest unangenehme Auswirkungen hat (und wir z.B. unsere Gehaltserhöhung nicht bekommen, weil wir beim MitarbeiterInnen-Gespräch unser Selbstbewusstsein verlieren und uns selbst klein machen, statt auf unsere Errungenschaften hinzuweisen) gibt er uns doch ein Gefühl der Sicherheit. Die Pseudo-Sicherheit des Kennens, der Gewissheit, dass wir in unserer durchaus manchmal unkomfortablen Komfortzone bleiben können wenn wir nichts verändern. Und unsere Komfortzone hat einen großen Sog. Nicht-Wissen hingegen, Nicht-Wissen wie es sein wird (wenn wir etwas anderes tun/anders sind als üblich) macht Angst. Es gilt also, zu wählen, unseren Zustand loszulassen. Zu wählen mutig zu sein und der Verlockung des Altbekannten zu widerstehen.

Wähle zu Atmen

Die Atmung wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Gott sei Dank möchte man sagen, weil wir sonst vermutlich alle ständig ohnmächtig zusammenbrechen würden, müssten wir unsere Atmung aktiv kontrollieren. Nichts destotrotz ist in jedem Zustand ein ganz bestimmtes Atemmuster involviert – entweder wir atmen nur mehr ganz flach und minimalistisch, oder wir machen extra Anstrengung – entweder beim Ein- oder beim Ausatmen. Der Einatmung steht oft ein angespannter Bauch entgegen, der dem Zwerchfell nur wenig erlaubt, nach unten zu wandern. Die Ausatmung, die eigentlich passiv erfolgen kann wenn wir nicht gerade bedeutend mehr Sauerstoff als in Ruhe benötigen (weil wir uns anstrengen beim Marathon, der Bergwanderung, beim Fitness-Training, …) ist in einem „Zustand“ oft gekoppelt mit aktivem Rauspressen der Luft oder einer extrem kontrollierten, langsamen Lippen-Bremsen-Ausatmung, wie man sie aus der Geriatrie anwendet. Wenn Du schon einmal eine Sitzung bekommen hast weißt Du aus eigener Erfahrung, dass der erste Schritt, um aus einem Zustand auszusteigen ist, wieder tiefer zu atmen. Und schon ist ein Teil des Zustandes weg.

Wähle Anspannung bewusst loszulassen

Kennst du das? Du bist gestresst und prompt wandern deine Schultern hoch zu den Ohren? Das ist eine typische Anspannung, die Teil eines wiederkehrenden, automatischen Zustands sein kann. Sobald du genügen Aufmerksamkeit dafür hast, dass du die Schultern anstrengst und hochziehst – d.h. dass du etwas mit ihnen machst, kannst du auch wieder wählen, sie loszulassen, damit sie eine Chance haben, sich wieder an ihren anatomisch angestammten Platz zu bewegen. Die „perfekte“ Lage zu erreichen mag dauern, aber dieser erste Impuls des Loslassens, dem Körperbereich zu „erlauben“ sich nicht mehr extra anzustrengen ist der erste Schritt. Das funktioniert natürlich für jeden Bereich – schiebst du dein Kinn vor, wenn du wütend bist? Hältst du den Bauch, wenn du Angst hast? Zwickst du die Pobacken zusammen, wenn dir etwas peinlich ist? Wähle, die Anstrengung loszulassen und dem Körper zu erlauben, entspannt zu sein.

Wähle Aufmerksamkeit

Wenn wir in einem Zustand sind, ist unsere Aufmerksamkeit oft auch in diesem Zustand gefangen. Wir sehen die Welt wie durch einen Filter und nur das, was unseren Zustand bestätigt wird aufgenommen. Wenn Du in deinem Zustand z.B. überzeugt bist, dass niemand dich mag, wirst du die Blicke einer Kollegin dahingehend deuten, dass sie dich böse angeschaut hat – dabei hatte sie vielleicht gerade einen Streit mit dem Chef. Oder du siehst zwei Bekannte, die miteinander reden und bist überzeugt, dass sie über dich lästern. Dabei haben sie über Politik diskutiert. Wärst du entspannt und „Zustand-befreit“ könntest du einfach wahrnehmen, dass da zwei Leute die du kennst miteinander reden. Und entweder du gehst zu ihnen hin und diskutierst mit, oder Du hast etwas anderes zu tun und gehst deiner Wege.

Wähle zu denken und nicht alles zu glauben

Jeder „Zustand“ beinhaltet eine bestimmte Art zu denken. Sei es, dass wir kaum noch denken können, weil die Gedanken nur Fetzen sind, die nicht wirklich greifbar sind oder sich die Gedanken in einem immer dichter werdenden Wirbel aufeinander ballen, oder der Kopf plötzlich wie im Nebel dumpf und leer wird; oder, dass sich bestimmte Sätze immer wieder wiederholen und wir uns Anweisungen geben (du solltest doch, jetzt mach doch endlich,…) oder vor Jahrzehnten gezogene und seither nicht mehr hinterfragte Schlussfolgerungen gebetsmühlenartig rezitieren (das kannst du sowieso nicht, das wird nie etwas, die lassen dich ja eh nicht,…). Was unser Hirn in einem „Zustand“ von sich gibt ist eher eindimensional und stark gefärbt von den bereits obengenannten Filtern und kann nicht mehr als produktives denken bezeichnet werden. Der Trick – genauso wie Du Deine Schulter lockerlassen kannst, kannst Du auch entscheiden, dem sich wiederholenden Geschwafel nicht zuzuhören oder manches einfach nicht zu glauben – so wie Du vermutlich auch manchen PolitikerInnen nicht alles glaubst.

Wähle zu spüren was ist

Zustände finden auch in unsere Stimmung oder unserer Gefühlswelt ihren Ausdruck. So bist du möglicherweise manchmal aus scheinbar unerfindlichen Gründen grantig oder schlecht gelaunt. Und wenn du dann nachspürst, was eigentlich los ist, merkst du, dass dich das Arbeitspensum, dem du so locker-flockig zugestimmt hast, zusammen mit deiner derzeitigen Familiensituation und der Krankheit deines Vaters doch mehr mitnimmt, als du dir zugestanden hast. Und dann bemerkst du vielleicht auch, dass sich auch die Atmosphäre im Büro in letzter Zeit verändert hat, und dass eigentlich alle gerade sehr gestresst sind und all diese verschiedenen Stimmungen in einer angespannten Atmosphäre münden. Wenn alle spüren, was eigentlich ist, statt einen Zustand darüber zu legen, der das eigentliche verdeckt, gelingt es auch leichter zu spüren, was notwendig ist, um die Situation zum Positiven zu verändern.

Wählen, dranzubleiben

Ein Zustand ist wie eine zweite Haut. Oft gibt er uns wie gesagt Sicherheit und das Gefühl, dass wir alles im Griff haben. Den Zustand kennen wir ja meist schon sehr lange, wir haben ihn gut geübt. Ein Loslassen eines Zustandes beinhaltet also immer ein Verlassen der eigenen Komfortzone, ein Hinausschreiten ins Ungewisse: was passiert, wenn du im nächsten Meeting deine Schultern lockerlässt, atmest und zustimmst zu spüren, wie aufgeregt du bist, wenn du deinen Standpunkt darlegen sollst? Was passiert in deiner Partnerschaft, wenn du aufhörst, den Mund zu halten und dich zurückzunehmen?

Egal, ob es um eine Schulter geht, die wieder lernen soll, wo sie hingehört, oder eine Hand, die ihr Gewölbe wieder zurücktrainieren will, oder eben um einen Zustand mit allem Drum und Dran, den Du ablegen willst – ohne Übung wird es nicht gehen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass Du vieles in deinem Alltag ohne extra Zeitaufwand üben kannst (z.B. wieder einmal Luft zu holen oder eine Bewegung wie das Greifen nach einem Glas Wasser bewusst auszuführen). Und dass du, selbst wenn du tagelang nicht ans Üben gedacht hast, immer wieder neu wählen kannst, es jetzt mal wieder zu versuchen. Damit du deinem Ziel einen weiteren Schritt näherkommst.

Probier einmal für eine Woche eine der Wahlmöglichkeiten aus – entweder tiefer zu atmen, einen Bereich locker zu lassen, oder Deinen Überzeugungen nicht zu glauben – und schreib einen Kommentar zu deinen Erfahrungen damit. Und vergiss nicht, am 15. Oktober wählen zu gehen!

Schritt für Schritt zur Veränderung

Foto: Albina Glisic/shutterstock.com

Schritt 1 – Status Quo-Analyse und Aufmerksamkeit dafür was ist.

Wenn Leute das erste Mal zu mir kommen wissen sie entweder bereits, was sie wollen und haben eine Ahnung davon was sie abhält ihr Ziel zu erreichen. Oder sie merken einfach, dass sie Schmerzen haben oder unrund sind und wollen diesen Zustand beenden und sich wieder wohler fühlen.

Egal warum jemand bei mir in der Praxis auftaucht, der erste Schritt dort ist stets zu beschreiben was Sache ist, also den Status Quo, die Realität jetzt. Je nach Themenlage beginnen wir dann z.B. mit einer Stand- und Bewegungsanalyse:

Wie stehst Du? Wie gehst Du? Bewegt sich Dein Brustkorb mit oder ist der relativ unbeweglich und starr? Wie belastest Du Deine Füße, wo befindet sich Dein Oberkörper, Dein Kopf in Relation zum Becken?

Oder wir starten mit einer Fußanalyse:

Welche Ungleichgewichte sind sichtbar in Form von z.B. harter Haut, tiefen Einkerbungen, Falten oder Rötung? Gibt es eine Beschwerde in, oder eine Unzufriedenheit mit einem Körper- oder Lebensbereich auf den dieses Ungleichgewicht hindeutet?

Neben der Definition Deines Ziels („Ich möchte keine Rücken-, Regel-, oder Kopfschmerzen mehr haben“; „Ich möchte mehr Standfestigkeit in meinem Auftreten“, „Ich möchte lernen, Nein zu sagen, wenn es nötig ist“, …) beginnen wir, den Zustand der Deinem Ziel im Weg steht genau zu beschreiben und herauszufinden, wann er besonders gerne auftaucht. Das ist das Spannende an meiner Arbeit, denn obwohl wir alle irgendeine Reaktion auf z.B. Stress haben, und wir ganz sicher irgendetwas mit unserer Atmung machen, um unseren Stresszustand zu kreieren, sind doch die Feinheiten sehr individuell. Und wenn Du während der Fußanalyse erzählst, dass eine große Deadline näher rückt und Dir Deine Chefin schon die ganze Woche in den Ohren liegt,rutscht Du automatisch in deinen persönlichen Stresszustand und Du bemerkst dann vielleicht zum ersten Mal, dass Du nicht nur die Schultern hochziehst, sondern auch Dein Becken nach vorne kippst, die rechte Hüfte hochziehst und gleichzeitig leicht nach hinten drehst und Dein Gewicht auf die Außenkante des Fußes verlagerst. Die hochgezogenen Schultern tun ihr übriges und zwingen Deinen Nacken aus dem Lot und zum Drüberstreuen presst Du die Zähne aufeinander und forcierst ein Lächeln. Spätestens dann bemerkst Du Deinen üblichen Rücken- oder Kopfschmerz, obwohl Du gerade gar keinen Stress hast.Die hochgezogenen Schultern tun ihr übriges und zwingen Deinen Nacken aus dem Lot und zum Drüberstreuen presst Du die Zähne aufeinander und forcierst ein Lächeln. Spätestens dann bemerkst Du Deinen üblichen Rücken- oder Kopfschmerz, obwohl Du gerade gar keinen Stress hast.Die hochgezogenen Schultern tun ihr übriges und zwingen Deinen Nacken aus dem Lot und zum Drüberstreuen presst Du die Zähne aufeinander und forcierst ein Lächeln. Spätestens dann bemerkst Du Deinen üblichen Rücken- oder Kopfschmerz, obwohl Du gerade gar keinen Stress hast.

Diese Bestandsanalyseist der Beginn, und mit zunehmender Aufmerksamkeit werden Dir nach und nach noch andere Details auffallen, die ebenfalls zu Deinem Zustand beitragen; neben der Verdrehung des Beckens hast Du möglicherweise auch eine ganz bestimmte Stimmung oder eine Art zu Denken. Wichtig ist jedenfalls, den Ist-Zustand, den Du verändern willst aufmerksam zu erheben und zu erforschen; neugierig zu sein und hinzuschauen, welchen Beitrag Du an einer Beschwerde oder Unzufriedenheit hast. Das Hinschauen, Deine Aufmerksamkeit, sind Dein Ticket in die Freiheit – denn wenn Du einen Zustand kreierst, aufmerksam darauf wirst und weißt, wie Du ihn kreierst, dann kannst Du auch aufhören ihn zu kreieren. Weil Du dranbleibst und übst und immer wieder hinschaust und wählst, wie Du sein und agieren möchtest und mutig bist Dich zu verändern.

Meine Vision ist es, die Welt zu verbessern, indem ich Menschen darin unterstützen, ihre individuellen Talente, Qualitäten und Fähigkeiten authentisch in die Welt zu bringen. Wenn du dein Leben dahingehend selbst in die Hand nimmst kannst Du Dich und die Welt verwandeln. Wenn mehr und mehr Menschen ihrem Leben so selbstbestimmt Bedeutung verleihen, kann es durchaus zu revolutionären Veränderungen kommen.

Wie klein eine „Um-Stellung“ manchmal sein kann, um etwas zu bewirken oder einen Stein ins Rollen zu bringen ist oft erstaunlich. Du erinnerst Dich vielleicht an das Beispiel, dass ich in einem früheren Blog aufgegriffen habe – eine kleine, bewusst angesteuerte Beinachsenkorrektur hat ganz viel für die Standfestigkeit einer jungen Klientin gemacht und sie somit ihrem Ziel nähergebracht.

Damit Du siehst, wie einfach es ist Deine Aufmerksamkeit zu schärfen lade ich Dich zu einer Challenge ein:

Als LeserIn meines Blogs wird Dir bereits aufgefallen sein, dass mich ein spezieller Miss-Stand immer wieder auf die Barrikaden treibt: Leute, die den Motor ihres Autos laufen lassen und seelenruhig in ihrem so erweiterten Wohnzimmer sitzen und telefonieren, jausnen, lesen, etc. Besonders pikant finde ich die neue Unart, den Wagen mit laufendem Motor stehen zu lassen ohne überhaupt drin zu sitzen. Es scheint nur Wenigen sonst aufzufallen oder aufzuregen, dass dieses Vergehen (laut KFG §102 (4) ist es eines) mittlerweile gang und gäbe ist. Und falls es Dir noch nicht aufgefallen ist, liegt das vermutlich daran, dass Du Deine Aufmerksamkeit noch nicht darauf gerichtet hast.

In der ersten Woche der Challenge geht es also zunächst nur darum, auf Deinen täglichen Wegen zu Fuß (sonst wirst Du es nicht mitbekommen) darauf zu achten, ob jemand die obengenannte Achtlosigkeit betreibt. Du wirst sehen, dass wenn Du Dich entscheidest, Deine Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache zu richten, Dir mehr und mehr Dinge auffallen, oder Dir bestimmte Dinge häufiger auffallen. Egal also, ob Du Deinen Fokus darauf richtest, wie Du Dein Becken verdrehst, sobald die Zeit knapp wird und Du Stress bekommst oder darauf, was in Deinem Umfeld und in Deiner Umwelt so passiert: Du wirst mehr und mehr Details über Deinen Rücken, Dein Becken, Deinen Gang herausfinden. Und Du wirst immer öfter bemerken, wie viele völlig unnötigen Abgase aus Bequemlichkeit in die Luft gepustet werden. Deine Aufmerksamkeit als erster Schritt zur Veränderung.Die Bewegung im Handgelenk, um den Zündschlüssel umzudrehen ist ja eine noch viel kleinere „Um-Stellung“, als eine Beinachse zu korrigieren.

Als Dankeschön für Deine Teilnahme am ersten Teil der dreiteiligen Challenge erhältst Du ein PDF mit Informationen zur Atmung und drei einfachen Übungen für mehr Luft und Entspannung im Alltag. Näheres zur den Teilnahmebedingungen und zum weiteren Ablauf der Challenge findest Du auf meinen Facebook-Seiten Cora K. Hiebinger – Body Awareness & Body Works oder auf Simple Solutions. Oder Du schreibst mir ein Mail und ich schicke Dir die Informationen zu.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim ersten Schritt zu einem glücklicheren, zufriedenerem Du und damit zu einer besseren Welt. Und wenn Du bei der Challenge teilnimmst ergibt sich ja gleich direkt eine bessere Welt: weniger Lärm, weniger Abgase, weniger Ressourcenverbrauch, weniger Verschwendung…… Ich freue mich auch, in Deinem Kommentar von Deiner ganz persönlichen Challenge zu lesen, worauf wirst Du in nächster Zeit Deine Aufmerksamkeit richten?

Selbstverständlich? Selbstverständlich!

Selbstverständlich? Selbstverständlich!

Foto: Cora K. Hiebinger

Im Urlaub stellte eine Freundin bei einer Diskussion über den Zustand unserer Welt kürzlich unumwunden fest, dass sie eigentlich gar nichts mehr verwunderte. Ganz im Gegenteil sei sie positiv überrascht, wenn z.B. jemand seinen Müll in den Abfalleimer werfe, oder sie den Zebrastreifen überqueren ließe.
Der tägliche Wahnsinn,der da viele von uns immer häufiger kopfschüttelnd und ratlos zurücklässt hat wohl viel damit zu tun, dass Dinge, die wir als selbstverständlich erachten, plötzlich nicht mehr dem „Üblichen“ entsprechen, und im Gegenzug Anderes immer mehr zur Selbstverständlichkeit wird und eine neue „Normalität“ schafft, die Angst macht.

Ich rede nicht von kulturellen Unterschieden, die es immer gegeben hat und immer geben wird – früher vielleicht Feinheiten im Umgang in zwei entlegenen Tälern oder Bundesländern – jetzt globaler auf verschiedene Kontinente bezogen.

Ich spreche von Selbstverständlichkeiten, die uns als Menschen und BewohnerInnen dieses Planeten über alle ideologischen und sonstigen Grenzen hinweg einen – oder doch einen sollten.

Eine grundsätzliche Bereitschaft zum Miteinander z.B., die Nachbarn grüßen, die im selben Haus wohnen. Oder jemandem die Türe aufhalten, oder eine klare, ehrliche Antwort auf eine berechtigte Frage zu erwarten und auch zu bekommen.

Auch eine grundsätzliche Bereitschaft dazu, unseren Lebensraum: Umwelt, Pflanzen- und Tiere zu schützen und zu erhalten – und sei es nicht, weil wir an den Biophilia-Effekt glauben, daran, dass gesunde Natur einen großen, positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden hat, sondern alleine deswegen, weil wir nur dadurch auch unser eigenes Überleben sichern können. Denn jedeR, der/die in der Schule manchmal aufgepasst hat weiß, dass es Ökosysteme, dass es Nahrungsketten gibt. Und dass z.B. wenn wahllos alle Insekten mit Pestiziden vergiftet werden, es weniger Nahrung für Vögel und andere Insektenfresser gibt. Weniger Vögel dann wiederum heißt, dass es weniger Raubtiere gibt, die von den Vögeln leben, usw. Und dass speziell das Bienensterben, dass durchaus bereits stattfindet, einen Einfluss auf den Obstertrag hat. Die Dinge hängen eben zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Und auch wir sind Teil des Ökosystems, wenngleich wir uns oft so verhalten, als wären wir vor den Konsequenzen unseres Tuns gefeit. Hier findet offensichtlich bereits eine schleichende Erosion dessen statt, was wir bislang als normal ansahen. Kornblumen? Igel? Schmetterlinge? Selbst Spatzen sieht man kaum noch in der Stadt.

Phillip Blom sagt in einem Interview mit dem Schweizer Rundfunk und Fernsehen:

„Wir Menschen reagieren sehr gut auf plötzliche Krisen: bei einem Erdbeben, einer Sturzflut, einem Unfall. Mit einer schleichenden Krise wie dieser ist es für uns wesentlich schwerer umzugehen. In unseren reichen Ländern sehen wir die unmittelbaren Effekte des Klimawandels noch nicht. Die Tatsache, dass wir uns in einer Notsituation befinden, dringt zu den Menschen in ihrem täglichen Leben nicht durch.

Gleichzeitig findet „eine langsame Normalisierung von Dingen, die vorher unmöglich gewesen wären“ – (Phillip Blom) statt. Sei es die Normalität von Fake News, die gebetsmühlenartig sich wiederholenden NLP-Antworten, die viele PolitikerInnen auf unangenehme Fragen geben, die Selbstverständlichkeit, mit der jedeR sein/ihr Recht nützt, eine Auto zu besitzen und bei jeder Gelegenheit zu nutzen, die Banalität von Erdbeeren im Jänner, Café Lattes im Einwegbecher.

Nach unserer Diskussion über den Zustand der Welt sprachen wir für den Rest des Urlaubs laut aus „das ist nicht selbstverständlich!“, wenn jemand die Basics lebte – „Menschliches Miteinander 101“ sozusagen – um diesen Taten den gebührenden Respekt zu zollen.

Egal, ob wir es „positive reinforcement“, Freundlichkeit, Höflichkeit oder Respekt nennen, es lohnt sich, Selbstverständlichkeiten, die oft gar keine mehr sind, mit einem Lächeln oder einer netten Bemerkung zu belohnen. Sei es ein Heben der Hand, wenn Dir im Straßenverkehr der Dir gebührende Vorrang gewährt wird, sei es ein Danke!, wenn Dir jemand die Türe aufhält, oder eine anerkennende Bemerkung an jemanden, der eine Arbeit zu Deiner vollen Zufriedenheit erledigt hat.

Laut Glücksforschung ist Dankbarkeit einer der Hauptfaktoren zum Glücklichsein. Insofern ist es auch eine gute Übung, sich immer wieder auch für Dinge zu bedanken, die uns hier in Österreich zwar als selbstverständlich erscheinen, aber weder für die restliche Weltbevölkerung noch überhaupt für alle ÖsterreicherInnen „normal“ sind: sauberes Trinkwasser, das noch dazu gut schmeckt, direkt aus dem Wasserhahn gibt es nur in wenigen Ländern dieser Welt; Wahlrecht, Schulpflicht, freie Meinungsäußerung und Krankenversicherung zählen auch nicht überall zur Normalität. Alleine die Tatsache, dass ich diesen Text schreiben, und Du ihn lesen kannst, ist anderswo eine Besonderheit. Und selbst hier haben nicht alle ein Dach über dem Kopf.

Unsere positive Haltung wurde im Urlaub noch einmal gehörig herausgefordert, als Neuankömmlinge ihr Zelt so nahe an unsere Zelte platzierten, dass der Zugang zu unserer temporären Heimstatt sich zum Hindernislauf gestaltete. Und das nicht ob einer allgemeinen Platzknappheit, sondern, damit sie vor ihrem Zelt einen Tisch aufstellen, und über eine freie Fläche auf ihr Auto blicken konnten. Unsere Fassungslosigkeit über die Beschneidung unseres Zeltplatzes wurde aber am selben Tag von einer uns zuteilwerdenden Großzügigkeit überstrahlt, die nun wirklich „nicht selbstverständlich“ war. Ein heraufziehender Sturm hatte uns Zuflucht am Ufer suchen lassen. Ein Anrainer sah uns gestrandet, fragte, ob wir Hilfe bräuchten, organisierte kurzerhand einen Lieferwagen damit wir nicht den Sturm abwarten mussten, und brachte unsere Falt-Boote zum Campingplatz zurück. Mein ganz persönlicher Held vom Attersee.

Ich denke, dass wir, um menschliche Selbstverständlichkeiten wieder mehr in unserem Leben zu haben und das, was sich langsam einschleicht als neue Normalität – in der jedeR nur mehr mit dem Handy kommuniziert – zu erkennen und ihm Einhalt zu gebieten wieder mehr „Selbstverständnis des Seins“ brauchen. Ein Selbstverständnis dafür, wer und was wir sind, ein „uns spüren“ und ein „selbstverständlich Körper-Sein“. Das wir Körper sind ist eine unumstößliche Tatsache. Wenn wir als Körper aufmerksam sind, spüren, was wir brauchen für unser Glück und uns dann verantwortungsvoll um diese Bedürfnisse kümmern, können wir auch andere besser spüren, und sind besser fähig sein zu tun, was die Realität gerade verlangt. Die Arbeit nach der Grinberg-Methode bietet Werkzeuge dafür. Probier es aus, oder schreib einen Kommentar was für Dich selbstverständlich -oder eben nicht – ist.

Ausgeschlafen ist das neue Cool

Ausgeschlafen ist das neue Cool

Foto: Doucefleur/shutterstock.com

Oder auch nicht. Warum wir nicht nur im Urlaub mehr auf unseren Schlaf achten sollten.

Vor nicht ganz 2 Jahren hatte ich die Gelegenheit meine Herz-Raten-Variabilität (HRV) messen zu lassen. 30 Stunden lang nahmen 2 Messelektroden Daten auf, während ich arbeitete, Sport trieb, aß, las und schlief.  Elis Sonnleitner, Gründerin von heartrates.at analysierte danach die Messerresultate und erklärte mir die Ergebnisse. Ich war durchaus schockiert zu hören, dass ich meinem Körper laut HRV offensichtlich nicht wirklich ausreichend Erholung gönnte und meine Schlafqualität zu wünschen übrigließ (obwohl mein Schlafmodus in der Regel wie folgt zu beschreiben ist: ins Bett – einschlafen – Wecker – aufwachen).

Ich begann also, mehr auf meinen Schlaf und – eine weitere Anregung von Elis – auf mehr Pausen und zusätzliche Bewegung im Freien zu achten. Ich hatte zwar schon davon gehört, dass das blaue Licht von Computern (Smartphones und TV) den abendlichen Melatonin-Anstieg (unser Schlafhormon) verzögert, mit dem sich der Körper auf den Schlaf vorbereitet. Das hinderte mich aber nicht daran, bis kurz vor dem Schlafengehen am Computer zu sitzen. Interessanterweise nahm ich innerhalb kürzester Zeit 4 kg ab, ohne irgendetwas an meiner Ernährung zu verändern – einfach nur durch mehr besseren Schlaf und einem Minimum von 10 000 Schritten täglich. Wenn ich jetzt ausnahmsweise noch bis spät am Computer arbeite, dann merke ich einen deutlichen Unterschied in meiner Schlafqualität und meinem Energielevel am nächsten Tag.

Mittlerweile hat sich auch meine Einstellung zum Schlaf deutlich geändert. Ich sehe ihn nicht mehr als notwendiges Übel und verschwendete Zeit in der „nichts weitergeht“, sondern als das, was er ist: ein Zustand, in dem der Körper hochgradig aktiv ist und essentielle Dinge erledigt. Im Schlaf verarbeitet, speichert und löscht das Gehirn Informationen und bereitet uns optimal auf den nächsten Tag vor. Schlaf ist also unabdingbar dafür etwas zu lernen und sich danach daran zu erinnern – „den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“ bekommt da gleich eine ganz neue Bedeutung. Ausreichend zu schlafen unterstützt auch andere Organe (z.B. das Herz) und Systeme (Immunsystem), erlaubt die Fettverbrennung und hält unseren Stoffwechsel im Gleichgewicht. Ausgeruht ist es auch leichter, aufmerksam auf Deinen Körper zu sein und unliebsame Reaktionen oder Zustände in den Griff zu bekommen – du hast wenn du ausgeschlafen bist also z.B. auch eindeutig mehr von Deinen Sitzungen (oder sonstigen Lerneinheiten oder Trainings) und nachhaltige Veränderungen können schneller greifen.

Chronotypen

Euclock, ein europäisches Forschungsnetzwerk von ChronobiologInnen, das die zirkadianen Rhythmen in Zellen und Menschen untersucht, bietet einen kurzen Fragebogen, mit dem du Deinen Chronotypen bestimmen lassen kannst. Die große „Normalgruppe“ schläft üblicherweise von 00:15 bis 8:15 Uhr wenn sie darf (d.h. kein Arbeitsbeginn ein früheres Aufstehen erfordert). Dann gibt es die individuellen Lerchen (FrühaufsteherInnen) und Eulen (SpätaufsteherInnen) und ein altersbedingtes Lerchen- und Eulentum. Alle, die kleine Kinder haben oder hatten, wissen, dass die Kleinen erschreckend früh putzmunter sind, Teenager hingegen bringt man zuerst nicht ins und dann nicht aus dem Bett. Im Alter kommt dann wieder die senile Bettflucht – ausgelöst durch Hormone und dadurch, dass unsere Zeitzentrale im Zwischenhirn an Sensibilität verliert und die innere Rhythmik mehr durch äußere Reize – hellem Licht (vor allem vormittags) und Aktivität am Tag – in Schwung gehalten werden muss.

Tatsache ist, dass unsere Gesellschaft kaum auf die individuellen Bedürfnisse und Chronotypen Rücksicht nimmt. Maturabeginn um 7 Uhr früh ist für Teenager, die es ja Großteils betrifft, mehr oder weniger mitten in der Nacht. Und für eine ausgeprägte Eule ist auch eine Gleitzeit von 7 bis 10 Uhr keine ausreichende Hilfe.

Schlafmangel

Du hast es sicher schon am eigenen Leib erfahren – unausgeschlafen zu sein ist – außer man ist frisch verliebt – nicht wirklich prickelnd. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ist reduziert, es ist schwieriger sich zu konzentrieren, die Motivation ist enden wollend und oft verstärkt Müdigkeit das Bedürfnis nach Süßigkeiten – und senkt das nach Bewegung. Zuwenig (aber auch zu viel) zu schlafen erhöht z.B. das Risiko, an Diabetes II zu erkranken. Die Unfallgefährdung und Anfälligkeit Fehler zu machen – sowohl im Straßenverkehr als auch in der Arbeit – steigt. Der Schlafforscher Dr. Hans-Günther Weeß schätzt, dass tödliche Unfälle zwei- bis dreimal häufiger die Folge von Übermüdung als die von Alkohol sind. Er weist darauf hin, dass das Reaktionsvermögen durch 17 Stunden Wachheit ebenso gemindert wird wie durch 0,5 Promille Blutalkohol, nach 22 Stunden gar so wie 1,0 Promille.

Professor Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie an der LMU München stellt fest, dass die inneren Uhren der meisten Menschen im Westen nachgehen, weil es zu wenig Differenz zwischen Licht und Dunkelheit gibt (die Lichtintensität in Gebäuden ist tausendmal geringer als unter freiem Himmel). Außerdem verlängern wir den Tag durch künstliches Licht, werden aber trotzdem frühmorgens durch den Wecker geweckt – was zu einem „sozialen Jetlag“ führt. Am Wochenende versuchen wir dann, den Schlafmangel aufzuholen – was nur bedingt gelingt.

Siesta, Powernapping, Inemuri

Der Chronobiologe sieht aber auch das Problem, dass wenig zu schlafen noch immer als erstrebenswert angesehen wird: das heißt, man ist wichtig, leistungsbereit – im Gegensatz zu faul und langweilig weil ausgeschlafen.

Auch die Sieste tagsüber erfreut sich scheinbar nur in südlichen Ländern einer allgemeinen gesellschaftlichen Akzeptanz; im Hinblick auf die globale Erwärmung und die Meldung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), dass der vergangene Juni unter die wärmsten Junimonate der 250-Jährigen Temperatur-Messgeschichte in Österreich fällt und in der Endbilanz bis zu 3,7 Grad über dem Mittel liegen könnte, wird eine solche allgemeine Mittagspause vielleicht in den nächsten Jahren auch in Österreich gang und gäbe. Oder wir übernehmen von den JapanerInnen das Inemuri: tagsüber schlafen – egal wann – wird selbst während der Arbeitszeit toleriert – denn wer Inemuri betreibt zeigt der Welt, dass er/sie durch großen Fleiß einen völligen Erschöpfungszustand erreicht hat. Da doch lieber eine genüssliche Siesta – wobei Du darauf achten solltest, dass Dein „Power-Nap“ nicht länger als 20 Minuten dauert, sonst kommst Du leicht in eine Tiefschlafphase und das Aufwachen und Wiedererreichen der vollen Leistungsfähigkeit dauert. Auch eine Tasse starken Kaffees vor dem Nickerchen hilft angeblich, danach sehr rasch wieder wach zu sein (und das Koffein benötigt ca. 20 Minuten, um zu wirken und sollte uns pünktlich aufwecken). Weiters gibt es den Einstein’schen Schlüsseltrick: du nimmst einen Schlüsselbund (oder Ähnliches) in die Hand, wird der Schlaf zu tief fällt der Schlüssel scheppernd zu Boden, weil die Muskelspannung nachlässt – und der Powernap hat genau die richtige Dauer.

Was Du tun kannst

Falls Du ständig hungrig bist und großen Appetit auf fettige, süße Speisen hast, Dir Dinge nur schwer merken kannst und es Dir schwer fällt, Entscheidungen zu treffen, du öfter als sonst stolperst, emotionaler and öfter krank wirst leidest Du vielleicht unter Schlafmangel.

Wenn Du in den nächsten Wochen auf Urlaub gehst, kannst du ja gleich damit beginnen, den versäumten Schlaf nachzuholen. Als regelrechte Schlafkur kannst du abends zu Bett gehen, sobald du müde wirst, keinesfalls einen Wecker stellen oder morgendliche Termine ausmachen, und Dich allenfalls noch einmal umdrehen, wenn du früh aufwachst.

Für den Alltag gilt:

  • Halte einen halbwegs konstanten Schlafrhythmus ein, d.h. abends immer zur gleichen Zeit zu Bett gehen, vor allem wenn Du am nächsten Tag aufstehen musst.
  • Sorge nach Phasen mit großem Stress und wenig Schlaf für Erholungsphasen.
  • Wenn Du bereits gesundheitsbewusst auf ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung achtest – Schlaf und Entspannung sind für Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden genauso wichtig.
  • Geh tagsüber nach draußen. Helles Licht macht dich tagsüber aktiver und leistungsfähiger und sorgt für geruhsamen und tieferen Schlaf in der Nacht.
  • Vermeide spätabends und nachts helles Licht und schalte alle elektronischen Geräte (da ist der Fernseher inkludiert) mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen aus.
  • Achte so weit es geht auf Deinen Chronotyp (siehe Link oben).
  • Sorge für regelmäßige Pausen, ob Nickerchen oder ein kurzer Spaziergang, oder schau mal eine Zeit lang in die Luft.
  • Sorge für regelmäßige, wohlschmeckende, mit Aufmerksamkeit zubereitete Mahlzeiten – auch die unterstützen die innere Uhr.
  • Sport und Bewegung am besten vormittags (wenn du Probleme mit dem Aufstehen hast) oder tagsüber.

Auch die Grinberg-Methode bietet Werkzeuge für besseren Schlaf. Egal ob Du dafür lernen möchtest, Dich besser zu entspannen, die Qualitäten, die für dein Körper für erholsamen Schlaf benötigt zu stärken oder automatische Schlafpositionen zu erkennen und los zu lassen. Bis Ende August biete ich ein spezielles Schlaf_Gut_Paket dafür an.

Als Ausgeschlafene/r hast Du mehr vom Leben. Und alle, die mit Dir zu tun haben, haben mehr von Dir, wenn Du wach und ausgeruht bist. Und Deinen Körper und die Leichtigkeit des Seins wieder öfter genießt. Lass uns Ausgeschlafen Sein zum neuen Cool machen! Ich wünsche Dir einen erholsamen Schlaf und freu mich über Deinen Kommentar zum Thema!

Sei freundlich zu dir selbst

Sei freundlich zu dir selbst

Foto: Cora K. Hiebinger

Das buddhistische Meditationszentrum meiner Wahl (Shambhala Buddhismus in der Stiftgasse) besticht durch seine Unaufgeregtheit. Die Menschen, dich ich dort kennengelernt habe sind in ihren ganz unterschiedlichen Berufen erfolgreich und stehen voll im Leben – angenehm „unheilig“ und nicht abgehoben: niemand gibt vor, die Erleuchtung schon in greifbarer Nähe zu spüren – und doch machen sie weiter und arbeiten an der „grundlegenden Gutheit“, die uns allen innewohnt.

Was mich an dieser Form des „Sitzens“ noch beeindruckt hat ist die Sanftheit, zu der man im Umgang mit sich selbst angehalten wird. „Sei freundlich zu Dir selbst“ ist ein Satz den ich immer wieder gehört habe – und den ich nun häufig meinen KlientInnen mit auf den Weg gebe.

Sicher haben wir alle schon Situationen erlebt, in denen uns andere klein gemacht, ungerecht behandelt, herabgewürdigt, beschimpft oder uns ganz einfach mit Gemeinheiten bedacht haben.

Sicher haben wir das alles nicht als angenehm empfunden – was uns jedoch nicht davon abhält, uns auch selbst mit abfälligen Bemerkungen herunterzumachen, streng zu kritisieren, oder zu beschimpfen. Wir reden mit uns und über uns oft auf eine Art und Weise, die uns die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, sprächen wir so über eine andere uns nahestehende Person.

Freundlich zu Dir sein heißt nicht, dass Du von jetzt an alles super findest, was du tust und sagst und dir, egal was für eine Aktion Du gerade geliefert hast lächelnd auf die Schulter klopfst.

Freundlich zu Dir selbst heißt, dich wie eine dir liebe Freundin zu behandeln. Zu der sagst du ja sicher nicht „Was bist du doch für ein Idiot!“ wenn sie einen Fehler gemacht hat. Einen guten Freund bremst du vielleicht ein, wenn er sich nur mehr von einem Termin zum anderen schleppt und halbkrank und übernachtig sein Leben fristet. Und sagst ihm, dass du dir Sorgen um ihn machst und dass er seine Gesundheit aufs Spiel setzt. Wenn gute FreundInnen dich an ihren Wünschen und Träumen teilhaben lassen sagst du nicht als erstes gleich einmal „das wird sowieso nichts.“ Du hörst ihnen zu und unterstützt sie darin, realistische Schritte zu setzen und bestärkst sie, das zu tun was sie glücklich macht. Beschimpft jemand Deine FreundInnen oder behandelt sie ungerecht, wirst du für sie da sein und ihnen den Rücken stärken, oder sogar selbst einschreiten, um die AggressorInnen zu stoppen und in ihre Schranken zu weisen. Und wenn deine FreundInnen Hirngespinsten nachhängen, bist du diejenige, die ihnen die Augen öffnet und sie wieder in die Realität zurückholt.

Ich habe mit FreundInnen ein Abkommen getroffen: falls wir mit zunehmendem Alter schrullig zu werden beginnen oder einem gewissen Realitätsverlust anheimfallen, teilen wir das einander mit. Weil wer sonst, wenn nicht unsere FreundInnen sollte uns darauf hinweisen, dass wir uns gerade ins Hemd lügen, im Begriff sind, eine große Dummheit zu begehen, oder eine unserer „Eigenheiten“ gerade auf die Spitze treiben. Freund-lich sein hat also auch ganz viel mit ehrlich sein und in der Realität sein zu tun.

Die Zustände, die wir kreieren und in denen wir uns selber niedermachen führen immer zu einer Verzerrung der Realität. Weil wenn du ehrlich bist, weißt du natürlich, dass du keinE VollidiotIn oder VersagerIn bist, aber möglicherweise gerade etwas getan hast was nicht ausnehmend klug war. Und wenngleich jedeR von uns ein Einzelstück und damit schon in sich vollkommen ist, so entbehrt doch der Anspruch „perfekt“ sein zu müssen (im Sinne von keine Schwächen, keine Fehler zu haben oder zu machen) nicht einer gewissen Arroganz. Freundlichkeit zu sich selbst beinhaltet dann, uns mit einem grundsätzlichen Wohlwollen zu betrachten, Entwicklungspotentiale zu sehen („there is room for improvement“), mit sanfter Ausdauer dranzubleiben und beim nächsten Mal aufs Neue unser Bestes zu geben.

Nächstes Mal, wenn Du wieder einmal über dich schimpfst oder schlecht redest, überprüfe einmal, ob du dieselben Worte, denselben Tonfall einer guten Freundin, einem guten Freund gegenüber anschlagen würdest. Freundlicher mit sich umzugehen bewirkt dann möglicherweise auch ein friedlicheres Miteinander – du mit dir, du mit anderen.

Zum Thema friedlicher gibt es im September auch das Symposium Peace Now, das das Shambhala Zentrum ausrichtet. Bis 30. Juni gilt noch der FrühbucherInnen-Bonus. Auch ich wurde eingeladen einen Workshop zu halten – der findet am Sonntagvormittag zum Thema „Respekt Yourself For Peace“ statt:

Friede in der Welt beginnt mit Frieden in und mit unserem Körper. Spüren wir uns besser und begegnen unserem Körper mit Respekt, zeigt uns der sehr genau, wo es langgeht: wieviel Ruhe er braucht, was er zu Essen mag, wie er sein Potential verwirklichen möchte. Geben wir ihm (und damit uns) Raum, sind wir zufriedener und es fällt uns leichter, auch andere sein zu lassen, wie sie sind. Damit ist ein erster Schritt zu einer zufriedeneren, friedlicheren Stadt getan. In diesem Workshop trainieren wir unsere Körperaufmerksamkeit, damit wir wieder besser spüren können was uns unsere Körper zu sagen haben.

Willst Du schon früher Freundlichkeit zu Dir selbst üben? Schaffe Dir Deine ganz private Freundlichkeits-Challenge: plane für einen gewissen Zeitraum (1 – 6 Wochen) jedes Mal, wenn Du dazu ansetzt etwas Negatives über Dich zu sagen oder mit dir zu schimpfen, das zu bemerken, tief durchzuatmen und Dir vorzustellen, das zu oder über (D)ein Kind, oder sonst jemanden zu sagen, den Du wirklich gerne magst. Schau, ob das nicht einiges an Schärfe herausnimmt aus Deinen Anmerkungen.

Oder Du schaust bei einer Happy_Body_Revolution vorbei, und lernst Deinen Körper anatomisch funktionell zu be- und damit zu ent-lasten.

Oder Du machst Dir einen Termin für eine Einzelsitzung aus und lernst Freundlichkeit zu Dir am eigenen Körper. Im Juni und Juli sind Erstsitzungen für Neu-KundInnen um 55% ermäßigt – Codewort: Freundlichkeit.

Ich freue mich, von Dir zu hören, wie es Dir damit geht, freundlicher und sanfter mit Dir selbst umzugehen!

Trafen sich ein Rabbi und ein Imam in Wien….

Trafen sich ein Rabbi und ein Imam in Wien….

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Warum wir immer wieder hinterfragen sollten, was wir zu wissen glauben – oder – „Ent-schwurbelt“ Euch!

Trafen sich ein Rabbi und ein Imam in Wien…. So könnte einer der typischen Rabbiner-Witze beginnen. Allerdings ist dies kein Witz, sondern tatsächlich geschehen. Und dank meiner guten Freundin Ebru konnte ich neulich dabei sein, als der Wiener Gemeinderabbiner Hofmeister und der Imam Demir von ihren Erfahrungen auf der „Reise nach Jerusalem“ berichteten und die Fragen der mehrheitlich aus dem christlichen Kulturkreis stammenden Zuhörer*Innen beantworteten. Ein äußerst spannender Abend mit lebhaften Diskussionen.

Was mich besonders beeindruckt hat war die entspannte Klarheit mit der sowohl Rabbiner als auch Imam ihre Standpunkte und Erfahrungen darlegten. Und es war auch nicht „Toleranz“, was da im Raum mitschwang, vermittelt doch Toleranz immer auch etwas von Hierarchie – sich aus einer Position des Besserwissens bereiterklären (oder herablassen) eine andere Sichtweise zu tolerieren – sondern ein ganz selbstverständlicher Respekt auf gleicher Augenhöhe, Respekt sich selbst und den anderen gegenüber.

Wohl jede*r kämpft irgendwann heftig mit Glaubenssätzen, mit uralten Schlussfolgerungen, die als „Gematschger“, „Geschwurbel“ oder als allgemeines „sich runtermachen“, sozusagen als permanente verbale Selbstgeißelung in Erscheinung treten und sie immer wieder glauben machen, dass sie selbst oder das Leben und ihre Beziehungen eine einzige Katastrophe seien. Und obgleich es überhaupt keinen Spaß macht, ständig mit und über sich zu schimpfen oder in eine allgemeine Negativspirale der Gedanken zu verfallen, hält man doch ungerührt und beinhart an diesen Überzeugungen und Sätzen fest, die der Verstand wie eine Dreckschleuder in Endlosschleife über einen ausschüttet. Ich weiß, wovon ich spreche, war ich doch selbst lange Zeit meiner eigenen Dauerbeschallung ausgesetzt.

Meinen Klient*Innen mache ich oft den Vorschlag, dass sie, genauso wenig wie sie Strache oder Trump zuhören und glauben, auch wählen können, ihren unproduktiven, sich wiederholenden Glaubenssätzen (mit vielen „immer“ und „nie“) weder Glauben noch Aufmerksamkeit zu schenken. Meist bringt das alle zum Lachen; als intelligente, kritische, unabhängig denkende Menschen ist es ihnen selbstverständlich, offensichtliches Geschwafel, ob live oder in Printmedien, anzuzweifeln, zu hinterfragen und auf seine Gültigkeit zu überprüfen. Oder ganz einfach nicht zu glauben.

Die Diskussion mit Rabbiner Hofmeister und Imam Demir hat ein sehr anschauliches Beispiel geliefert, mit denen die Wichtigkeit des Überprüfens erneut bestätigt wird. Auf die leicht entrüstete Bemerkung einer Zuhörerin, wie denn das nun mit „Toleranz“ zu vereinbaren sei, dass gläubige Juden Frauen nicht die Hand gäben erklärte Oberrabbiner Hofmeister sehr sachlich, dass diese Konvention einen kulturellen, und keinen religiösen Ursprung hat.  So sei es in West-Europa durchaus üblich gewesen, dass Männer auch Frauen mit Handschlag begrüßten, und auch die westeuropäischen Juden folgten diesem kulturellen Brauch. In Ost-Europa hingegen war es unüblich, dass Männer Frauen die Hand gaben – und das wurde von den osteuropäischen Juden eben übernommen. Erst später entwickelte sich die osteuropäische Konvention zur Regel. Er meinte aber, dass selbstverständlich, streckte eine Frau einem Rabbiner die Hand hin, er sie schütteln würde, weil der Mann sonst die Frau beschämen würde – und das wäre auf jeden Fall schlimmer, als wenn die „Regel“ nicht eingehalten werden würde (siehe auch einen Artikel von Rabbiner Ahrens zu genaueren religiösen Hintergründen zum Thema)

Auch sei es auch in den USA im Geschäftsleben durchaus nicht überall üblich, dass Männer und Frauen sich die Hände schütteln, weil über allem die Gefahr von „sexual harassment“ schwebt – was wohl Forbes Magazine dazu veranlasst hat, einen Artikel darüber zu veröffentlichen, warum Frauen anfangen sollten Hände zu schütteln. Scheinbar schwebt auch hier im „liberalen Westen“ die Angst mit, dass in einer simplen Berührung vielleicht mehr steckt, als erwünscht (oder religiös erlaubt) ist. Ich kann mich noch deutlich an die Verabschiedung von meinem Chef in New York erinnern, dessen Händedruck eindeutig mitschwingen ließ, dass er, wenngleich verheiratet, ein nicht-kollegiales Interesse an mir hatte und war dadurch unangenehm berührt. Und interessanterweise gibt es speziell für die Arbeitswelt überraschend viele Angaben, was wer wann tun sollte und „darf“. (siehe: Hackordnung beim Händedruck in der Süddeutschen Zeitung und globale Anleitung für den richtigen Händedruck im Business Insider)

Was ich aus dieser Begegnung mit dem Rabbi und dem Imam mitnehme ist, dass es wohl nicht nur mir so geht, dass das was wir gelernt haben – egal jetzt ob in der Schule, über kulturelle Konventionen, oder durch persönliche Erfahrungen – nicht immer ganz richtig ist. Und dass eben, falls jemand wirklich aus religiösen Gründen vermeidet, einer Person des anderen Geschlechts die Hand zu geben, das nicht unbedingt auf Verachtung basiert. Und so entsprechen manche unserer Schlussfolgerungen über uns selbst vielleicht auch nicht der Wahrheit: z.B., dass wir grundsätzlich „komisch“, „unpassend“, „zu viel“, „unfähig“ oder sonst etwas seien.

In meiner Schulzeit schaute z.B. die Ernährungspyramide noch ganz anders aus als heute; was damals als der Weisheit letzter Schluss vermittelt wurde ist mittlerweile ernährungsphysiologisch widerlegt. Und in ein paar Jahren ereilt die jetzige Pyramide vielleicht das gleiche Schicksal. In New York brauchtet ich eine Zeit lang, bis ich kapiert hatte, dass auf die Frage „How are you“ absolut niemand eine ausführliche oder ehrliche Antwort, sondern maximal ein knappes, wenngleich mit einem Lächeln vorgetragenes „fine“ oder zumindest „ok“ erwartet. Und falls Du früher bei jeder Gefühlsregung die du gezeigt hast zurechtgewiesen wurdest, doch bitte nicht „hysterisch“ zu sein hast du möglicherweise eine Strategie entwickelt jegliche Emotion zurückzuhalten und dir nichts anmerken zu lassen. Und kreierst diesen „Zustand“ nach wie vor automatisch, obwohl du gar nie „hysterisch“ warst, sondern die Person(en), die dir das eingeredet haben, einfach überfordert waren, mit deutlichen Gefühlsäußerungen von Dir umzugehen.

In kulturellen und religiösen Angelegenheiten helfen Nachforschungen oder die aufmerksame Diskussion mit Menschen aus dem betreffenden Kulturkreis oder der betreffenden Religion. Bei unseren eigenen Schlussfolgerungen ist es nicht viel anders. Wir können nachforschen, woher wir unsere Glaubenssätze haben, von wem wir sie gelernt haben oder aufgrund von welchen Begebenheiten wir eine bestimmte Schlussfolgerung gezogen haben. Und wenn wir darauf kommen, dass das nichts ist, was für unser Leben heute noch passt, oder was wir glauben wollen, dann können wir auch wieder wählen sie nicht mehr zu glauben. Genauso, wie wir entscheiden können, wieder zu atmen, und dann einen Körperbereich wieder mehr zu entspannen. Das der Verstand sich nicht einfach abstellen lässt ist klar, aber wir können auch alle 15 Sekunden wieder neu entscheiden – ja, danke für die Information („immer passiert mir das“, oder dass „es sowieso wieder nichts werden wird“) aber ich atme jetzt wieder und spüre meinen Körper. Wir sind die Hüter*Innen unserer Aufmerksamkeit und können sie immer wieder weg vom „Geschwurbel“ hin auf die Realität richten – und recht viel realer als unsere Körper wird es nicht 😎 .

Ich freue mich, wenn Du in einem Kommentar etwas zu Deinen Erfahrungen mit Glaubenssätzen, falschen Schlussfolgerungen und ähnlichem erzählst! Und viel Spaß beim „Ent-Schwurbeln“.

 

Schmerz lass nach.

Schmerz lass nach.

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Gedanken über Trauer und Schmerz, 1

Einer meiner Grinberg-AusbildnerInnen hat mich einmal als die größte Schmerz-Vermeiderin seit langem bezeichnet. Sicher habe ich auch mehr als einmal meine Praktikerin (eine der erfahrensten und besten in Wien) zur Verzweiflung gebracht, weil ich mich in meiner stadtbekannten Sturheit über lange Zeit konsequent geweigert hatte, mich auf Schmerz einzulassen. Ich kann mich noch heute erinnern, wie verwundert wir beide waren, als ich zum ersten Mal während einer Sitzung nicht wie üblich darauf reagierte, sondern sehr undramatisch zustimmte, den Schmerz zu spüren, weiter zu atmen und ihn sich und mich verändern zu lassen.

Das ist mittlerweile Jahre her. Wenngleich es in Sachen Wahrnehmungsschulung, Aufmerksamkeit und Akzeptanz für das, was ist, ganz sicher nicht enden wollendes Entwicklungspotential gibt, kann ich mittlerweile mit Schmerz ganz gut umgehen. Auch wenn er herzzerreißend ist, bleibt mir doch das Vertrauen, dass er mich trotz allem nicht zerschmettern wird – solange ich zulasse, dass mich der Schmerz berührt, mir nahegeht, mich weichklopft.

In der Arbeit mit meinen KlientInnen hilft mir meine Sturheit ganz ungemein. Da es mir selbst so schwergefallen ist, den Umgang mit Schmerz zu lernen, habe ich auch den größten Respekt vor allen, die immer wieder den Mut aufbringen, sich dem zu stellen, was ist: sei es nun der Schmerz selbst oder die Angst davor. Und so bleibe ich bei meiner „Überzeugungsarbeit“, so wie meine PraktikerInnen für mich dabeigeblieben sind.

KlientInnen fragen mich oft, was sie denn davon hätten, ihren Schmerz zu spüren. Wozu sich einem Gefühl öffnen, das sich anspürt als würde Dir das Herz aus der Brust gerissen, als wärst Du für immer verloren? Warum die Trauer über etwas spüren, das Du schon lange abgehandelt glaubtest?

Schmerz ist sowieso da. Ob wir ihn spüren, oder nicht – wenn er da ist, ist er da. Wir können uns einreden, es sei alles halb so schlimm und die Mantras unserer Großmütter wiederholen – „bis du heiratest, ist es wieder gut“. Wir können auch versuchen, uns „nicht so aufzuregen“, „nicht so aufzuführen“, „nicht so traurig zu sein“. Wir können daran glauben, dass auch andere Mütter schöne Söhne und Töchter haben, dass es eine Erlösung für die Gestorbenen sei, die Zeit alle Wunden heilt.

Und bis zu einem gewissen Grad stimmt das ja auch – selbst der größte Herzschmerz verblasst nach einiger Zeit zu etwas wie Wehmut über das, was verloren gegangen ist oder zu Trauer darüber, dass die Dinge gelaufen sind, wie sie gelaufen sind.

Wenn ich jetzt an meine Großmutter denke, kann es schon sein, dass mir nach wie vor die Tränen kommen. Aber nicht mehr dann, wenn ich einen fast verschollenen Ausdruck höre, den sie immer verwendet hat oder eines der unzähligen Geschirrtücher zur Hand nehme, die ich regelmäßig zu verschiedenen Anlässen von ihr bekam; sondern dann, wenn ich daran denke, was ich verabsäumt habe: dass ich sie nicht so oft besucht habe wie sie sich das gewünscht hätte, sie nicht in die Stadt begleitet habe, wie ich es versprochen hatte, weil ich dann doch „zu beschäftigt“ war.

Der Schmerz darüber sorgt dafür, dass meine Prioritäten nun andere sind und hat mich von einer nicht so guten Enkelin zu einer besseren Tante, Tochter und Schwester gemacht.

Und wären wir nicht traurig über das Ende einer Beziehung – was würde das über die Beziehung aussagen, wie respektlos wäre das gegenüber uns selbst und gegenüber der Person, mit der wir vielleicht jahrelang unser Leben geteilt haben?

Und wer würde jemals aufstehen, um gegen eine Ungerechtigkeit aufzubegehren, sich zum Sprachrohr für Schwächere, Sprachlose machen, wenn er oder sie nicht den Schmerz darüber spürte, dass es so ungerecht ist und ganz einfach etwas tun muss?

Und ja, möglicherweise bist Du zur selben Zeit auch wahnsinnig zornig, oder vielleicht sogar erleichtert, aber eben auch traurig. Unser Körper hat kein Problem damit, gleichzeitig widersprüchliche Gefühle zu haben. Nur unser Verstand liebt das Entweder-oder-Schubladendenken.

Auch wenn es pathetisch klingt: Schmerz ist ein großer Lehrmeister. Er sorgt dafür, dass wir schmerzhafte Fehler nicht wiederholen möchten, er lehrt uns Respekt und Empathie, er sorgt dafür, dass wir Dinge verändern, die nicht so bleiben dürfen, wie sie sind. Und er verändert auch uns – jedes Mal, wenn wir uns das Herz zerreißen, uns von ihm berühren lassen, macht er uns in der darauffolgenden, langsamen Heilung sanfter und kraftvoller. Und wenn wir diesen natürlichen Prozess erlauben, ist das wie ein Frühjahrsputz und unser Herz viel eher bereit, sich von neuem zu verlieben, uns auf jemanden oder etwas voll und ganz einzulassen oder für etwas einzusetzen. Damit diese neue Person oder Sache eine gerechte Chance erhält und nicht von vorneherein alte Geschichten umgehängt bekommt, die nichts mit ihr – wohl aber mit Dir – zu tun haben.

Eine Klientin von mir war neulich etwas skeptisch und verwundert darüber, dass sich die anfänglich überwältigend anfühlende Traurigkeit am Ende der Sitzung in eine tiefe Ruhe und Stille verwandelt hatte. Der Körper ist eben sehr undramatisch – er weiß schon lange, dass Schmerz Teil des Lebens ist, dass die Fähigkeit traurig zu sein die Welt menschlicher macht – und unser Körper hat kein Problem damit, er kann mit Schmerz umgehen.

Wenn Du mehr dazu erfahren möchtest – am 24. Juni 2017 kannst Du es beim nächsten Get_It_Done zum Thema „Schmerz lass nach“ – kostenfrei ausprobieren. Welche ähnlichen oder anderen Erfahrungen hast Du gemacht mit Schmerz? Ich bin gespannt auf Deinen Kommentar!

7,5 Liter pro Minute*

7,5 Liter pro Minute*

Foto: Cora K. Hiebinger

Seit Jahrtausenden wissen Menschen, dass unsere körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte untrennbar mit dem Atem verbunden sind. Abgesehen davon, dass jede Zelle unseres Körpers auf ständige Zufuhr von Sauerstoff und den Abtransport von Kohlendioxid angewiesen ist, und das Gehirn ohne ausreichende Sauerstoffversorgung bereits nach 15 Sekunden mit Bewusstlosigkeit reagiert, können wir zwar bis zu 72h ohne Wasser – aber nur wenige Minuten ohne Sauerstoff überleben. Trotzdem wirst Du ständig dazu aufgefordert, mehr Wasser zu trinken, aber nur von einem ausgewählten Personenkreis (z.B. der Grinberg-PraktikerIn Deiner Wahl 😉  ) dazu mehr zu atmen. Zum Glück wird die Atmung über das Atemzentrum im Stammhirn gesteuert und wir können uns nicht willentlich durch Nicht-Atmen ersticken. So flach und angestrengt, wie viele von uns jedoch atmen, halten wir unseren Körper doch oft auf Sparflamme und schränken unsere Beweglichkeit, unser Wohlbefinden und unseren Energielevel dadurch unnötig ein.

Es ist relativ simple: wir brauchen Sauerstoff, um in unseren Zellen Nährstoffe abzubauen (oxidativer Abbau); der Nährstoffabbau dient der Energiegewinnung für unseren Körper. Wer kaum atmet, braucht sich deshalb nicht wundern, wenn ihn/sie die Frühjahrsmüdigkeit oder sonstige Energielosigkeit heimsucht. Da wiederum das Gehirn ganz besonders viel Energie benötigt, kann eine unergiebige Atmung auch ein Grund für Konzentrationsschwierigkeiten sein. Bei dieser inneren Atmung entsteht Kohlendioxid, das über die Lungen wieder an unsere Umgebung abgegeben wird und da wiederum die Pflanzen erfreut. Was für die ein Segen ist, ist für unseren Körper ein Abfallprodukt, dass aus dem Körper abtransportiert werden muss. Nicht umsonst ist eine erhöhte Kohlendioxidkonzentration und der damit verbundene Abfall des pH-Wertes im Blut (niedriger pH-Wert = sauer) der stärkste chemische Atemreiz, der das Atemzentrum veranlasst die Atmung anzukurbeln.

Das heißt – deine Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit steht in engem Zusammenhang mit deiner Atmung.

Eine weiteres Argument für eine bewusstere, weniger flache Atmung ist die Bewegung, die die Atmung in unseren Körper bringt. Nicht nur werden die Organe durch die rhythmischen Atembewegungen sanft massiert und der Bewegungsapparat inklusive Knochen und Muskeln wird ständig durchbewegt. So soll ein chinesischer Weiser auf die Frage, wie man richtig atmen soll geantwortet haben: „Nur der Kranke atmet mit der Lunge, der Gesunde atmet mit der großen Zehe“. Wenn Du dem Zwerchfell, unserem Hauptatemmuskel, erlaubst, seine Arbeit zu tun und sich bei der Einatmung zusammenzuziehen und den Inhalt des Bauchraums leicht zu komprimieren wird dadurch auch Deine Verdauung unterstützt. Das funktioniert natürlich nur, wenn Du dem Bauch wiederum erlaubst, sich beim Einatmen leicht nach außen zu wölben und beim Ausatmen alles wieder in seine Ausgangslage zurückgleiten kann.

Der Übergang von körperlichem zu seelischem Nutzen der bewussten Atmung wird besonders deutlich beim Thema Stress: wissenschaftliche Studien haben nachweisen können, dass bestimmte Atemübungen bzw. eine bewusste, tiefe Atmung Einfluss auf die Stimmung und den Stresslevel haben können: Herzfrequenz und Blutdruck fallen, der Level am Stresshormon Cortisol sinkt. Wie frei unsere Atmung ist, hängt nicht unwesentlich von unserem Entspannungsgrad ab. Im Extremfall behindert ein stark verspannter, unbeweglicher Brustkorb die Atmung und führt zu Beklemmung oder Panikzuständen. Stress zeigt sich meist mit unregelmäßigem oder beschleunigtem Atem-Rhythmus. Atmen wir jedoch sehr rasch und gleichzeitig flach, wird fast ausschließlich der anatomische Totraum belüftet (der Totraum ist der Bereich von Mundhöhle, Nasenrachenraum, Luftröhre und Bronchien, in dem ein Teil der Luft verbleibt (ca. 150 ml bei Erwachsenen)) und nur wenig „frische“ Luft gelangt überhaupt zu den Alveolen, in denen der Gastaustausch erst stattfindet.

Richten wir unsere Aufmerksamkeit dann bewusst auf die Atmung und atmen ruhig und tief, denkt unser System – ah – ruhige Atmung, wir sind entspannt – und entspannt, der Stresslevel sinkt, und Muskelverspannungen lockern sich.

Markus Schirner sagt in seinem Buch „Atemtechniken“:

»Die Bewusstwerdung des Atems ist die schnellste und einfachste Möglichkeit, mit unseren Gedanken ins Hier und Jetzt zu kommen.«

Falls Du schon einmal eine Grinberg-Sitzung bekommen hast, kannst du das aus eigener Erfahrung bestätigen. Eine besondere Art zu atmen (oder eben fast nicht zu atmen) ist meiner Erfahrung nach immer Teil eines Zustands, den jemand automatisch kreiert, der sein/ihr Wohlbefinden und seine/ihre Bewegungsfreiheit einschränkt, und den er/sie ent-lernen möchte. Alleine dadurch, dass wir uns entscheiden, wieder tief(er) zu atmen und uns aus der Unbeweglichkeit zu befreien ist ein Teil des Zustands bereits weg. Gestoppt. Nicht mehr da. Und Du bist wieder präsenter, mehr in der Realität, das Drama ist kein so großes mehr. Einfach weil du die Möglichkeit nutzt, bewusst zu atmen und dich nicht nur auf dein Stammhirn verlässt, dass für das reine Überleben zuständig ist – nicht unbedingt für ein volles, saftiges, genußvolles Leben, so wie du es Dir wünscht.

Wie Du siehst, vieles spricht dafür, Dir Deine Atmung bewusst zu machen und Deine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was da eigentlich alles passiert beim Ein- und Ausatmen. Atemübungen gibt es viele (im nächsten Breath_Lab am 20. März 2017, 18h stelle ich wieder einige vor, die Du leicht in Deinen Alltag integrieren kannst) – und manchmal hilft schon die Vorstellung davon, um die Atmung zu vertiefen:

Probiere mal folgendes aus: Setz dich bequem hin und atme für einige Atemzüge tief ein und aus. Achte auf deine Atmung, fokussiere Dich darauf, was im Körper passiert. Dann schließe die Augen und stelle Dir vor, dass du die Arme hebst und über den Kopf nach oben ausstreckst. Atme erneut ein. Lass mich in einem Kommentar wissen, was mit deiner Einatmung während dieser imaginären Dehnung passiert!

Shizuto Masunaga, der Begründer des Zen Shiatsu sagt dazu:

„Man muss sich von der Vorstellung lösen, dass ein Bewegungsablauf lediglich von den Körperteilen ausgeführt wird, denen gerade die Aufmerksamkeit gilt, und begreifen, dass jede Bewegung vom gesamten Körper vollzogen wird.“

Was für ein schönes Bild das unserem Körper-Sein so viel gerechter wird als eine rein mechanistische Erklärung des Menschen und seine Zerstückelung in separate Einzelteile als würden die verschiedenen Systeme unabhängig voneinander in einem Vakuum existieren. Der Atem verbindet nicht nur aus physiologischer Sicht unser Inneres mit unserem Äußeren; er schafft es auch, oben und unten anzunähern und sorgt für mehr Gleichgewicht und Balance. Der Frühlingsbeginn ist ein guter Zeitpunkt, wieder einmal tief durchzuatmen und auf frische Luft zu bestehen.

Im Get_It_Done im April kannst Du Dir individuelle Tips zu Deiner Atmung holen kommen – mehr dazu unter Aktuelles.

Zum Abschluss noch ein Übung, die sich gut für zwischendurch eignet:

Rippen-Weiten

Beginne auf der rechten Seite. Platziere die rechte Hand hinten auf den unteren Rippen, die linke Hand vorne auf den oberen rechten Rippen. Nun atme so, dass du eine Ausdehnungsbewegung gegen die Hände spürst, auf einer Diagonalen die von schräg oben vorne nach schräg unten hinten verläuft. Es geht nicht darum, eine möglichst große Bewegung zu erzielen, sondern eine möglichst gleichgroße nach vorne oben und hinten unten. Wiederhole das für einige Male, dann die Hände sinken lassen, weiteratmen, so wie dein Körper es jetzt mag. Vergleiche die beübte mit der unbeübten Seite. Dann mach das gleiche auf der anderen Seite. (Wenn deine Wahrnehmung schon geschärft ist, kannst du es auch ohne die Hand aufzulegen machen.)

Hier noch ein Link zum Quiz – Die Theorie der Atmung. Die ersten 10 Personen, die das Quiz machen und einen Kommentar schreiben, erhalten ein Geschenk als Überraschung (das ist leider nur für Personen gültig, die in Wien leben).

* Ca. 7,5 l Luft atmet ein Erwachsener in Ruhe pro Minute ein und aus. Bei Anstrengung kann sich das auf bis zu 100 l/min steigern.

 

Or would you rather be a fish?

Or would you rather be a fish?

Foto: baronb/shutterstock.com

In Jim Jarmusch’s Film „Paterson“ erinnert sich der Protagonist, Busfahrer und Poet, an einen Schlager  den sein Großvater immer gesungen hat; die Strophe „Or would you rather be a fish?“ ist der Impuls zu seinem neuen Gedicht. Die Frage ist bei mir hängengeblieben – in meiner Arbeit geht es ja immer auch darum, meine Klient*Innen dabei zu unterstützen, automatische Verhaltensabläufe und Zustände, die sie sich über die Jahre antrainiert haben zu ent-lernen, um ihrem ur-eigensten Selbst Schritt für Schritt wieder näher zu kommen. Nicht selten löst diese Annäherung an das eigentliche „Sein“ Angst aus, und die Zustände, Masken und Verschleierungen die unsere wahre Essenz verstecken, fühlen sich wie kuschelige Schmusedecken an, essentiell für unser Wohlbefinden und Überleben.

Klar will kein Mensch ernsthaft lieber ein Fisch (oder Maultier wie im Lied) sein – wenngleich ein Fisch den Vorteil hat, dass er immer „weiß“, dass er ein Fisch ist und tut, was in seiner Natur liegt. Er ist ein Fisch und ganz selbstverständlich der beste Fisch, der er sein kann. Selbst die Möwe Jonathan bleibt auch in ihren Bemühungen, ihre Flugkünste zu perfektionieren doch eine Möwe. Wir Menschen mühen uns aber allzu oft damit ab, etwas anderes zu sein oder darzustellen, als was wir wirklich sind und sind sehr darauf bedacht, nur ja nicht zu viel preiszugeben von dem was uns bewegt – selbst wenn viele mit ihren Daten im Netzt doch wieder sehr sorglos umgehen. Und so sind wir fast ständig umgeben von einem vagen Schleier, einer wabernden Masse von einem „Extra“, das jeden von uns umgibt und uns ein bisschen unberührbarer und weniger authentisch macht; das uns selbst und andere nicht ganz an uns heranlässt.

Einer meiner Lieblings-Dichter, E.E. Cummings meinte:

“To be nobody but yourself in a world which is doing its best day and night to make you like everybody else means to fight the hardest battle which any human being can fight and never stop fighting.”

Auch Du hast sicher schon einmal den guten Rat erhalten, „Sei einfach du selbst“, als wäre das so einfach und Du noch nie darauf gekommen, Dich zu bemühen authentisch und Du selbst zu sein.

Authentizität steht laut Duden für: Echtheit, Glaubwürdigkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit, Wahrheit, Zuverlässigkeit. In den 70’er Jahren haben es die Dramatics schon besungen („Whatcha See is Whatcha Get“ ) und mittlerweile ist das Schlagwort „Authentizität“ in aller Munde, wohl auch, weil es so selten geworden ist diese im öffentlichen Raum live zu erleben.

So schreibt Ulrich Schnabel 2014 in der Zeit: http://www.zeit.de/2014/34/authentizitaet-persoenlichkeit-wahres-gesicht:

„….So begegnen wir der Frage „Ist das echt?“ inzwischen allerorten – vor dem Fernseher genauso wie vor dem Spiegel oder beim Einkauf im Supermarkt. Mit dem Etikett „authentisch“ wird heute ebenso für Bioschnitzel geworben wie für Angela Merkels Politik. Denn wer als authentisch gilt, dem schreibt man Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit zu – und solche Attribute sind in unübersichtlichen Zeiten wie diesen von enormem Wert.“

Manager*Innen, Politiker*Innen und TV-Stars, lassen sich für „authentische“ Auftritte mittlerweile coachen, um die Kunst der „selektiven Authentizität“ werbewirksam einsetzen zu können – denn wahre Profis bemühen sich nur noch „um ein möglichst authentisches Ausfüllen verschiedener Ichvarianten“ (Ulrich Schnabel 2014 in der Zeit ) – ein Oxymoron vom Feinsten.

Ich plädiere hier keineswegs für Authentizität als naive Ehrlichkeit oder Elefant-im-Porzellanladen-Direktheit, oder dafür, dass man immer allen alles brühwarm auf die Nase binden muss.

Ich rede von einem Zustand, einem „Extra“ das wir automatisch kreieren und das uns häufig noch nicht einmal bewusst ist – und uns daher auch keine Wahl lässt. Wenn Du bereits Klient*In bist oder warst, kannst Du zumindest einen deiner Zustände genau beschreiben und hast bereits Kontrolle über Teile davon oder gar das ganze Paket ent-lernt. Das „Extra“ ist meist ein sehr subtiler Teil des Zustandes, manchmal ein Baiser-Häubchen von Unberührbarkeit, manchmal ein Dunst von Dauer-Freundlichkeit, manchmal ein gnadenloser Widerstand im Untergrund der so tut als wäre er gar nicht da.

Den Preis, den Du für solche „Extras“ bezahlst ist z.B. ein erhöhter Energieaufwand, weil das Extra muss ja kreiert und aufrechterhalten werden. Weniger Intensität in Deinem Leben und Erleben. Eine Barriere zwischen Dir und der Welt.

Die Vorteile davon, Dein Wesen, das was dich aus- und ganz speziell macht immer mehr zu entdecken und wachsen zu lassen sind immens und dazu geeignet, die Welt zu verbessern. Weil wahre Authentizität ansteckend ist.  „…It liberates us and touches, it inspires the people around us” sagt Mike Robbins sagt in seinem TED-Talk zur „Power of Authenticity“.

  • Du brauchst weniger Anstrengung, hast mehr Entspannung und Wohlgefühl: unser Körper ist am glücklichsten, wenn er einfach sein darf, was und wie er ist. Sobald Du dein persönliches „Extra“ loslässt, ist eine Selbstverständlichkeit im Raum, Du bist einfach. Das ganze System kommt auf den Boden und entspannt.
  • Es erfordert Mut unsere Extras aufzugeben – sie umgeben uns ja wie ein Schild, eine wabernde Masse die uns gegenseitig auf Distanz hält. Andererseits ist es extrem einladend, neben jemandem zu sein, der/die ohne Extra einfach ist. Da du dann viel besser spüren kannst, woran Du (mit dieser Person) bist, das berühmte „what you see is what you get“ tritt ein.
  • Authentizität, Du-Sein ohne Extra, gibt Dir eine Selbstverständlichkeit, eine Klarheit, ein „Einfach Sein“ – die Dich unglaublich kraftvoll machen. Weil Deine grundeigene Essenz, das was Dich persönlich ausmacht, das, was Dich von allen anderen um eine Nuance unterscheidet, weil niemand sonst genau Deine Konstellation von Talenten, Qualitäten und Fähigkeiten hat, und was demnach nur du in die Welt bringen kannst, die Welt zu einem besseren Ort machen kann.
  • Kraftvoll auch deshalb, weil Du nichts extra machen musst, um das was ist zurückzuhalten, zu verstecken, unspürbar zu machen, Dich davon zu distanzieren. Stattdessen hast Du die Energie zur Verfügung, die Du normalerweise dazu verwendest einen Zustand/Dein Extra zu kreieren.
  • Kraftvoll auch deshalb, weil ohne die Barrieren der uns umgebenden Extras plötzlich viel klarer ist, dass wir nicht alleine sind, dass es Menschen gibt, die uns wohlwollen, an unserer Seite stehen; und wir viel schneller spüren, wenn das jemand eben nicht tut.

Ich glaube, dass die Welt unser aller spezifischen Talente, Qualitäten und Fähigkeiten dringend braucht, um zu überleben. Ich glaube auch, dass es eine unserer Aufgaben ist, genau diese spezifischen Talente und Qualitäten in uns zu finden, die Schichten abzutragen, unter denen wir sie verdeckt haben, um uns anzupassen, um nicht herauszustechen, nicht „anders“ zu sein.

Carolin McHugh bringt das in ihrem TED-Talk „The art of being yourself” auf den Punkt:

“When you look at remarkable individuals – and when I say remarkable or successful individuals, I don’t mean monetarily successful; I mean people that have been successful at achieving whatever they set out to do …. These are individuals who’ve managed to figure out the unique gift that the universe gave them ….., and then put that at the service of their goals.

I think that we all come complete. We come complete with one true note we were destined to sing, and these are people that have managed to figure that out. It doesn’t dictate your choice of job; what it dictates is how you do it. …. But most of us don’t take up nearly the space the universe intended for us.  …. your job is to be as unlike them as you can possibly be. Your only job while you’re here on the planet is to be as good at being you as they are at being them. That’s the deal.”

Ich schließe mit einem weiteren Zitat von EE Cummings.

„It takes courage to grow up and become who you really are.“

Nicht nur Mut braucht es, sondern auch Unterstützung. Wenn Du diese benötigst auf deinem Weg zu Deinem „Sein ohne Extras“ – melde Dich. Mit dem Codewort: „Authentisch“ bekommen die ersten 5 Personen die sich melden die Erstsitzung um 50% ermäßigt (Angebot gültig im Februar 2017).

Ich bin gespannt, was Du zum Thema Authentizität zu sagen hast und freue mich auf Deinen Kommentar!

 

Glaubst Du noch oder fake-st Du schon?

Glaubst Du noch oder fake-st Du schon?

Foto: ibreakstock/shutterstock.com

Als österreichische Wort des Jahres 2016 wurde mit „überwältigender Mehrheit“  „Bundespräsidentenstichwahl-wiederholungsverschiebung“ gewählt, laut der Pressemitteilung der Jury ist dieses Wort:

„…sowohl inhaltlich als auch aufgrund seiner Länge ein Sinnbild und ironischer Kommentar für die politischen Ereignisse dieses Jahres.“

In Deutschland machte das Wort „postfaktisch“ das Rennen:

 „Das Kunstwort postfaktisch, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind …. bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg“.

Der Wahlkampf zum Brexit und auch der Donald Trump’s, der mit wahrheitswidrigen Behauptungen nur so um sich schmiss sind grasse Beispiele für „postfaktische Politik“.

Gelogen wurde immer schon. Möglicherweise hat die Nonchalance und Frequenz, mit der mittlerweile beinhart Unwahrheiten hinausposaunt und sogar eigene Websites erstellt werden, die nur dazu dienen gezielt Falschinformationen zu verbreiten, ein neues Ausmaß erreicht. In Deutschland hat das bereits den Ruf nach einem „Abwehrzentrum gegen Desinformation“ erschallen lassen.

Abgesehen davon, dass ein solches Abwehrzentrum Assoziationen an ein Orwell’sche Wahrheitsministerium weckt, meinte Staatssekretärin Duzdar zu Recht, dass das Phänomen der Falschmeldungen nicht allein durch eine Strafkultur zu lösen sei. In ihrer Meinung wird sie von Expert*Innen unterstützt, die es für sinnvoller halten, es Nutzer*Innen zu ermöglichen, Falschnachrichten selbst zu entlarven.

Wie können wir uns aber gegen den Ansturm der Lügen feien?

Es geht ja nicht nur um die Politiker*Innen, die Unwahrheiten über ihre politischen Gegner*Innen verbreiten oder Wunder versprechen.

Auch als Konsument*Innen werden wir gerne angeschummelt wenn wir nicht aufpassen. So listete der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in einem Jahresrückblick „versteckte Preiserhöhungen, Mogelpackungen, unrichtige Herkunftsangaben und unangemessene Bewerbung kaum enthaltener Zutaten“ als Negativbeispiele; die aktuellen Highlights können auf http://www.konsument.at/lebensmittel-check eingesehen bzw. gemeldet werden.

Leider wird auch bei Medikamenten geschummelt: so berichtet die Dezember-Ausgabe 2016 des Forum Med  „Die Steigerung der Anträge zur Kostenübernahme“ eines teureren Gichtmittels „ist auf die zunehmend aggressive Werbung durch Außendienst-Mitarbeiter und den gezielten Einsatz von Werbebroschüren des Pharmaunternehmens zurückzuführen“ und „medizinisch wissenschaftlich nicht haltbar“.

Aber es geht auch viel subtiler. Als die Süddeutsche Zeitung 2004 die Reihe „Große Romane des 20. Jahrhunderts“ startete waren unter den 50 Werken, die ausgewählt worden waren genau 3 von Frauen. Auch in die Fortsetzung der Reihe mit weiteren 50 Titeln schafften es nur 14 Autorinnen. Schriftstellerinnen wie Toni Morrison (Literaturnobelpreisträgerin), Elfriede Jelinek (Literaturnobelpreisträgerin), Alice Munro (Literaturnobelpreisträgerin), Margaret Atwood (die ihn auch verdient), Octavia Butler, Gloria Naylor – alles Frauen die mir auf die Schnelle einfallen – sind nicht vertreten. Oder kürzlich im Oberen Belvedere, wo zu Broncia Koller-Pinell, die zu den bedeutendsten Künstler*Innen Österreichs der Jahrhundertwende zählt, die lapidare Bemerkung angeführt war: „Ihr Werk war oftmals umstritten und harter Kritik ausgesetzt“. – eine Aussage, die man übrigens auf Wikipedia wortgleich findet. Na geh, angefeindet ist sie worden, zur Jahrhundertwende? Wieso denn gar?

Und dann gibt es natürlich auch zahlreiche Gelegenheiten, bei denen wir uns selbst austricksen und täuschen. Uns weismachen, wir bräuchten keine Pause, obwohl wir absolut am Limit sind; so tun als wären wir ganz zufrieden mit einer Situation, obwohl wir kurz vorm Explodieren sind; uns einreden, dass wir wichtigeres zu tun haben als unsere Träume (oder guten Vorsätze) zu erfüllen.

Was können wir tun, um Schieflagen zu bemerken, Ungereimtheiten zu entlarven? Aufzuhören uns selbst zu betrügen?

  • Fakten überprüfen: das Internet macht es möglich, Falschmeldungen rasch zu verbreiten. Genauso rasch können sie auch als solche entlarvt werden. Und es gibt ja auch immer noch richtige Bücher 😉 .
  • Aufmerksamkeit: bei Dingen wie Mogelpackungen und Etikettenschwindel hilft nur eines – aufmerksam sein, schauen, lesen, nachprüfen.
  • Atmen: Atmen hilft nicht nur, unseren Körper besser zu spüren; ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen gibt uns auch Zeit unser Gegenüber wahrzunehmen und zu spüren, ob die Person authentisch ist – oder ein Wolf im Schafpelz.
  • Körper spüren: wenn du atmest und deinen Körper spürst bemerkst du vermutlich rasch, ob Du Dich rundum wohlfühlst und mit Dir im Reinen bist, oder Dein Bauchgefühl Dir sagt, dass etwas nicht stimmt.

Falls Du Unterstützung dabei möchtest, Deine Körperaufmerksamkeit, Atmung oder Dein Bauchgefühl wiederzufinden oder zu verbessern – ab 9. Jänner gibt es wieder Termine. Falls Du meine Arbeit noch nicht kennst erhältst du mit dem Code-Wort „postfaktisch“ bis 9. Februar 2017 50% Rabatt auf eine Erstsitzung.

 

Not my circus, not my monkeys.

Not my circus, not my monkeys.

Foto: Sumitra.Hanai/shutterstock.com

Die letzten eineinhalb Jahre waren von einem Konflikt überschattet, in den ich zwar nicht direkt involviert war, der mich jedoch trotzdem tangierte und Anlass zu diversen, hitzigen Diskussionen unter Kolleg*Innen und Freund*Innen gab. Zum Teil machten wir uns schon im Vorhinein aus, diesmal nicht über „das Thema“ zu sprechen, weil absehbar war, dass – sobald wir es anschnitten – die Wogen emotional hochgehen und unsere Treffen sich dadurch bedeutend weniger produktiv und erquicklich gestalten würden.

Im Laufe des letzten Monats passierten dann mehrere Dinge:

  • besagter Konflikt eskalierte;
  • neben dem Zorn, der oberflächlich vorgeherrscht hatte schaffte sich eine große Enttäuschung und Trauer Platz;
  • ich träumte von meinem Ex;
  • ich verbalisierte meine emotionale Betroffenheit einer der am Konflikt beteiligten Personen gegenüber.

Und ich erlangte folgende Erkenntnisse:

All drama must remain on stage! – oder: I am too old for this.

Ich habe es geliebt, auf der Bühne zu stehen und nicht nur die Erlaubnis, sondern den dezidierten Auftrag zu haben, das jeweilige „Drama“ in aller Fülle auszuleben. „Bigger than life“ sollte es sein, damit auch die Zuschauer*Innen auf den billigen Plätzen davon berührt sein konnten. Und die Verdreh- und Verwringungen, die die Martha-Graham-Technik uns Tänzer*Innen abverlangte, fühlten sich gut und richtig an.

Ich liebe ein gutes Drama. Auf der Bühne.

Gerne lasse ich mich auch von Carlos, meinem Lieblingskater und absoluter Drama-Queen um den Finger wickeln. Das war’s dann auch schon. Mein Kontingent an Dramabedarf ist damit ausgeschöpft.

Not my circus, not my monkeys

Drama übt nicht nur im Theater einen Sog auf uns aus. Auch im Alltag bleibt es an uns haften und macht schnell einmal aus einer Mücke ein Zebra, aus einem Einzelfall eine Epidemie. Es stellt Loyalitätsforderungen und will, dass Du Partei ergreifst; dass du dich gemeinsam mit der Drama-Darsteller*-, oder –Erzähler*In ereiferst über das Huftier, dass da plötzlich im Raum steht. Ein Faktencheck kann dann helfen, das Zebra in die ursprüngliche Mücke (oder eigentlich einen Weberknecht) zurück zu verwandeln. Offensichtlich haben genau das jetzt dankenswerterweise mehr Österreicher*Innen getan als es vorerst den Anschein hatte – und sich von dramatisch aufgeheizten Faktenverdrehungen nicht irreführen lassen.

Manchmal ist jedoch eine objektive Überprüfung der Fakten einfach nicht möglich und allein ein Gespräch mit einer beteiligten Person kann Dir helfen, mit den dadurch erlangten Informationen aus erster Hand, zusammen mit deinen persönlichen Eindrücken und Wahrnehmungen eine informierte Entscheidung zu treffen.

Darüber, ob das nun wirklich dein Zirkus und deine Affen sind; und ob du dich (weiterhin) involvieren und vom Drama einwickeln lassen möchtest.

Friedliche Feiertage – oder: Bau die Zirkuszelte ab.

Die Feiertage sind prädestiniert für Konflikte und das Wiederaufflackern von Dramen, deren Ursprung z. T. Generationen zurückliegt. Neu-Hinzukommende werden umgehend in eines der gegnerischen Lager rekrutiert und selbst wenn die ursprünglichen Opponenten abgehen wird das Drama doch am Leben erhalten.

Egal ob eine private oder professionelle Situation Deine (Feiertags)-Ruhe stört – die Dinge sind nicht so sehr in Stein gemeißelt, wie wir das oft glauben. Du kannst immer wieder überlegen, ob das wirklich dein Zirkus ist. Folgende Fragen können dir dabei helfen:

  • Was ist eigentlich los? Wie komme ich zu Informationen aus erster Hand?
  • Kann ich konstruktiv etwas zur Situation beitragen?
  • Wenn nein, möchte ich in dieses spezielle Drama verwickelt sein? Wenn ja, was ist meine Motivation dafür? Was ist der Preis den ich dafür zahle? (in Bezug auf dein Wohlbefinden, deine Energie, Beziehungen, Zeit).

Selbst wenn du nach reiflicher Überlegung die Wahl triffst, Dich nicht (mehr) involvieren zu wollen, ist es nicht immer leicht, dich dem Sog des Dramas zu entziehen. Und dann – du ahnst es schon:

  • Bring deine Aufmerksamkeit in deinen Körper (Bewegung hilft ungemein dabei!). Wie spürt sich der an, wo bist du angespannt/entspannt, wo zwickt etwas, wo fühlt es sich eingeengt/weit/leer an?
  • Atme (wieder) tief.
  • Lass angespannte Bereiche so gut wie möglich los, bewege sie, entspann sie mehr und mehr. Atmen hilft ungemein dabei!
  • Erinnere dich daran, was du willst. Frage dich aufs Neue: „Ist das mein Zirkus? Sind das meine Affen?“
  • Wiederhole je nach Bedarf.

Und dann lass das Zebra Zebra sein. Und kümmere dich um deine eigenen Affen.

Wie geht es dir mit Zirkus und Affen? Findest du die Fragen hilfreich und was hältst du davon, mehr zu atmen und zu wählen? Schreib mir einen Kommentar, ich bin gespannt auf deine Erfahrungen. Wenn du etwas für deine Atmung tun möchtest, kannst du das im nächsten Breath_Lab Vienna tun. Oder Du schenkst Dir eine Sitzung – die Weihnachtsaktion ist eine gute Gelegenheit einmal einen Mini-Prozess auszuprobieren.

Gnothi Seautón – Erkenne Dich selbst*

Gnothi Seautón – Erkenne Dich selbst*

Foto: SK.Chavan/Shutterstock.com

“If I miss one day’s practice I know it. If I miss two days my friends know it; and if I miss three days the public knows it.” Dieses Zitat, das u.a. Rubinstein zugeschrieben wird, war auch zu meiner Zeit in der Tanzwelt sehr beliebt. Unter Freund*Innen und Kolleg*Innen haben wir es häufig augenzwinkernd als Motivator verwendet, wenn die stürmische Eiseskälte eines New Yorker Winters oder die allgemeine Müdigkeit nach einer Performance oder einer Nachtschicht im Catering oder Babysitten uns das Zehn-Uhr-Training nicht wirklich verlockend erschienen ließ.

Und dann die Neugierde (manchmal durchaus entnervt 😎 ), in einer Floor-Barre (Bodenballett) einen obskuren, kleinen Muskel zu suchen, von dem aus eine bestimmte Bewegung angesteuert werden sollte, um noch mehr Kontrolle für die nächste Choreographie zu erlangen und gleichzeitig unsere Knochen zu schonen. Ich kann mich noch gut an dieses ganz spezielle Gefühl erinnern  –  mich von oben bis unten zu spüren: wie wenn ein ganz leichter Muskelkater Dir beweist, dass du ein Körper bist, der Muskeln und Sehnen und Bänder hat die täglich ihrer Bestimmung zugeführt werden. *Gnothi Seautón – nicht philosophisch sondern physisch.

Ich muss zugeben, dass auch ich dieses Ganzkörpergefühl schon lange nicht mehr in dieser Intensität gespürt habe. Lange ist es her, dass ich täglich zwischen 1,5 und 3h trainiert habe und auch den Rest des Tages körperlich aktiv verbrachte. Und egal ob selbständig oder angestellt – wer hat als Erwerbstätige*r mit allen Anforderungen eines Berufs- und Privatlebens schon genügend Zeit sich wirklich täglich mit dem „Gestell“ zu beschäftigen?

Wenn wir uns nicht mit dem Körper beschäftigen, beschäftigt er uns.

Der Körper verzeiht uns wirklich lange vieles, aber irgendwann reicht es ihm ganz einfach. Mein Interesse, die Grinberg-Methode zu lernen wurde u.a. speziell durch die Aussicht motiviert, Recovery (d.h. durch Aufmerksamkeit Bedingungen zu schaffen, die es dem Körper erleichtern, nach einer Verletzung oder bei einer langsam entstandenen Beschwerde sein Ding zu tun und sich wieder „ins Lot“ zu bringen) mit dem zu kombinieren, was ich schon über die gesunde, „richtige“ Verwendung des Körpers wusste. Unüberbrückbare Widersprüche zwischen den unterschiedlichen Ansätzen solcher Methoden wurden mir prophezeit unter der Prämisse, dass der Körper selbst am besten weiß, was gut für ihn ist, dass es nichts „grundsätzlich Richtiges“ gäbe und jegliche Vorgabe von Übungen zur körperlichen Ertüchtigung ihn nur dabei stören würde, seine ganz individuelle Freiheit zu finden. Für einige Zeit habe ich auch wirklich mit dem „fehlenden roten Faden“ in meinem Lebenslauf gehadert. So viel Zeit, Geld und Energie investiert in Tanz, Pilates, Yoga, Spiraldynamik, kreative Bewegung – nur um es nun über Bord zu werfen im Bestreben, meine Klient*Innen auf ihrem Weg zu unterstützen und nicht gar zu behindern?

Je mehr ich mich jedoch wieder auf eines meiner ursprünglichsten Interessen – die Biologie des Körpers – besinne und je mehr sich die erwarteten Widersprüche in der Realität auflösen, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass sich die Methoden, die ich gelernt habe und weiter erforsche nicht nur nicht gegenseitig behindern, sondern ganz im Gegenteil unterstützen. In allen spielt Aufmerksamkeit und Atmung eine große Rolle, spüren, herausfinden wie das Allgemeingültige (wir sind Körper; ein Scharniergelenk ist ein Scharniergelenk ist ein Scharniergelenk) sich auf das Individuelle, Persönliche anwenden und anpassen lässt.

Einer meiner Lehrer der Spiraldynamik, der mit unglaublicher Aufmerksamkeit berührt und dem Körper quasi zuhört, bevor er eine vorgegebene, funktionell anatomische Bewegung ausführt, hat es in einer Fortbildung folgendermaßen auf den Punkt gebracht: Je aufmerksamer und genauer wir die Bewegung führen, je näher wir (durch unsere Berührung) dem kommen, wofür der entsprechende Bereich eigentlich gedacht ist, desto eher ist es möglich, unser System daran zu erinnern – ah ja, da war doch was; so war es eigentlich gedacht, da gehört es hin, so spielt alles harmonisch zusammen und erlaubt damit Bewegungsfreiheit und ein Wiedererkennen unserer ursprünglichen, körperlichen Möglichkeiten. Als gäbe man dem Körper einen Wegweiser, damit er in seinem konstanten Bestreben, sich ins Gleichgewicht zu bringen, frei und eben unser, ganz individueller Körper zu sein, sich ein oder zwei Umwege erspart.

Oft sind es kleine Korrekturen, die einen großen Unterschied machen. So drehte eine Klient*In, in deren Lernprozess es u.a. um Standfestigkeit ging, ihr rechtes Bein leicht nach innen. Allein dadurch, dass sie lernte, ihre Beinachse auszurichten, erlangte sie sofort mehr Bodenhaftung und Stabilität. Oder eine Klient*In, die unter verspannten Schultern und Kopfschmerzen litt: sobald sie ihre Haltung korrigierte, d.h. ihren leicht nach hinten lehnenden oberen Rücken und den vorgeschobenen Kopf über das Becken ins Lot brachte war sofort ein Teil der Anstrengung weg, die ihr Körper machen musste, damit er nicht umfiel bzw. den Kopf nicht „verlor.“ Dann konnten wir in Ruhe an dem automatischen Zustand arbeiten, der u.a. beinhaltete, dass sie die Schultern hochzog und die Stirn runzelte, sobald es stressig wurde.

Tatsache ist, dass wir alle Haltungs- und Bewegungsmuster haben und diese unseren Körper häufig einer Mehr- bzw. Fehlbelastung aussetzen. Diese Bewegungsmuster haben wir genauso gelernt wie unsere Verhaltensmuster, die sich jetzt in unserem Leben als automatischer Zustand manifestieren. Tatsache ist auch, dass unser Körper für Bewegung geschaffen wurde und es uns nicht (immer) leichtfällt, genügend Bewegung in unseren Alltag einzubauen. Wenn wir uns jedoch nicht die Zeit nehmen, uns um unseren Körper zu kümmern, werden wir früher oder später dazu gezwungen es doch zu tun (außerdem ist der Zeitaufwand nicht wirklich so wahnsinnig groß: in einer 2015 im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichten, groß angelegten Studie stellten die Autor*Innen fest, dass bereits eine geringe Anhebung des Aktivitätslevels von großem Nutzen für die Gesundheit und Lebensdauer ist. Die WHO empfiehlt für die Altersgruppe 18 – 64 ein Minimum an aerober körperliche Aktivität mittlerer Intensität für 150 min/Woche oder intensiver Intensität für 75 min/w (oder eine Kombination der beiden). Die Einheiten sollten jeweils mindestens 10 min lang dauern. Das heißt, dass täglich 20 min flottes Gehen Dein Risiko für viele weitverbreitete und häufig chronische Erkrankungen (wie z.B. Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, Krebs und Depression) senkt. Damit ich nicht nur theoretisch predige, bin ich seit April stolze Besitzerin eines Schrittzählers, der motivierend kurz vibriert, wenn ich das tägliche Minimum von 10 000 Schritten erreicht habe. Außerdem habe ich wieder begonnen, selbst zu trainieren. Weit davon entfernt, wie früher drei Stunden täglich dafür aufzuwenden, mache ich z.B. jeden Tag zumindest etwas, trainiere nach meiner Mattenstunde im Pilatesstudio selbst an den Geräten und habe begonnen, mit einer Freundin Wing Tsun zu üben.

Ein paar Grunddinge über die Anatomie deines Körpers zu wissen ist durchaus hilfreich –  dieses Wissen im Alltag einzubauen und jeden Tag 5 – 10 min mit Aufmerksamkeit eine sinnvolle Übung zu machen, die Muskelkraft, Beweglichkeit und Körperaufmerksamkeit fördert ist auch für Dich machbar – und dein Körper wird es dir danken. Gleichzeitig kann jede Art der körperlichen Übung, die Du mit Aufmerksamkeit ausführst, dazu dienen, Dich mehr in Deinen Körper, und Dich Dir Schritt für Schritt näher zu bringen; somit kannst Du Deinen Lernprozess auch beim täglichen Spaziergang oder im Fitness-Studio bereichern und vorantreiben.

Damit Du sofort etwas für die Entlastung deines Bewegungsapparates und zur allgemeinen Anspannungs-Reduktion tun kannst, hier eine kurze Anleitung für einen Haltungs-Check:

Steh mit leicht gebeugten Knien, die Beine hüftbreit parallel. Richte deinen Blick entspannt geradeaus. Atme ruhig und entspannt.

  1. Spüre Deine Füße satt auf dem Boden. Wiege den Körper von rechts nach links, dann vor und zurück, bis du das Gefühl hast, dein Gewicht ist gut auf den ganzen Fuß verteilt. Hab das Gefühl, die Füße schlagen Wurzeln.
  2. Lass dein Becken hängen. Arbeite mit der Vorstellung, dass an der Spitze des Kreuzbeins ein Gewicht lotrecht nach unten hängt.
  3. Bring deinen Kopf ins Lot und lass ihn nach oben schweben – stell dir vor, du hast unter der Schädeldecke Helium und der Kopf schwebt wie ein Ballon an die Decke. Das Unterkiefer entspannt sich parallel zum Boden. Die Wirbelsäule spannt sich locker zwischen dem Schädel, der nach oben schwebt, und dem Becken, das nach unten hängt, auf.
  4. Bring den Oberkörper ins Lot, so dass er auf dem Becken sitzt und weder nach hinten noch nach vorne lehnt.
  5. Heb den Schultergürtel als Ganzes hoch zu den Ohren, dann setze ihn sanft wie ein Mohair-Baby-Häubchen auf den Brustkorb ab. Hinten rutschen die Schulterblätter nach unten, vorne liegen die Schlüsselbeine auf. Du legst quasi die Schultern auf dem Brustkorb ab, die Arme hängen.

Spür immer wieder in beide Richtungen, spür das Wechselspiel von sinken und schweben, klinke dich in die Fliehkraft und die Schwerkraft ein – nach unten und nach oben gleichzeitig. Probier es einfach einmal aus. Zu Beginn ist es hilfreich, einen Spiegel (oder ein Schaufenster oder eine*n Partner*In) zu Rate zu ziehen, da Dein System eine Zeit lang brauchen wird, um sich an die neue Haltung zu gewöhnen; übe einfach regelmäßig, und du wirst bald eine Veränderung bemerken. Ich würde mich freuen, in einem Kommentar von diesen Veränderungen und deinen Erfahrungen zu hören!

Wer kleine, einfache Übungen für den Alltag zwischendurch lernen möchte, kann das z.B. auch bei der Happy Body Revolution tun, der nächste Termin ist am 22.11. von 18 – 19h.

 

Schau ihr in die Augen, Liebes. Gedanken über die Angst (1)

Schau ihr in die Augen, Liebes. Gedanken über die Angst (1)

Foto: Tom Reichner/shutterstock.com

Warum es Sinn macht, uns darüber klar zu werden wovor wir Angst haben (sollten).

Wenn mich heute Leute fragen, wie ich das denn hingekriegt hätte – mit 30 nach New York zu gehen, um eine professionelle Tanzausbildung zu machen – kann ich nur sagen – hätte ich mir das alles genauer überlegt, wäre ich nie im Leben in Amerika gelandet. Meine Angst vor dem lebenslangen Bereuen – davor, meinen Traum endgültig aufzugeben ohne es zumindest versucht zu haben – war einfach größer als die, ins Flugzeug zu steigen und es darauf ankommen zu lassen.

Hätte ich den Schauermärchen über den Big Apple Glauben geschenkt, die mir ab der Bekanntgabe meiner Pläne erzählt wurden, wäre es mir möglicherweise ähnlich ergangen wie 1819 der schiffsbrüchigen Crew des Walschiffs Essex (die später Herman Melville zu Moby Dick inspirierte) denen drei Möglichkeiten offenstanden: sich auf das sagenumwobene Tahiti zu retten, schweren Stürmen auf der Passage zu einer anderen Insel zu trotzen oder  – auf die Gefahr hin zu verhungern und zu verdursten das tausende Kilometer entfernte Festland anzusteuern. Statt sich jedoch vor dem langsamen Sterben auf dem ihnen bekanntem Rettungsboot zu fürchten, hatten sich die Horror-Stories über Kannibalen auf dem nahen Tahiti so in ihr Denken eingeprägt, dass sie die Route nach Südamerika einschlugen und die Hälfte der Besatzung starb.

Üblicherweise müssen wir unsere Entscheidungen nicht in solch lebensgefährlichen Situationen treffen. Tatsache ist jedoch, dass uns manche Dinge, die wir uns in den buntesten Farben als schreckliche Monster vorstellen, unser Leben weit weniger in Gefahr bringen als andere Bedrohungen, die sich subtil und langsam anschleichen: so befürchten wir vielleicht, bei der nächsten Beförderung übergangen zu werden oder eine Rüge beim nächsten Mitarbeiter*Innengespräch, wenn wir nicht Arbeit mit nach Hause nehmen und jedes Mail der Chefitäten umgehend beantworten (und sei es um 23 Uhr) – sehen aber nicht, dass wir unsere Beziehung durch „Nicht-Anwesenheit“ gefährden und unser steigendes Arteriosklerose-Risiko durch mangelnde Bewegung uns jedes Jahr dem Herzinfarkt näher bringt.

Angst ist eine Emotion, die bei einer realen oder vorgestellten Bedrohung auftritt und stammesgeschichtlich als Warn- und Schutzfunktion herausgebildet wurde: Angst bewirkt, dass wir Fliehen oder Situationen (die Schmerz, Verletzung oder Tod zur Folge haben könnten) aktiv oder passiv vermeiden (fight oder flight). Angst macht uns wach und aufmerksam, sie schärft unseren Fokus auf das Wesentliche, sie hilft uns, Prioritäten zu setzen und sorgt dafür, dass wir uns lebendig fühlen und es auch bleiben. Das Problem ist, dass wir ganz oft auf Angst mit einem bestimmten Zustand reagieren (z.B. werden wir grantig und aggressiv oder lethargisch und niedergeschlagen statt die Angst als solche zu spüren oder uns auch nur bewusst sind, dass wir eigentlich Angst haben) und unser System auch sehr empfänglich dafür ist sich Ding einreden zu lassen (d.h. wir sehen dann Bedrohungen in Personen oder Situationen, die gar keine sind).

Es wird angenommen, dass die häufige Angst vor z.B. Schlangen oder Spinnen oder vor der Dunkelheit genetisch in uns festgeschrieben ist. Darwin führte dazu einen Selbst-Test aus, in dem er sich im Londoner Zoo vor ein Schlangen-Terrarium stellte und jedes Mal, wenn eine Viper attackierte mit Angst verzerrtem Gesicht zurücksprang:

„…My will and reason were powerless against the imagination of a danger which had never been experienced.“

beschreibt er diese Erfahrung in seinem Tagebuch.

Neben diesen typischen Ängsten, die wohl Teil unseres Mensch-Seins sind, gibt es auch kulturell spezifische Ängste (wie z.B. Taijin kyofusho in Japan: „die Angst, dass der eigene Körper (durch Aussehen, Bewegung, Gesichtsausdruck oder Geruch) andere in Verlegenheit bringt.“ Und in Florida wird jemand eher Angst haben vor einem Hurrikan als in Niederösterreich. Was ja auch Sinn macht. Wenn wir Angst als das sehen, was sie ist – als Warn- und Schutzmechanismus – dann ist es durchaus gut, sie zu spüren und sich damit zu beschäftigen, welche Risiken es gibt. Es gibt sogar den Begriff „Productive Paranoia“ aus der Wirtschaft, definiert als die Fähigkeit, hinsichtlich potentieller Gefahren extrem wachsam zu sein und sich mit klarem Kopf auf alle Eventualitäten vorzubereiten und nötige Handlungen zu setzen. Also nicht blauäugig und naiv darauf zu hoffen, dass bei dem nächsten Projekt schon alles gut gehen wird, sondern sich schon prophylaktisch einen Plan B (und allenfalls Plan C) zu überlegen.

Es geht also nicht darum, furchtlos zu sein. Es geht darum, aufmerksam in der Realität zu sein und anzuerkennen, dass wir in einer beängstigenden Zeit leben; zuzustimmen, dass uns Dinge Angst machen; uns über Risiken und Gefahren klar zu werden und uns so weit das möglich ist darauf vorzubereiten. Wenn wir zustimmen, unsere Angst zu spüren, weiter zu atmen und unseren Körper trotz allem möglichst zu entspannen, kann die Angst uns Klarheit geben, uns lehren, worauf wir achten sollten, was eine wirkliche Bedrohung darstellt und was nicht, was zu tun ist, um uns zu schützen und wann es Zeit ist, Dinge hinter sich zu lassen oder überhaupt abzuhauen.

Ich habe vor vielen Dingen Angst. Angst nicht als verzweifeltes Zähneklappern und einem Gefühl des „es-durchstehen-müssens“ das mich nur noch darauf warten lässt, dass „es“ vorbei ist, sondern als große Klarheit darüber, dass ich sterblich bin und auf manche Dinge nur sehr wenig Einfluss habe: z.B., dass ich nicht mehr 17 bin und keine gefühlte Ewigkeit vor mir liegt in der ich die Dinge, die mir wirklich wichtig sind tun (oder lassen) kann.

Ich habe Angst davor, dass Bienen und andere wichtige Bestäuber eingehen, weil sich Regierungen nicht dazu durchringen, Neonicotinoide (und andere Pestizide) zu verbieten, die nachweislich zum Bienensterben beitragen; und dass das Umweltbewusstsein von vielen so gering ist, dass sie es noch nicht einmal der Mühe wert finden, den Zündschlüssel umzudrehen und den Motor ihres geparkten Autos abzustellen.

Ich habe Angst vor dem Freihandelsabkommen TTIP, dass die hart erkämpften, strengeren EU-Standards für Lebensmittelsicherheit und Umweltschutz an die viel lascheren Standards der USA anpassen soll und transnationalen Konzernen im Rahmen von Investor-State Dispute Settlements (ISDS) die Macht gibt, Regierungen zu klagen, wenn deren demokratisch erarbeiteten Richtlinien (z.B. Umweltauflagen) die Gewinne solcher Großkonzerne schmälern – und davor, dass wir in einer Welt leben, in dem solche Abkommen überhaupt ernsthaft angedacht werden.

Ich habe Angst vor einem Politiker, der uns zeigen will, was alles möglich ist und der ein lobendes Vorwort für einen Autor schreibt, der in 2016 u.a. folgende Passage von sich gibt:

„Der vom Thron des Familienoberhaupts gestoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer Partnerin, die in häuslichen Kategorien zu denken imstande ist und deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt“.

Und vor Leuten, die ernsthaft Trump ihre Stimme geben wollen, obwohl er auf seinem Weg zum Reichtum regelmäßig kleine Businessleute übers Ohr gehauen hat, anscheinend seit Jahren keine Steuern zahlt und die sexistischen und rassistischen Äußerungen nur so aus ihm herausquellen.

Somit ist ein erster Schritt getan: nicht nur in eine genervte oder hoffnungslose Stimmung ab zu tauchen, sondern zu erkennen, dass da Angst ist (und allenfalls auch eine gehörige Portion Wut).

Selbst wenn in Österreich die Wahrscheinlichkeit, aufgrund von Bewegungsmangel und Stress einen Herzinfarkt zu erleiden um einiges größer ist, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen und die Wahrscheinlichkeit, einen Verkehrsunfall zu haben größer als die, ermordet zu werden ist es doch durchaus ratsam, unsere Aufmerksamkeit zu trainieren, damit wir das nächste Mal, wenn uns in der U-Bahn ein seltsames Gefühl beschleicht weil jemand zu sehr auf Tuchfühlung geht oder uns anrempelt vielleicht auffällt, dass da gerade Taschendiebetricks im Gange sind. Und es hilft, aufmerksam zu sein darauf, wer uns was glauben machen will und warum, Informationen einzuholen, und wach zu bleiben. Wach zu bleiben, und sich nicht zudröhnen und einlullen zu lassen von sich gebetsmühlenartig wiederholenden „Achtung’s!“ („….der Kaffee ist heiß, …zwischen U-Bahn und Bahnsteig ist ein Spalt, …die Mikrowelle eignet sich nicht dazu, ihren Hund zu trocknen….“) sondern doch lieber selber zu denken und aufmerksam zu bleiben.  Damit uns unsere ganz privaten oder von den Medien geschürten Monster nicht ins Verderben treiben wie die Crew der Essex, oder uns unbegründeterweise vom Versuch abhalten unsere Träume zu verwirklichen.

Wovor hast Du Angst? Und wie sind Deine Erfahrungen damit, ihr ins Auge zu schauen? Ich bin gespannt auf Deinen Kommentar.

Mensch ärgere Dich (nicht).

Mensch ärgere Dich (nicht).

Foto: Lightspring/shutterstock.com

Brettspiele machen mich mittlerweile nicht mehr wütend – außer mein „Kleine-Schwester-Syndrom“ wird durch ein genüssliches „Älla Bätsch!“ der Gewinner*In reaktiviert: hoffnungslos unterlegen und dafür auch noch ausgespottet.

Die treuen Leser*Innen meines Blogs wissen natürlich, was heutzutage meinen Ärger triggert (z.B. Autofahrer*Innen, die geparkt ihren Motor unnütz laufen lassen, die Verunglimpfung von Sprache, etc.). Mit meiner Wut über manche politischen Entscheidungen bin ich auch nicht ganz alleine: Im New Yorker schreibt Adam Davidson:

„….These sorts of tax-avoidance shenanigans have become a source of political fury in the U.S. and much of Europe….. A.O.I.  (Apple Operations International) is, in one sense, huge, among the largest companies that ever existed, with more than two hundred billion dollars in assets. It is also as small as a company can be, with no physical address and no employees. Phillip Bullock, the head of tax operations for Apple, told a U.S. Senate committee in 2013 that “A.O.I. is incorporated in Ireland; thus, under U.S. law it is not tax resident in the U.S.” That seemed clear enough until his next sentence. “A.O.I. is also not tax resident in Ireland because it does not meet the specific residency requirements of Irish law.” It’s Irish, according to American law; not Irish, according to the Irish. A.O.I., in fact, does not legally exist anywhere, even as it takes in much of the profits from Apple sales outside of the United States.“

Amazon und Starbucks fällt mir leicht zu boykottieren und zumindest dadurch mein Missfallen über die Praktiken solcher Großkonzerne auszudrücken; auf Mac’s bin ich leider schon während des Studiums von einem Kollegen angefixt worden und genieße die diesem System innewohnende, mir verständliche Logik zu sehr, als dass ich mich davon trennen möchte. Umso mehr freut mich die Initiative der BBC im Walisischen Dorf Crickhowell, in der sich ein paar Kleinunternehmer*Innen zusammengeschlossen haben, um die Tricks der „Großen“ nachzuahmen:

„Wenn der Fiskus das walisische Sparmodell absegnet, oder besser absegnen muss, könnten die Steuerrebellen ihr Konzept anderen Kleinunternehmern im Königreich zur Nachahmung zur Verfügung stellen ….. Doch geht es der BBC und den walisischen Unternehmen nicht darum, den Staat zu ruinieren. Sie wollen vielmehr die Regierung zwingen, diese legalen Schlupflöcher endlich zu schließen.“

schreibt Björn Finke in der Süddeutschen Zeitung.

Etwas zu tun, um die Situation die Dich wütend macht zu verändern ist wohl die produktivste Art und Weise sich die Energie der Wut zunutze zu machen. Häufig fällt uns das jedoch nicht so leicht.

Wir haben sicher alle schon häufig Sätze wie diese gehört: „Reg dich doch nicht so auf!“, „Sei nicht hysterisch!“, „Das bringt eh nichts“, „Das zahlt sich doch nicht aus“, u.ä. Wut wird auch oft als destruktive gesehen, eine Energie, bei der Teller fliegen und nicht nur diese zerbrechen. Zusätzlich gibt es außerdem noch spezielle Restriktionen für bestimmte Gruppen in der Gesellschaft; so kam eine Studie (Salerno & Peter-Hagene, 2015) zu dem Schluss, dass Frauen, wenn sie ein Argument wütend vorbrachten als (zu) emotional empfunden wurden und jeglichen Einfluss auf den Rest der Gruppe verloren, während Wut Männer glaubwürdiger erscheinen ließ.

Auch für Minderheiten gibt es eigene Wut-Regeln: Ta-Nehisi Coates schrieb 2012 in einem Essay:

“Part of Obama’s genius is a remarkable ability to soothe race consciousness among whites. Any black person who’s worked in the professional world is well acquainted with this trick. But never has it been practiced at such a high level, and never have its limits been so obviously exposed. This need to talk in dulcet tones, to never be angry regardless of the offense, bespeaks a strange and compromised integration indeed, revealing a country so infantile that it can countenance white acceptance of blacks only when they meet an Al Roker standard.”

(Zum Ende seiner Amtsperiode machte Obama dies freilich selbst zum Thema und brachte einen „Anger-Translator“ mit auf das Podium des White House Correspondents’ Dinner 2015).

Das Problem ist also, dass viele von uns gelernt haben, dass Wut erstens grundsätzlich schlecht und zerstörerisch sei, und wir sie überhaupt gar nicht erst haben sollten, sondern stattdessen, über den Dingen stehend, gelassen und unaufgeregt bleiben.

Wenn uns nun aber etwas wütend macht, dann ist die Wut eben da. Jeglicher Versuch, sie zu unterdrücken und unter den Teppich zu kehren wird mit Anstrengung verbunden sein und birgt die Gefahr eines langanhaltenden „Gärungsprozesses“, der das Wohlbefinden einschränkt und sogar zu Beschwerden führen kann. Vielleicht bist Du nicht mehr wütend, aber dafür grantig, schlapp, oder resigniert. In einem Handout des Health Service der  Universität Berkeley steht:

„In some instances, chronic anger covers over other emotions that are less tolerable to a particular individual such as fear, sadness, helplessness, despair. Conversely, when the experience of anger doesn’t feel tolerable it may be covered over by other more tolerable emotions or mind states such as chronic fatigue, rationalization, blame, cynicism, sadness, or helplessness.”

Wenn wir Ärger und Wut als Energie betrachten, als Gefühl, das wir erleben, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es gerne hätten, kann sie uns dabei helfen, unserem Ziel näher zu kommen: sei es dadurch, dass wir uns wie die Unternehmer*Innen von Crickhowell zusammentun, um aktiv eine Ungerechtigkeit zu verändern; eine Person, die respektlos mit uns umgeht klar und bestimmt in die Schranken weisen – frei nach Bundeskanzler Kern, der in einem Interview meinte:

„Wer mich beleidigt, bestimme ich immer noch selbst“;

oder die Wut darüber, dass unsere Lebenssituation noch immer nicht so ist wie wir uns das vorstellen für einen neuen Anlauf nutzen, um unserem Ziel näher zu kommen. Wut kann uns antreiben und kreativ machen, sie kann uns dazu bringen, nach neuen Lösungen zu suchen, die wir vorher nicht in Betracht gezogen haben. So sagte Goethe:

„Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht,“

Nicht Runterschlucken ≠ Hinausschreien

Das Ziel ist nicht, wegen jeder Kleinigkeit wütend aufzubrausen und alle niederzubügeln, die nicht unserer Meinung sind oder etwas anderes wollen als wir. Als vernunftbegabte Wesen sind wir ja in der Lage, Kontrolle über unsere Handlungen zu haben und darüber, wie wir mit uns und anderen sind und reden. Das Ziel ist es, zu spüren, was Sache ist, welches Gefühl hochkommt und zu erlauben, dass Du spürst, was du spürst. (Wie immer hilft es dabei, einige tiefe Atemzüge zu nehmen!) Selbst für die Meister*Innen im unter-den-Teppich-kehren kommt irgendwann der „point of no return“ – und dann wird es möglicherweise wirklich destruktiv. Wenn Du beginnst, mit Wörtern wie „nie“ oder „immer“ zu hantieren, ist die Gefahr sehr groß, dass du etwas behauptest, dass einfach nicht der Wahrheit entspricht. Nichts ist immer. Wenn Du atmest und Dir Zeit gibst, zu spüren, was ist, merkst Du vielleicht auch, dass Du nicht (nur) wütend bist, sondern auch traurig oder enttäuscht – darüber, dass Dich jemand versetzt hat, dass Du Dein langersehntes Ziel nicht erreicht hast, dass die Welt ungerecht ist.

Die häufigsten Trigger für Ärger sind laut Untersuchungen Ohnmacht, Ungerechtigkeit und Verantwortungslosigkeit. Gegen manche dieser Ungerechtigkeiten und Verantwortungslosigkeiten können wir angehen, für manche gibt es aber ganz einfach keine Lösung. In jedem Fall beinhaltet der erste Schritt im Umgang mit Ärger zu atmen und zu spüren, was ist. Am besten mit einem guten Maß an Humor und Selbstironie. So wie Obama, der selbst nach zwei Amtszeiten noch über sich selbst lachen kann.

Ich freue mich über Deinen Kommentar dazu, wie es Dir mit Ärger geht!

Wenn Du lernen möchtest, produktiver damit umzugehen, mach Dir einen Sitzungstermin aus. Die ersten 5 Anfragen erhalten einen Rabatt von 25% auf vier Sitzungen zum Thema. Am 24. September 2016 gibt es dann auch einen Mini-Workshop zum Thema „Mensch ärgere dich nicht“.

Genarrt und Reingelegt

Genarrt und Reingelegt

Foto: Lightspring/shutterstock.com

Was Brexit, Trump, Hofer und Pokemon gemeinsam haben – und was Du dagegen tun kannst.

Bewegung ist lebensnotwendig, senkt das Gesamtsterberisiko und hilft laut WHO gegen Erkrankungen wie Diabetes, Depression, Demenz und Herz-Kreislauferkrankungen (wobei schon durch die Mindestdosis von 150 min pro Woche das Gesamtsterberisiko um 10% verringert werden kann). Damit ist auch gleich das Argument für Pokémon Go abgedeckt – wenn die Kids (und Erwachsenen) plötzlich lieber zu Fuß durch die Gegend laufen, um Monster zu fangen, statt in der Straßenbahn Heute zu lesen – großartig. Ansonsten finde ich dieses Versinken von Vielen in der „augmented reality“ solcher Spiele etwas irritierend.

Nicht nur, weil es schon vor dem Launch der App genügend Leute gab, die ohne zu schauen vom Gehsteig sprangen, die Richtung wechselten oder bei einer Kreuzung abbogen – durchaus auch im Auto – sondern weil ich glaube, dass diese „erweiterte“ Realität so erweitert gar nicht ist; und weil diese Form des sich Einlullen und Verschaukeln lassen offensichtlich eine immer größere Anziehungskraft auf viele Menschen hat.

Die Wähler*Innenstromanalysen nach der Bundespräsident*Innenwahl im April (Klappe die erste) kam zu dem Ergebnis, dass Norbert Hofer v.a. von Männern unter 29 gewählt wurde. Das Argument, dass speziell junge Menschen leicht hinters Licht zu führen sind zerbröselt jedoch, wenn man im Gegenzug die Analyse des Brexit-Referendums betrachtet: da waren es vor allem die Alten, die sich von Farage und Konsorten anschmieren ließen: „bamboozled, hoodwinked, hornswoggled“ – kann man nur sagen (im Englischen gibt es ganz großartige Wörter für die Aktion des täuschens!).

Laut Politifact, eine U.S.-amerikanische, unabhängige, überparteiliche Nachrichten-Organisation, entspricht nur 9% der Dinge, die Donald Trump von sich gibt zumindest halbwegs der Wahrheit. Auch Norbert Hofer und seine FPÖ „erweitern“ die Realität und verbreiten gezielt Unwahrheiten.

„Die Blauen haben es geschafft, sich eine digitale Parallelrealität aufzubauen -mit eigenen Sites, mit Videonachrichten und Facebook-Accounts. Fans und „besorgte Bürger“ werden dort permanent mit parteigenehmen Informationen versorgt. Die Online-Inszenierung erklärt einen Teil des Erfolgs der Freiheitlichen. Weitgehend unbemerkt von den traditionellen Medien und klassischen Parteien entsteht im Netz ein neuer Machtfaktor in der Meinungsbildung.“

(Jakob Winter und Ingrid Brodnig im Profil, 24. 5. 2016 )

Gemeinsam ist Hofer und Trump auch, dass sie beide ein Bild ihres Landes erschaffen, als wäre schon alles den Bach hinuntergegangen.

„Wer sich länger auf der Plattform unzensuriert.at umsieht, kann den Eindruck gewinnen, Österreich stehe kurz vor dem Zusammenbruch.“ (Jakob Winter und Ingrid Brodnig im Profil, 24. 5. 2016)

Selbst wenn wir uns aber gravierende Systemänderungen wünschen (ich habe eine ganze Liste), naiv und gutgläubig auf den Wunderwuzi zu setzen, der vermeintliche Lösungen anbietet aber doch nur das Blaue vom Himmel verspricht, wird den Frustrationslevel nur noch weiter erhöhen. So wie es wohl kürzlich den BritInnen ergangen ist, als sich herausstellte, dass die Versprechungen leere waren:

So meinte Ian Duncan Smith am Tag nach dem Referendum, dass die £ 350 Millionen für die NHS nicht so gemeint waren. Und Nigel Farage, der Leiter der UKIP, die Partei die den Austritt Großbritanniens aus der EU vorangetrieben hat, ist kurz nach dem erfolgreichen Vorantreiben zurückgetreten, behält jedoch seinen (gutdotierten) Job als Mitglied  des Europäischen Parlaments.

Ich bin selbst erschüttert, wie vieles ich mir schon weismachen habe lassen, selbst von Leuten, die sich auf ihre Fahnen geheftet haben, dass sie „die Realität an sich“ verkörpern.

Wenn Du ein komisches Gefühl bei einer Sache hast, Dir etwas „Spanisch“ vorkommt, etwas klingt als wäre es zu gut, um wahr zu sein – dann stimmt vermutlich wirklich etwas nicht. Im Zweifelsfall kannst Du immer eine Person Deines Vertrauens herzuziehen und sie zu ihrer Wahrnehmung desselben Geschehnisses befragen.

Der Phyisker David Bohm stellte 1977 fest:

 „Reality is what we take to be true. What we take to be true is what we believe. What we believe is based upon our perceptions. What we perceive depends on what we look for. What we look for depends on what we think. What we think depends on what we perceive. What we perceive determines what we believe. What we believe determines what we take to be true. What we take to be true is our reality.”

Klar ist, dass wir die Welt oft sehr unterschiedlich wahrnehmen – und dass unsere Wahrnehmung durch unsere Erfahrungen gefärbt ist. Wenn wir vorwiegend in unserem Verstand sind und unser Körper nur so nebenher mitläuft für die nötigsten Funktionen wie Essen, Verdauen, Schlafen werden wir leichter in die Irre zu führen sein. Egal, ob unser Verstand dabei eine Regel wiederholt, die wir vor Dekaden von einer Großtante eingeimpft bekommen haben – (z.B. Man muss lieb und nett sein; die Gruppe der Soundso sind soundso; Man kann nur auf sich selbst zählen) – und die uns seit Jahren narrt und unser Verhalten und Wahrnehmung prägt; oder ob wir vermeiden wollen, die Angst, Frustration und Traurigkeit zu spüren über eine Situation in unserem Leben oder die Lage der Welt an sich – und dann eben doch lieber Heilsversprechen der Werbung oder NLP-geschulter Machthungriger glauben möchten:

Je mehr wir wieder unseren Körper spüren, unserer Glaubenssätze ausmustern und wählen, welche wir weiter mitnehmen wollen und wir lieber ersatzlos streichen, je mehr wir unsere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung trainieren und uns darauf einlassen das zu spüren „was ist“, desto mehr sind wir gefeit davor, gelinkt und verladen zu werden.

Probier es mal. Vor dem nächsten TV-Interview, Nachrichtenbericht, Zeitungsartikel, aufgebrachter Mitteilung eines Kollegen bei der Kaffee-Maschine, Besuch bei Deiner Großtante ( 😎 ) – mach 10 min lang etwas, das dich deinen Körper besser spüren lässt. Zum Beispiel Bewegung! Das kann sein – eine Runde gehen und dabei tief atmen und ganz aufmerksam einen Fuß vor den anderen setzen und abrollen; oder zu einer flotten Musik Deines Geschmacks abzutanzen, tief zu atmen und deine Aufmerksamkeit bewusst auf einen Körperteil deiner Wahl zu fokussieren, oder ganz bewusst ein- und auszuatmen und dabei darauf zu achten, wo im Körper sich der Atem bewegt. (Wenn Du Atem-Übungen lernen willst, kannst Du gerne zu einem Breath_Lab kommen, wenn es eher um Frustration nutzen geht, gibt es im Oktober einen Saturdays@Noon Mini-Workshop dazu, und wenn Du Unterstützung beim Ausmisten Deiner Glaubenssätze benötigst, kannst Du Dir immer auch eine Sitzung holen.) Hier sind noch die links zur sehr amüsanten Darstellung des Brexit bzw. zum Profil-Artikel und des Artikels über Trump.

Ich freue mich über Deinen Kommentar zum Thema verschaukelt werden und wie Du es vermeidest!

Ein Plädoyer gegen die Bequemlichkeit

Ein Plädoyer gegen die Bequemlichkeit

Foto: wrangler/shutterstock.com

Der Verfassungsgerichtshof hat sein Urteil gefällt, die Stichwahl zur Bundespräsident*Innenwahl muss wiederholt werden. Ob das nun rechtlich richtig oder falsch ist (weil keine tatsächlichen Manipulationen nachgewiesen wurden),  – Tatsache bleibt, dass Gesetze zur Wahlregelung, die laut VfGH „rigoros angewendet werden müssen“ aus Bequemlichkeit schon jahrelang nicht eingehalten wurden.

Bequemlichkeit deshalb, weil manche Beisitzer Sitzungsprotokolle unterschrieben, ohne die Auszählung auch wirklich überwacht zu haben, erst gegen Mittag kamen, oder überhaupt „einstimmig beschlossen, bei der Auszählung der Briefwahlstimmen am Montag nicht anwesend sein zu müssen.“ Und da es sich hierbei um „eingespieltes Brauchtum“ handelte, haben auch alle brav mitgetan. Wahlbeobachter*Innen der OSZE haben schon 2010 massive Bedenken im Umgang mit den Wahlkarten geäußert – worauf Österreich jedoch nicht reagiert hat.

Selbst das Innenministerium hat seit 1993 rechtswidrig noch vor 17 Uhr die Ergebnisse bereits ausgezählter Sprengel an Medien und bestimmte Forschungsinstitute weitergegeben, schon das hätte gereicht, um eine Wahl wegen möglicher Beeinflussung der Wähler*Innen kippen zu lassen.

Der Schlendrian und die Wurstigkeit ziehen nicht nur in der Politik weite Kreise. Immer mehr Autofahrer*Innen sind zu bequem, den Motor abzustellen, wenn sie sich nicht fortbewegen, sondern im Auto telefonieren, jausnen, oder Pläne schmieden, oder gleich gar das Auto alleine stehen lassen und einen Einkauf erledigen. Vor kurzem wurde ich wieder einmal wüst beschimpft, weil ich jemanden bat, doch bitte den Motor abzustellen. Der Mann stand neben seinem PKW und unterhielt sich mit jemandem. Obwohl es ein Gesetz gegen das Laufenlassen des Motors im Stehen gibt (§102 (4) Kraftfahrtgesetz) und bei Zuwiderhandeln Verwaltungsstrafen bis über 2000.- drohen habe ich selbst Polizist*Innen schon dabei beobachtet.

Ich bin weder eine Verfechterin des uneingeschränkten Befolgens von Regeln, noch befürworte ich in irgendeiner Weise unsere fortschreitende Entmündigung und „Bequem-Machung“ durch Hinweise aus der No-Na-Ned-Kategorie: „Caution. This beverage is hot.“ auf einem Kaffeebecher. Oder mein absoluter Antispruch in der U-Bahn: „Bitte seien Sie achtsam. Zwischen Tür und Bahnsteig befindet sich ein Spalt.“ Natürlich gibt es da einen kleinen Spalt. (Abgesehen von der meines Erachtens hier völlig unangemessenen Verwendung des Wortes „achtsam“.)

Daniel Levitin schreibt in seinem Buch: „The Organized Mind“:

„In an organized and civilized society, we depend on one another in a variety of interdependent ways. We assume that people won’t throw their garbage willy-nilly on the sidewalk in front of our house, that neighbors will let us know if they see suspicious activity when we’re out of town, and that if we need urgent medical help, someone will stop to dial 9-1-1-. The act of living in cities and towns together is fundamentally an act of cooperation. The government, at various levels (federal, state, county, municipal), passes laws to define civil behavior…..“

Ich denke, wir sollten auch annehmen können, dass Gesetze die dem Wohle aller dienen von Institutionen „rigoros“ eingehalten werden – seien es nun solche zur  Aufrechterhaltung der Freiheit der Wahlen oder die Reinhaltung der Luft.

Es gilt also aufmerksam zu sein und mitzudenken: ist ein Gesetz, eine Regel größer als meine Befindlichkeit/Bequemlichkeit und deshalb „rigoros“ anzuwenden, selbst wenn es nicht exekutiert wird, weder Kläger*In noch Richter*In existiert? Gibt es Möglichkeiten, unsere Mündigkeit unter Beweis zu stellen und auf gesellschaftspolitische Entwicklungen zu reagieren, bevor die Gesetzgeber*Innen noch in die Gänge gekommen sind: z.B. Plastikmüll zu reduzieren indem wir konsequent keine Einweggebinde kaufen, stets eine Einkaufstasche mittragen, oder daran denken, Sackerl mitzunehmen auf den Markt, um die Plastiksackerl-flut einzudämmen; Müll konsequent zu trennen, auch wenn es aufwendig und „unbequem“ ist; saisonales Obst und Gemüse bei lokalen Anbieter*Innen zu kaufen. Bücher und Gewand nicht online bei Steuerflüchter*Innen zu bestellen, sondern im Geschäft nebenan zu kaufen……

Bequemlichkeit kann auf vielerlei Arten unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden gefährden. Aufmerksam zu sein darauf, was ist; wahrzunehmen, ob das, wie es ist, passt, oder ob wir unseren Mund aufmachen, etwas ändern müssen; mitzudenken und uns nicht einlullen zu lassen; den Tatsachen ins Auge sehen und dementsprechend zu agieren – all das ist nicht bequem. Aber es macht uns lebendig und wach. Und manchmal schützt es sogar die schwer erkämpfte Demokratie.

Wie immer ist es eine Übungssache, der Bequemlichkeit zu entrinnen. Wie wäre es mit einem Versuchsballon für den nächsten Monat? Wähle eine Aktion, die du im Juli konsequent durchziehen möchtest: z.B. das Auto stehen lassen, Sackerl wiederverwenden und damit auf dem Markt einkaufen, jemanden bitten, den Motor abzustellen,……Schreib mir in einem Kommentar, wofür du dich entschieden hast, und was die „Unbequemlichkeit“ dir gebracht hat! Ich bin gespannt.

Get Up, Stand Up!

Foto: albina glisic/shutterstock.com

Foto: albina glisic/shutterstock.com

7 easy steps to better posture and possible back-pain relief

Low back pain (LBP) is a very common global health problem that most people experience at some point in their life, particularly between the ages of 35 and 55. The WHO’s 2010 Global Burden of Disease Study estimated that LBP is among the top 10 diseases and injuries that account for activity limitation and work absence, affecting performance in all areas of life and general well-being. Worldwide, the prevalence of chronic, impairing LBP is raising in all age groups and genders. Several risk factors have been identified (such as occupational posture, depressive moods, body height and age), however, the causes of the onset of LBP remain unknown.

While nothing can be done about body height and age, posture can be improved easily with some level of attention and practice. And standing upright and looking the world straight into the eyes does not only reduce the strain on your muscular-skeletal system and thus improve you well-being and energy level, it may even improve your mood!

Here are the 7 steps:

  1. Feet: stand hip-width* apart, feet pointing straight to the front. Make sure you feel the entire heel and ball of your foot on the floor and you put equal weight on the front and back and outside and inside of the foot.
  2. Knees: Bend you knees slightly, keeping the legs parallel, that means the knee caps face to the front and the second/third toe.
  3. Pelvis: imagine there is a weight hanging down the tip of your sacrum (the bone that is fitted between the two hip bones) – that means the tip of your sacrum, as well as your sit-bones are pointing downwards vertically. This slightly lengthens the lower back area, without taking away the natural curve of the spine in the lumbar region.
  4. Upper back: make sure that your upper back is on top of the pelvis and does not lean back placing it actually behind the pelvis. You need a mirror or – even better – somebody to watch you and direct you in the right direction. Be aware that even a slight correction in your alignment will feel extremely weird at first – until your system adapts to the new arrangement.
  5. Shoulders: imagine your shoulder girdle – scapula in the back and clavicles in the front. Then slightly lift the shoulder girdle off your rib cage and gently place it back on the ribs like putting something on a table. The shoulders can just rest on the ribs, the arms can dangle down, you do not need to hold them. The frequently heard “shoulders back” is a big misunderstanding, that just gives you tension between the shoulder blades.
  6. Head and neck: Imagine a little air cushion behind your ears at the base of your skull. By gently inflating the cushion, allow the back of the head to rise slightly upwards, lengthening the neck. This will bring your chin down a bit, so that it can rest parallel to the floor instead of pointing upwards. Be careful – what I see people usually do when trying to lengthen their neck is that they bring the back of the head further back and down instead of up and to the front. That is the exact opposite of what you should be doing! And – the movement of lengthening is tiny, hardly noticeable. Also, with this correction you will usually have the sensation of looking down – which makes sense, since you changed the position of the head without changing the way you look – the eyes need to find a new position so they can look straight to the front again.
  7. Float and anchor yourself: Using the image of the head being a balloon floating up to the ceiling you can now let your spine dangle down from the head like a pearl necklace – at the bottom end of the spine is then the pelvis with the weight at the sacrum pulling it down. Breathe deeply and relax into those two forces, one pulling you up (the centrifugal force) and one pulling you down (gravity at its best). The more you relax into the floor (or into the chair when sitting), surrendering your weight to the ground while at the same time floating up, making sure that all the parts are stacked vertically on top of each other, the easier it will be for your body to find its proper alignment, reduce postural effort and take out inappropriate strain.

Now that you accomplished to do it once, you need to practice it. The best is to put yourself an anchor – e.g. each time you wait at a red light you upright yourself, or each time you get a phone call, you do it. In the beginning, make sure that you control your alignment, either in a mirror, a shopping window, or asking a real person. Breathe, relax and notice how you grow taller on your way to increased well-being.

*Hip-width means, the feet are below the hip joint (not the outside of your hips): If you place your hands on your hip bones, the finger facing the groin and then bend one leg, lifting it off the floor, you can feel the joint.

Frust ist der erste Schritt

Frust ist der erste Schritt

Foto: Photographee.eu/shutterstock.com

Da ich Radfahrerin bin, kenne ich Staus kaum; es ist fast immer genügen Platz vorhanden, um sich durchzuschlängeln und notfalls kann ich das Rad auch über Hindernisse heben. Kürzlich fuhr ich jedoch mit Freundinnen über das verlängerte Wochenende auf Kurzurlaub nach Istrien. Nach 4 Tagen genußvollstem Abhängen, mit köstlichem Essen, guten Büchern, Schwimmen im Meer und viel Schlaf brachen wir am Sonntagnachmittag mit den ersten schwarzen Gewitterwolken zurück nach Wien auf. So wie tausende andere Kurzurlauber*Innen aus den Nachbarländern. Und landeten – vorhersehbar – im Stau. Das heißt kurz vor Ljubljana drei Stunden lang im Schritttempo. Frustrierend genug für uns, aber wahrscheinlich noch viel schlimmer für die, die nach Laibach zurückwollten, und so kurz vor dem Ziel festsaßen. Wir haben dann unsere alten Lieblingsnummern aufgelegt und laut mitgesungen, was uns die Zeit etwas verkürzte  😉

Die Definition für Frust lautet im Duden:

„[Erlebnis einer] Enttäuschung und [vermeintlichen] Zurücksetzung durch erzwungenen Verzicht oder versagte Befriedigung“,

als Synonyme werden u.a. Ärger, Entmutigung, Enttäuschung, Missmut, Unlust, Verbitterung“ aufgelistet. Als Bild finde ich im Stau zu stehen, nicht vor und zurückzukönnen, festzustecken, ein sehr passendes Bild zur Beschreibung alltäglicher Frustrationserlebnisse. Wenngleich im Leben der Stau meist länger als 3 Stunden anhält! Interessant finde ich die Auflistung der Synonyme – aus meiner persönlichen Erfahrung und der mit meinen Klient*Innen würde ich diese als Reaktion auf den Frust beschreiben: Du möchtest etwas erreichen, erwartest Dir ein bestimmtes Resultat – und Deine Erwartungen werden enttäuscht. Egal was Du tust, Dein Ziel ist nach wie vor in weiter Ferne, Du bekommst nicht, was Du willst oder was Dir Deiner Meinung nach zusteht, Dinge laufen nicht so, wie Du Dir das vorstellst: und reagierst verärgert, bist unzufrieden, vielleicht auch ganz einfach traurig, je länger Du feststeckst, desto größer wird Dein Missmut, dazu gesellen sich Unlust und schließlich endet das ganze möglicherweise in Verbitterung und Aufgeben.

Ähnliches beschreibt in einem Zeit-Artikel ein Arbeitsmediziner der sich mit Frustration im Beruf beschäftigt. Nach anfänglicher Begeisterung nehme schon bald der Frust zu und viele beginnen sich zu fragen ob ihre Arbeit überhaupt sinnvoll sei. „Die nächste Stufe kann Apathie sein: Man leistet bloß noch Dienst nach Vorschrift“.

Nicht dass ich gerne in wie auch immer gearteten Staus stecke. Aber genauso, wie Angst, oder Schmerz oder Wut nicht unsere Feinde sind (wer jemals einen Lernprozess bei mir gemacht hat, hat das schon gefühlte 100 Mal gehört  😎  ), ist es auch Frustration nicht, ganz im Gegenteil!

Meist muss der Leidensdruck ein gewisses Ausmaß erreichen, damit wir in die Gänge kommen und etwas an unserer Situation verändern. Wenn wir nun aber gar nicht mehr richtig spüren, dass wir frustriert sind, dass unsere Erwartungen enttäuscht wurden, wir eigentlich etwas Anderes woll(t)en, sondern mit Unlust und Verdrossenheit auf unsere Situation reagieren, machen wir es uns nicht gerade leicht, unser Ziel trotz Hindernissen doch noch zu erreichen.

Ich kann mich noch gut an die ersten Wochen in meinem einzigen Bürojob in einer börsennotierten Firma erinnern: wenngleich die Begeisterung und Neugierde groß war – endlich ein gutbezahlter Job und weg aus dem schlecht dotiertem NGO-Bereich und prekären Lebensbedingungen als Tänzerin – war schon allein die Gewissheit quälend, jetzt täglich ein Minimum von 8 Stunden am Computer zu arbeiten (und oft auch mehr – natürlich – sehr modern – ohne Überstundenabgeltung). Nach einiger Zeit hatte ich mich an das lange Sitzen „gewöhnt“ und spürte mein körperliches Unbehagen und meinen Frust über das Arbeitsklima nur mehr als schleichende Gewichtszunahme und einen gewissen Grund-Grant der langsam von mir Besitz ergriff.

Erst als ich in meinem Lernprozess als Klientin der Grinberg-Methode meinen Körper wieder besser spüren lernte, mein Energielevel sich verbesserte und mir wieder klar war, dass ich New York nicht verlassen hatte, um jetzt in Wien so zu leben wie ich es tat, spürte ich auch den Leidensdruck wieder so intensiv, dass ich ihn als Motivation nutzen konnte, um etwas zu ändern.

Autor und Radiosprecher Tim Harford betont in seinem TED-Talk, wie wichtig Frustration ist, um Lösungen zu finden. So erwähnt er eine Studie, in der Gruppen, die entweder aus vier befreundete Personen, oder aus drei, die sich kannten plus einer ihnen fremden Person zusammengesetzt waren eine Aufgabe gestellt wurde. Die Freund*Innen-Gruppen hatten Spaß und das Gefühl, gut zu arbeiten, lösten ihr Rätsel aber nur in 50% der Fälle. Die gemischten Gruppen waren eher frustriert, fanden das Erlebnis nicht so wahnsinnig prickelnd, waren aber mit einer 75%igen Lösungsquote sehr viel erfolgreicher. Er führt noch einige Beispiele an, in der sich ein als frustrierend empfundener Nachteil im Endeffekt als äußerst hilfreich erwies.

Dann erwähnt er noch die „oblique strategies“ die Brian Eno für Musiker*Innen entwickelt hat und die zur Entwicklung einiger großartiger Albums der Musik-Geschichte geführt haben: z.B. Heroes von David Bowie (RIP).

Dabei zieht man eine Karte aus einem Stapel, auf der dann Aufträge wie z.b. „change instruments“, „Use fewer notes“, oder „Repetition is a form of change“ stehen. Die Musiker*Innen lieben diese Aufträge keineswegs, aber die Methode funktioniert.

Ich habe einmal etwas Ähnliches gemacht, als ich in New York an einer Choreographie arbeitete – stundenlang hatte ich schon in der Bibliothek recherchiert, die Musik – ein schweres, langsames Stück von Alfred Schmittke – stand auch schon fest – aber kreativ tat sich trotz näher rückender Deadline Woche für Woche gar nichts. Bis ich meinen Frust einfach nicht mehr aushielt und ein völlig anderes Musikstück von Ray Charles auflegte, um mich aus meinem „Stau“ zu befreien. Und das Stück, dass ich dann mit einer Leichtigkeit und Geschwindigkeit kreierte, ist nach wie vor eines meiner Lieblingschoreographien.

Einige der Aufträge von Brian Eno erinnern stark an Werkzeuge, die auch ich in meiner Arbeit als Praktikerin verwende: „Breathe more deeply, Get your neck massaged, Ask your body, State the problem in words as clearly as possible, Discover the recipes you are using and abandon them“: frei übersetzt atmen, entspannen, Körper spüren, die Realität beschreiben, erkennen was Du (automatisch, wiederholt) tust.

Andere Aufträge sind – wie ein Wechsel von Schmittke zu Ray Charles eine Intervention, die Chaos ins System bringt, es mal etwas durchschüttelt, den Frust-Stau durchbrechen hilft: „Turn it upside down, Faced with a choice, do both, Don’t be frightened to display your talents, Honor thy error as a hidden intention, What would your closest friend do? Give way to your worst impulse, Accept advice.“

Wenn Du also das nächste Mal frustriert bist, probiere mal eine der angeführten Möglichkeiten:

  • Atme
  • Mach einen Schritt, komm wieder in Bewegung. Jede From von Bewegung oder Übung, die du mit Aufmerksamkeit ausführst, kann Dir helfen, wieder mehr im Körper zu sein.Spüre was ist, d.h. stimme zu, dass du die Frustration wirklich spürst.
  • Entspanne dich.
  • Atme
  • Versuche eine Beschreibung des Status quo, was passiert wirklich gerade in der Realität?
  • Gibt es eine Strategie, die du automatisch wiederholst, weil sie bislang funktioniert hat – jetzt aber nicht mehr, z.B. weil sich die Grundbedingungen geändert haben? Bemerke, was du tust/wie du wirst und passe dich an die neuen Gegebenheiten an.
  • Probiere eine der „oblique strategies“ aus, tue etwas, dass den status quo etwas durchschüttelt. Das kann schon sein, eine deiner Routinen ganz leicht zu verändern.
  • Atme

Ich wünsche Dir viel Spaß und Erfolg dabei, Deinen Frust für Dich zu nutzen – und freue mich über einen Kommentar zu Deinen Erfahrugen!

Realität und Verantwortung

Realität und Verantwortung

Foto: bleakstar/shutterstock.com

Kürzlich war ich Zeugin eines Konflikts im Straßenverkehr. Nachdem der Autofahrer wütend ausgestiegen und dem Radfahrer nachgelaufen war, beschwerte er sich lautstark bei einem Passanten, dass der Mann auf dem Rad „mitten auf der Straße“ gefahren sei und ihn dann angepöbelt hätte. Was ich gesehen hatte war, dass der Autofahrer den Radfahrstreifen „mitbenutzt“ und seinen Arm aus dem Fenster gestreckt hatte, als der Radfahrer an ihm vorbeiwollte und der dann unwillig reagierte.

Auch bei einem Gespräch das ich neulich führte wunderte ich mich, dass mein Gegenüber die Ereignisse so völlig anders darstellte, als ich sie erlebt hatte, gefolgt von Schuldzuweisungen an Dritte und die kategorische Ablehnung jeglicher Verantwortung für die Geschehnisse.

Ähnlich hat dann auch einer der Kandidaten die Schuld am Wahldebakel beim Koalitionspartner gesucht und sein Chef bezichtigte den Bundeskanzler als „das Hauptproblem in der Regierung“ (Der Standard, 26.4.2016), so als wäre seine Partei nicht Teil der selben. Anton Pelinka schreibt (Die Zeit, 28.4.2016):

„SPÖ und ÖVP gelang es am Sonntag nach dem Wahldebakel nicht, den für ein anständiges Begräbnis notwendigen Stil und die erforderliche Würde aufzubringen. Ein wehleidiger Verweis auf den Sündenbock Meinungsforschung da, eine Schuldzuweisung an den Koalitionspartner dort.“

Auch hier, keine Einsicht, dass eine Strategie gescheitert ist, kein Versuch, sich mögliche eigene Fehler einzugestehen.

Wer schon einmal Kindheits-Erinnerungen mit denen seiner Geschwister verglichen hat wird wissen, dass unsere „Wahrheiten“ oft sehr unterschiedlich sind – wir meist sehr unterschiedliche Schlussfolgerungen aus unseren Erlebnissen ziehen. Auch kann das, was nach Ereignissen passiert unsere Erinnerungen beeinflussen, ganz abgesehen davon, welche Glaubenssätze wir haben, was unser erster Eindruck war, wie wir unbewusst auf Bedingungen (Gerüche, Geräusche, etc. ) um uns reagieren. Auch haben wir die Tendenz, all das, was unseren Überzeugungen entspricht und diese bestätigt eher wahrzunehmen, stärker zu gewichten, und uns besser daran zu erinnern (= Bestätigungsfehler oder confirmation bias) als Informationen, die unseren Überzeugungen widersprechen.

Speziell in emotional geladenen Situationen, und wenn klar ist, dass etwas nicht so gut gelaufen ist, fällt es oft schwer, der Realität ins Auge zu blicken und sich einzugestehen, dass man etwas verbockt hat. Die Bereitschaft, die Fakten objektiv zu betrachten und zu überprüfen, ob die Verantwortung vielleicht auch bei einer/m selbst liegt ist eine Möglichkeit, Dinge zu verbessern und den selben Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Niemand von uns liebt es, Fehler zu machen, oder nicht recht zu haben. Dazu kommt, dass in unserer Gesellschaft kaum eine Fehlerkultur existiert. Wie aber könnten wir erkennen, dass ein Fehler passiert ist, wenn wir uns der Realität verschließen, dass jede unserer Handlungen Konsequenzen hat und dass manches danebengeht? Wie könnten wir Lösungen finden für reale Probleme, wenn wir keine Verantwortung für unseren Beitrag daran übernehmen wollen, nicht einmal andenken, dass wir einen Beitrag geleistet haben könnten und die Schuld lieber anderen zuweisen?

Tatsache ist, dass die Zeiten unruhiger und unbequemer geworden sind und dass das vermutlich so weitergehen wird. Tatsache ist auch, dass es keine einfachen Lösungen gibt, auch wenn uns das manche glauben machen wollen und auch gleich genau wissen, wer die Sündenböcke sein sollen – obwohl:

 „…..Wir sprechen über eine Partei, die den Bürgern mit dem Hypo-Skandal den größtmöglichen Schaden an ihrem Wohlstand zugefügt hat, im Gedankenspiel nur zu übertreffen durch eine Staatspleite.“

(Christian Rainer im Profil, 24.4. 2016)

Egal ob es sich um einen Zusammenstoß von VerkehrsteilnehmerInnen, einen Beziehungsstreit oder sonstige Konflikte handelt, es gilt, die Fakten zu überprüfen, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass wir möglicherweise nicht alle Informationen zur Verfügung haben. Es gilt, aufmerksam zu sein, unsere Wahrnehmung zu schärfen dafür, was eigentlich Sache ist, zu hinterfragen, ob unsere Beurteilung der Realität klar ist oder gefärbt von Schlussfolgerungen, Urteilen, Reaktionen, die wir über Jahre eingeübt haben und die unsere Wahrnehmung trüben. Und es gilt zu hinterfragen, ob und wie unsere Handlungen, Aussagen, Haltungen dazu beigetragen haben mögen, dass ein Problem überhaupt existiert. Nur weil es mittlerweile normal ist, dass es immer alles gibt, hat es doch Auswirkungen, wenn wir in Österreich im Februar Erdbeeren kaufen.

Barack Obama hat sein letztens Correspondence Dinner mit folgenden Worten abgeschlossen, und ich denke, was er sagt gilt nicht nur für JournalistInnen.

„…. this is also a time around the world when fundamental ideals of liberal democracies are under attack and when notions of objectivity and of free press and of facts and of evidence are trying to be undermined or in some cases ignored entirely. In such a climate it is not enough just to give people a megaphone. And that’s why your power and your responsibility to dig and to question and to counter distortions and untruths is more important than ever. Taking a stand on behalf of what is true does not require you shedding your objectivity, in fact it is the essence of good journalism. It forms the idea that the only way we can build consensus, the only way we can move forward a s a country, the only way we can help the world mend itself is by agreeing on a baseline of facts when it comes to the challenges that confront us all.”

Alle, die daran interessiert sind, ihre Körperaufmerksamkeit zu steigern, um die Realität besser und Filter-loser wahrzunehmen, und damit der „Wahrheit“ etwas näher zu kommen lade ich ein, am 7.5., 11h, 10.5., 19h und 17.5., 18:30h für jeweils eine Stunde kostenlos gemeinsam zu trainieren präsent und im Jetzt zu sein. Zur Anmeldung.

Ruhe Bitte!

Ruhe Bitte!

Foto: Ollyy/shutterstock.com

Ich kann mich noch gut erinnern, als der Lärm in meinem Kopf noch ca. 130 Dezibel erreichte. Kommentare über meine Umgebung wechselten sich ab mit Diskussionen, die ich noch zu führen hatte oder im Review-passieren lassen im Nachhinein verändern wollte. Die Spezialvariante als ich noch aktive Tänzerin war: die Choreographie der nahenden Performance in meinem Kopf durchspielen – was ja grundsätzlich ein legitimes Mittel ist, sich besser an Bewegungsabläufe zu erinnern; nur leider fing der ganze Tanz sofort von Neuem an, sobald ich den letzten Schritt gemacht hatte und raubte mir in Endlosschleife den Schlaf. Ich hatte also kaum Kontrolle darüber, wie laut es in meinem Kopf zuging.

Egal ob Du Dich mit Tagträumen wegbeamst, um unerfreuliche Ereignisse nicht so hautnah mitzuerleben oder von ständigem Kommentieren und Diskutieren geplagt wirst – der Lärm im Kopf ist ermüdend und absolut hinderlich, Klarheit und Konzentration aufrechtzuerhalten, um dich auf deine eigentlichen Ziele zu fokussieren.

Es spricht nichts dagegen, sich auf wichtige Gespräche vorzubereiten und Argumente zu überlegen, aber nachdem du ja nie weißt, was genau dein Gegenüber sagen wird, erübrigt es sich, die gesamte zukünftige Konversation im Kopf durchzuspielen. Noch weniger sinnvoll ist es, Diskussionen, die bereits stattgefunden haben neu schreiben zu wollen. Was gesagt ist, ist gesagt. Es bringt eindeutig mehr, neu zu verhandeln oder sich falls nötig zu entschuldigen, als jeden Satz wieder und wieder in Gedanken herumzuwälzen – also in der eigenen Suppe zu köcheln. Wenn du einer realen Person von deinem Gespräch erzählst birgt das zumindest die Möglichkeit neuen Input zu bekommen, eine andere Sichtweise zu erhalten und Trost, oder dir fällt einfach durch das laut Aussprechen eine Lösung ein.

Das Problem ist, dass wenn wir in einem Zustand sind, in dem es im Kopf rattert, sich Gedanken im Kreis drehen, sich Kommentare wiederholen oder uns Sätze nur als unvollständige Fetzen um die Ohren fliegen, dieser Lärm so vehement auf uns einprasselt, dass wir oft keine andere Möglichkeit sehen, als sich das Geschwätz anzuhören und ihm Glauben zu schenken.

Wie also kannst Du mehr Stille im Kopf erreichen?

Zu bemerken, was du dir sagst und wie du mit dir sprichst ist gleich der erste Schritt zur Stille im Kopf: wenn du bemerkst, dass sich deine Gedanken im Kreis drehen und du immer wieder die selben Sätze denkst, vor allem wenn sie Wörter wie „nie“ und „immer“ enthalten, kannst du davon ausgehen, dass es Lärm ist, und nicht wirklich klares Denken: „Immer nur mir passiert so etwas!“, „Nie bekomme ich was ich will!“, „Keine/r liebt mich!“ entsprechen, wenn du ehrlich bist, ganz sicher nicht der Wahrheit. Vielleicht hat gerade jetzt etwas nicht so funktioniert wie du wolltest, aber es ist sicher nicht so, dass alles immer und überall schief ging und geht in deinem Leben.

Spätestens in der Schule haben wir alle gelernt, Dinge nicht zu hören, die wir nicht hören wollten – bei einem Ohr rein, beim anderen raus. Vielleicht kennst du auch die Situation, dass du ganz vertieft in ein Buch zum Essen gerufen oder den Auftrag erhalten hast, dein Zimmer – jetzt sofort! – aufzuräumen – und du sehr wohl gehört hast, aber dem Gehörten Null Aufmerksamkeit geschenkt hast und einfach gebannt weitergelesen hast. Das ist dann auch schon der Clou – dem Lärm, dem Gerede die Aufmerksamkeit zu entziehen, aktiv zu wählen, nicht zuzuhören. Ich kann mich noch gut an meine Verblüffung erinnern, als mir in einer Sitzung meine Praktikerin einmal eröffnete, dass ich die nervigen, vernichtenden Aussagen meines Verstandes ja nicht glauben müsste. Damals kam mir das wie ein revolutionäres Konzept vor – aber im Grunde genommen treffen wir solche Entscheidungen ständig: Du glaubst sicher nicht jedem E-Mail, das dir einen unglaublichen Gewinn verspricht wenn du jetzt sofort auf jenen Link klickst, oder dass das Wundermittel XY dir in 14 Tagen Deine Traumfigur beschert. Du triffst also ständig Entscheidungen darüber was du glaubst und was nicht.

Wenn Du dich also entschlossen hast, den sich wiederholenden Rundum-Schlägen („das wird nie was“, „das schaffst du eh wieder nicht“,“jetzt kannst du das immer noch nicht!“, …..) keinen Glauben mehr zu schenken folgt der nächste Schritt: die Aufmerksamkeit weg vom Geratter und hin zum Körper. Wenn es im Kopf rund geht – wie atmest du dann? Hat sich da vielleicht postmoderner Minimalismus eingeschlichen? Verspannst du deine Schultern, dein Kiefer, hältst du deinen Bauch? Spürst du dein Becken und deine Beine überhaupt noch? Sehr wenig zu atmen und nicht entspannt zu sein sind ein weiteres Indiz dafür, dass du gerade nicht konstruktiv denkst, sondern der Kopf auf Autopilot läuft.

Also – Atmen!

Schon alleine dadurch, dass du deine Aufmerksamkeit auf den Atem lenkst, hast du eine gute Chance, dass der Kopf ruhiger wird und du dich umgehend etwas mehr entspannst. Probier einmal die Drei-Stufen-Atmung: atme ein paar Atemzüge bewusst in den Bauch, so dass sich die Bauchdecke hebt und senkt. Dann in die Flanken/Seiten: du kannst die Hände seitlich auf die unteren Rippen legen und dann versuchen, den Atem so zu lenken, dass sich die Rippen zur Seite hin ausdehnen, die Körpermitte also breiter wird. Dann atme ein paar Mal ganz nach oben zu den Schlüsselbeinen. Mach das alles ohne Anstrengung, ohne zu Pressen. Du lässt die Luft rein in den Körper und lässt sie wieder raus. Anschließend beginne wieder von unten und kombiniere die drei Stufen – atme in den Bauch, weiter in die Flanken bis ganz nach oben, und dann lass die Luft von oben über die Seiten nach unten wieder raus. Lass dir Zeit, bring deine Aufmerksamkeit auf die Atembewegung, versuche, gleichmäßig und entspannt ein- und auszuatmen. Dann schau mal, was diese simple Übung bewirkt hat.

Bewegung hilft!

Alles, was dir deinen Körper positiv ins Bewusstsein ruft, hilft ebenfalls, die Aufmerksamkeit weg vom Gequatsche und hin zur Realität zu lenken: egal ob du Gewichte hebst, eine Runde Laufen gehst, oder kurz mal zu deiner Lieblingsnummer ab-shakst – wenn du dabei tief atmest und deine Aufmerksamkeit bei deiner Bewegung hast (die also nicht „herunternudelst“, sondern bewusst ausführst), wird das den Lärm im Kopf reduzieren. Wie sehr ich auch vor meine Auftritten gelitten hatte – sobald ich auf der Bühne war, hatte ich keine Zeit, um mir die Schrittabfolge zu überlegen. Da war meine Aufmerksamkeit im Körper, bei der Musik und bei meinen Mit-TänzerInnen. Und endlich war es wieder ruhig im Schädel.

Meditieren

Als Langzeit-Strategie hilft auch Meditation. Ich mag den Ansatz des Shambhala in der Stiftgasse: Du sitzt bequem, richtest deine Aufmerksamkeit auf den Atem und/oder darauf, was du rund um dich hörst, wenn Gedanken kommen (und sie kommen!) bemerkst du das und bezeichnest sie als solche (z.B. „Aha, Gedanke“) und gehst wieder zu deinem Atem. Meditation erfordert Übung und du musst nicht erwarten, dass der Kopf aufhört zu quatschen, nur weil du dich aufgerafft hast, einmal 15 Minuten still zu sitzen. Aber so wie mit Allem, was man Lernen kann – wenn du dich regelmäßig hinsetzt mit der Intention zu meditieren, werden sich die Benefits einstellen, inklusive mehr Stille im Kopf. Eine andere Möglichkeit, Ruhe zu erlangen, (sozusagen eine andere Form der Meditation), ist es, etwas monotones über eine längere Zeitspanne zu wiederholen, dabei aber die Aufmerksamkeit gezielt auf das Außen (und nicht auf die innere Geschwätz-Suppe) zu richten. Vor ein paar Jahren war ich mit FreundInnen auf dem Oberlauf der Loire paddeln. Der Wasserstand war relativ niedrig, d.h. wir mussten wirklich aufpassen, wo wir entlangfuhren, damit unsere Boote nicht beschädigt wurden; unsere Aufmerksamkeit war also stark im Außen gefordert. Gleichzeitig ist die Bewegung des Paddelns monoton, rechts, links, rechts, links. Und das über Stunden. Es war großartig, und sehr, sehr still. Ein wunderbarer, unvergesslicher Urlaub.

Stille Orte

Nicht nur in unseren Köpfen, auch rund um uns geht es gehörig laut zu. Falls du also Gelegenheit hast, geh diesem Lärm zumindest zeitweise aus dem Weg. Das „stille Örtchen“ ist eine Möglichkeit für Zwischendurch, aber auch speziellere Plätze bieten sich an: ich liebe z.B. die Steinhof-Gründe – egal ob die Otto-Wagner-Kirche oder ein Bankerl vor der Scheune mit Blick auf den Wiener Wald; eine leere Bühne im Theater, wenn alles noch ruhig ist; ein See, ein uralter Baum. Der stillste Ort, an dem ich bis jetzt war, ist der Nationalpark Canyonlands in den USA. Da ist es so ruhig, dass man die Stille hören kann. An solch stillen Orten entspannt sich ein Körper ganz einfach, und dann kann sich auch Stille besser ausbreiten.

Für alle, die jetzt gerade keine Zeit haben, sich an einen wirklich stillen Ort zu begeben biete ich am 16. April, 11 Uhr einen Workshop zum Thema „A Ruah Is!“ an, in dem wir uns der Stille widmen und ich euch erprobte Werkzeuge zeige, mit denen ihr mehr Stille im Alltag erreichen könnt. Anmelden kannst du dich hier.

Wer will kann auch gerne bis inklusive Mittwoch, 6.4.16 ein ganzes Paket buchen: 3 individuelle Sitzungen im Abstand von maximal einer Woche zum Thema Stille, 1 Trainingseinheit speziell für dich und die Teilnahme am Workshop um €210.- statt €300.-.

Ich freue mich wie immer über einen Kommentar von dir: mit welcher Form von Lärm kämpfst du am meisten? Welcher meiner Vorschläge sprechen dich an, was möchtest du ausprobieren? Hast du andere Werkzeuge, die dir bei der Erlangung von mehr Stille geholfen haben?

Gerne kannst du auch den Blog mit deinem Netzwerk teilen, damit mehr Leute von meiner Arbeit erfahren und profitieren können.

Hast Du schon aufgeräumt?

Hast Du schon aufgeräumt?

Foto: Cora K. Hiebinger

Aufräumen und mich von Überflüssigem zu trennen stand nun schon ein paar Mal auf meiner Liste guter Vorsätze für das neue Jahr. Mittlerweile habe ich auch genügend Werkzeuge erlangt, um in die Gänge zu kommen und meine Vorsätze wirklich umzusetzen. Eine große Hilfe ist jeder weitere Geburtstag den ich feiere – da der mich daran erinnert, dass ich die Halbzeit bereits überschritten habe (obwohl ich gesunde 120 werden möchte da ich noch viel vorhabe 🙂 ). Jedenfalls sinkt meine Toleranzgrenze hinsichtlich Zeitverschwendung und insgesamt gegenüber allem, was ich nicht in meinem Leben haben möchte mit jedem Jahr drastisch.

Bevor ich mich nun also von einigen meiner Bücher getrennt habe, bestellte ich noch das „Buch der Woche“, das meine Buchhändlerin Anna Jeller im Rahmen des Superfly-Buchtipps vorgestellt hat: „Magic Cleaning. Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“ von Marie Kondo. Die Japanerin schreibt, dass es für richtiges Aufräumen und Besitz-Reduktion hilfreich sei, eine gewisse Reihenfolge beim Durchmustern einzuhalten (vom einfachen zum schwierigen)– und das Du jedes Teil in die Hand nehmen solltest, um zu spüren, ob es Dich glücklich macht oder nicht. Und wenn nicht, dann gehört es weg. Was dazu führt, dass Du nach erfolgreichem Ordnung-Schaffen nur mehr von Dingen umgeben bist, die Dein Herz erfreuen! Was für ein großartiges Konzept! Als Unterstützung für das Loslassen von Geschenken, Briefen, Fotos und anderen Dingen mit sentimentalem Wert führt sie an, dass die betreffenden Gegenstände ihre Aufgabe im Augenblick des Erhalts erfüllt haben, in dem sie Dir damals Freude bereitet haben. Dieser Ansatz erleichtert die Trennung ganz ungemein – und so konnte ich sogar Bücher weggeben (was ich bislang für unmöglich gehalten habe), die jetzt in einem neuen Heim neue LeserInnen erfreuen.

Ich bin noch lange nicht fertig mit dem Ausmustern, aber immerhin haben bisher 10 große Kisten meine Wohnung verlassen. Kondo berichtet von den verschiedensten erstaunlichen Auswirkungen, die das „Magic Cleaning“ auf unser Leben hat; eine Rezensentin meint: „Der Generalangriff auf das alltägliche Chaos macht uns zu selbstbewussten, zufriedenen, ausgeglichenen Menschen.“ – ich kann berichten, dass bereits jetzt eine gewisse Leichtigkeit Einzug bei mir hält – und sich ein Mehr an Klarheit, Ordnung und Übersichtlichkeit auch auf andere Lebensbereiche ausdehnt.

Das Konzept des Loslassens von Dingen, die Dich nicht glücklich machen kann natürlich auch aktiv auf andere Bereiche des Lebens umgelegt werden. Im letzten Passion-Project Workshop ging es um Respekt unserem Körper gegenüber – und wie oft wir unsere Grundbedürfnisse nicht erfüllen. Es lohnt sich vermutlich, die zu Durchforsten, um zu sehen, ob da „alles in Ordnung“ ist – d.h. Essen, Schlafen, Trinken, Sexualität, Bindung und Beziehung, Autonomie und Selbstbestimmtheit, Anerkennung und Selbstwert, Individuelle Identität, Körperliches Wohlbehagen, und Sinn und Spiritualität – oder ob Aufräumbedarf besteht.

Vielleicht helfen Dir ja folgende (und ähnliche) Fragen, um unangenehme, irritierende „Un-Ordnung“ in Deinem Leben aufzuspüren. Wie bei den zu „kondoisierenden“ Dingen solltest Du in Dich hineinspüren, und nicht nur vom Verstand antworten. Dazu kannst du eine der Übungen machen, die du in einem der Passion-Project-Workshops oder in Deinen Sitzungen gelernt hast, oder die ich in einem meiner Blogs bereits vorgestellt habe. Oder du nimmst dir einfach 5 – 10 Minuten Zeit, um zu deiner Lieblingsmusik zu tanzen, oder Dein Lieblings-Workout zu machen – Hauptsache, du bringst deine Aufmerksamkeit bewusst in den Körper – damit er dir die Antworten gibt und nicht nur dein Kopf. Dann setz dich hin und richte deine Aufmerksamkeit auf einen der Bereiche – beginne mit dem, der am wenigsten „geladen“ scheint, der für dich am einfachsten hand zu haben ist. Zum Beispiel:

Macht mich mein Essen glücklich? Esse ich die richtige Menge, zur passenden Zeit, achte ich genügend auf die Qualität der Zutaten, sorge ich für Abwechslung? Ist das Lokal, in dem ich regelmäßig zu Mittag esse wirklich die beste Wahl, oder ist es einfach bequem, weil es gleich ums Eck vom Büro ist?

Machen mich mein Schlaf und meine Ruhepausen glücklich? Schlafe ich genug und ist die Erholung für meinen Körper und Geist ausreichend? (Eine Messung der Herzraten-Variabilität kann z.B. aufzeigen, ob Dein System wirklich genügend hinuntergefahren wird und damit umfassende Regeneration ermöglicht.)

Macht mich meine Arbeit glücklich? Bin ich mit meinem Arbeitsbereich zufrieden, gibt es Konflikte im Team, die meine Begeisterung für meinen Job dämpfen und die es anzusprechen gilt? Sind meine Arbeitszeiten ok für mich oder möchte ich eigentlich mehr, weniger, zu anderen Zeiten arbeiten? Gibt es eine Möglichkeit, mehr Flexibilität zu haben?

Machen mich meine Beziehungen glücklich? Erlauben sie mir weiter zu wachsen und andere wachsen zu lassen? Ist Geben und Nehmen ausgeglichen, oder hat eine Person stets das Nachsehen? Erfahre ich Wohlwollen und Rückhalt von meinem Gegenüber oder werde ich unter Stress bewertet und klein gemacht? Gibt es Raum für Konflikte und Meinungsverschiedenheiten oder ist jede kleine Diskrepanz Grund genug das Handtuch zu werfen? Besteht eine Basis des Vertrauens, uns aufeinander verlassen zu können und dass ein grundsätzliches Einverständnis darüber besteht, an sich und der Beziehung arbeiten zu wollen? Erinnern sich alle Beteiligten immer wieder daran, dass sie diese Beziehung führen wollen? Ist eine Entschuldigung für einen begangenen Fehler eine ehrliche Aussage dazu, dass es mir leid tut und ich alles daransetzen werde, denselben Fehler nicht wieder zu begehen, oder ist sie eine dahingesagte Floskel? Halte ich die andere Person in einem Bild fest, das ich mir einmal gemacht habe und biege ich mir die Realität immer wieder zurecht, damit sie in diese verblasste Form passt, oder bemühe ich mich um Aufmerksamkeit, um ihre Veränderungen und Entwicklung wahrnehmen und wertschätzen zu können?

Ich denke, dass je mehr wir „aufräumen“ und auch die kleinen, unwichtig erscheinenden Details in unserem Leben so gestallten wie wir das gerne hätten, desto einfacher wird es, auch wirklich relevante Bereiche im Leben in Angriff zu nehmen und in „Ordnung“ zu bringen. Vielleicht stört dich ja schon lange der Geruch der Seife die in Deinem Büro verwendet wird – frag nach, ob das zu ändern ist – oder bring deine eigene Seife mit. Die U-Bahn, mit der du üblicherweise in die Arbeit fährst ist immer bummvoll und es gibt viel Remplerei und olfaktorische Attacken? Vielleicht gibt es ein anderes öffentliches Verkehrsmittel, das dich zu deinem Job bringt – oder Du fährst 10 min früher und alles ist viel bequemer? Oder du steigst aufs Fahrrad um und hast gleichzeitig Deinen Vorsatz für mehr Bewegung abgedeckt?

Je weniger dieser kleinen irritierenden Ablenkungen uns umgeben, desto einfacher wird es, Klarheit zu haben und zu spüren, was ist, was wir wollen – und was wir wirklich nicht mehr brauchen in unserem Leben.

Falls es Dir sehr schwer fällt, Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Körper zu richten weil Dein Kopf ständig dazwischenplappert ist der nächste Passion-Project Workshop etwas für dich: „A Ruah Is“ am 12. April 2016, 11 Uhr. Weil Stille im Kopf es leichter macht zu spüren, was Dich denn nun glücklich macht und was nicht!

Wie geht es Dir mit Aufräumen und Loslassen? In welchen Bereichen deines Lebens wünscht du Dir mehr Ordnung? Schreib mir einen Kommentar! Ich werde Dich auf dem Laufenden halten, wie es mit meinem Aufräumprojekt weitergeht – und welche ungeahnten Auswirkungen noch auftauchen 😎 !

Respect yourself! Und alle anderen auch.

Respect yourself! Und alle anderen auch.

Foto: Kentoh/Schutterstock.com

Egal weswegen jemand Sitzungen bei mir nimmt – der erste Schritt ist stets, die Aufmerksamkeit meiner KlientInnen darauf zu lenken was „ist“: was sich in der Realität abspielt, was im Körper real passiert. Das heißt dann vielleicht, dass wir bemerken, dass wir unsere Atmung drosseln und unsere Schultern hochziehen, sobald wir über den Streit mit der Chefin berichten; oder dass wir spüren, wie wir die Zähne aufeinanderbeißen und uns die Tränen verkneifen, wenn wir erzählen, dass unsere Großmutter im Sterben liegt. Dass wir merken, wie erschöpft wir eigentlich sind (weil alles gerade etwas viel ist), wir uns aber weiter zwingen so zu tun als könnten wir alles alleine schaffen.

Diese Art von Aufmerksamkeit für die Realität hat, finde ich, sehr viel mit Respekt zu tun: Respekt vor unserem Körper und uns selbst, davor, wofür wir stehen, was uns wichtig ist und wen wir lieben, wo die Grenzen unserer Belastbarkeit liegen.

Wenn wir beginnen, uns und die Realität zu respektieren, fällt es uns auch leichter, die Welt und die Anderen um uns zu respektieren und wir brauchen weniger Regeln und Verbote. Coach Andrea Lienhart schreibt:

„Wer aufmerksam und freundlich sich selbst gegenüber ist, kann das auch anderen gegenüber sein. Wer seine eigenen Bedürfnisse kennt und zu ihnen steht, erkennt, dass auch andere eigene Bedürfnisse haben, die es zu respektieren gilt. Wer sich selbst in allen Facetten annimmt, wird auch bei anderen Menschen akzeptieren, dass sie anders sind und dass sie ihre Stärken und Schwächen haben.“

Die ursprüngliche Bedeutung von Respekt – aus dem lateinischen respectus: „das Zurückschauen; Rücksicht“ hat sich gewandelt zu „auf Anerkennung, Bewunderung beruhende Achtung“ bzw. „vor jemandem aufgrund seiner höheren, übergeordneten Stellung empfundene Scheu“ (Duden). Interessanterweise ist im Englischen neben dieser dem Deutschen ähnlichen Definition die ursprüngliche Bedeutung des Wortes noch besser erhalten: respect: „due regard for the feelings, wishes, or rights of others“.

Der Respekt den ich meine hat also nichts mit Bewunderung oder Obrigkeitshörigkeit und Angst zu tun, sonder ist eine Form der Anerkennung, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen.

Unser Körper hat ganz sicher das Bedürfnis, von uns wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden: wenn er Hunger hat, sollten wir ihm etwas zu essen geben, wenn er müde ist, für Erholung sorgen, wenn er Schmerzen hat, wenn möglich das den Schmerz erzeugende Problem beseitigen. Tun wir das, wird er uns mit großer Wahrscheinlichkeit (und etwas Glück) über lange Jahre hinweg gute Dienste leisten. Wie bei guten Vorsätzen, die wir nur umsetzen können, wenn wir auch in die Gänge kommen und etwas tun, benötigt eben auch Respekt eine Aktion, eine Umsetzung.

Nun haben wir auch alle das Bedürfnis, von anderen wahrgenommen zu werden. Nachdem wir Menschen uns gegenseitig spiegeln sollte sich – wenn nun jede/r von uns beginnt, mit uns selbst und anderen respektvoll umzugehen, der Welt mit Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu begegnen, sich diese Art des Umgangs rasch ausbreiten. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist Respekt wohl nicht nur wünschenswert, sondern sogar notwendig, wenn wir uns unsere Humanität erhalten wollen. Darauf, dass sich die Welt verändert hat auch US-Präsident Obama in seiner letzten „State of the Union“ Rede hingewiesen:

„We live in a time of extraordinary change. — change that’s reshaping the way we live, the way we work, our planet, our place in the world. …… It’s change that can broaden opportunity, or widen inequality. And whether we like it or not, the pace of this change will only accelerate.“

Abgesehen von der Möglichkeit, Sitzungen zu nehmen, um die Realität deines Körpers wieder zurückzugewinnen und aus alten, sich wiederholenden Reaktionsmustern auszusteigen, bieten sich im Alltag zahlreiche Möglichkeiten an, Respekt gegenüber anderen zu üben; was eben auch manchmal heißt, die eigene Bequemlichkeit hintan zu stellen, nicht auf deinem Recht zu beharren, keinen Vorteil für Dich heraus zu schinden, nur weil es möglich ist. Eben deine Komfortzone zu verlassen. Auf jeden Fall: je mehr wir in der Realität sind und wirklich wahrnehmen, was jetzt gerade Sache ist, desto leichter wird es sein zu entscheiden, was der passende respektvolle Umgang wäre. Du kannst dann immer wählen, ob du diesen Umgang pflegen willst, oder nicht.

Dieser Blog ist sehr lang geworden – offensichtlich gibt es viel zu sagen über Respekt! Es folgen einige Beispiele wo respektvoller Umgang gut zu üben ist. Wenn es Dir zu lang ist, kannst du einfach nur die Überschriften lesen

  • Danke sagen und Dinge zur Kenntnis nehmen.
  • Die Zeit der anderen respektieren.
  • Kommunizieren was „ist“ sobald du es weißt – und Anerkennung zollen.
  • Aufmerksam sein und Wahrnehmen.
  • Zuhören und nicht Schubladisieren.
  • Zuvorkommend sein und Leuten entgegenkommen.
  • Sich entschuldigen und Fehler eingestehen.

Danke sagen und Dinge zur Kenntnis nehmen

Auf eine persönliche Anfrage möglichst zeitnah zu antworten, sollte nicht nur im Business-Kontext eine Selbstverständlichkeit sein. Wenn man noch keine Antwort parat hat, erfreut auch eine kurze Bestätigung, dass man die Frage erhalten hat.

Wenn jemand etwas für Dich erledigt, dich mit jemanden in Kontakt gebracht hat, der dir weiterhilft vergisst man selten auf das Dankeschön. Aber wie oft kommt es vor, dass jemand die Türe aufhält und man geht gedankenverloren durch ohne einen Mucks zu machen? Ich habe auch bemerkt, dass ich als Radfahrerin sehr viel weniger angepöbelt werde, seit ich mich auch bei AutofahrerInnen bedanke, weil sie mir meinen Vorrang nicht streitig machen – auch wenn das ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Die Zeit der anderen respektieren.

Wir sind alle sehr beschäftigt und unsere Zeit ist begrenzt. Wenngleich es manchmal zu Verspätungen kommt, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, können wir uns doch immer bemühen, pünktlich zur vereinbarten Zeit zu einem Treffen zu erscheinen. Bzw. überhaupt zu erscheinen – als wir noch nicht ständig benachrichtig-bar waren, wurden Zusagen noch mehr respektiert – eine Freundin hatte sich mal mit anderen Freundinnen ausgemacht, sich – als Rucksacktouristinnen aus verschiedenen Ländern kommend – an einem bestimmten Tag zu Mittag vor dem Hauptpostamt in Guatemala City zu treffen. Und sie trafen sich.

Die ÖsterreicherInnen sind nicht bekannt dafür, dass sie das Konzept des Anstellens ganz durchschaut haben. Aber wenn du aufmerksam bist, merkst du meistens, ob du vor oder nach jemanden an die Kassa oder eine Theke gekommen bist – zur Not kannst du ja nachfragen. Auch wenn plötzlich eine zweite Kassa geöffnet wird – es ist nicht nachvollziehbar, dass die Letzten plötzlich die Ersten sein sollten. Auch wenn es üblich ist und oft einfach geht – Vordrängen ist Vordrängen. Wenn du das nicht machen willst, mach es nicht.

Kommunizieren was „ist“ sobald du es weißt – und Anerkennung zollen

Sobald absehbar ist, dass entweder die eigene Planung oder der öffentliche Verkehr versagt hat, zeugt es von Respekt, dies der wartenden Person mitzuteilen. Du hast zugesagt, etwas zu erledigen, weißt aber schon Wochen vor der Deadline, dass sich das nie und nimmer ausgehen wird, oder jemand fragt dich, ob du mit ihm/ihr auf einen Kaffee gehen würdest und du weißt eigentlich schon, dass du keine Lust hast – gib gleich Bescheid – dann können sich alle Beteiligten darauf einstellen.

Jemand hat sich offensichtlich bemüht, etwas was ihm/ihr schwerfällt trotzdem gut zu machen – oder etwas, was dich nervt, nicht zu tun, mach klar, dass Du es bemerkt hast und zolle den Bemühungen der Person damit Anerkennung

Aufmerksam sein und wahrnehmen

Eine Freundin hat mir ihr altes iPhone geschenkt – und ich kann nun besser verstehen, wie vernarrt alle in ihre Handys sind – aber sind diese Geräte wirklich interessanter als Dein Gegenüber, mit dem Du Dich aus freien Stücken getroffen hast? Schalt es auf lautlos und probiere mal Digital Detox im Kleinen – schenke deinem Gegenüber deine volle Aufmerksamkeit. Auch wenn dir die Person nicht nahesteht – steck dein Handy kurz weg, wenn dich die Kassiererin im Supermarkt bedient. Und wenn du mit Aufmerksamkeit durch die Straßen gehst, bemerkst du vielleicht auch immer wieder, dass jemand dich total glücklich angrinst. Lächle zurück, respektiere dieses Bollwerk gegen die Mieselsucht!

Zuhören und nicht Schubladisieren

Oft legen wir uns schon während die andere Person noch spricht unsere Gegenargumente zurecht. Hören tun wir dann eigentlich nur, was wir uns erwarten zu hören. Oder wir glauben, schon genau zu wissen, aus welcher Ecke unsere GesprächspartnerIn kommt und stempeln sie umgehend ab. In letzter Zeit war in meinem Umfeld das Schachmatt zwischen Raucher- und Nicht-RaucherInnen wieder präsenter als sonst. Eine Nichtraucherin-Freundin klagte davon, dass sie vollkommen fertig aus einem stundenlangen Meeting ging, bei dem 14 intelligente, gebildete, reflektiere Menschen alle darauf bestanden zu rauchen und auch den Vorschlag regelmäßiger Pausen einstimmig ablehnten. Ich habe vor Jahren einen Kampf für ein rauchfreies Büro und Rauchpausen für Team-Meetings durchgefochten, auch mein Team bestand aus emanzipierten, gebildeten, intelligenten und politisch bewussten Menschen. Sehr schnell bekam ich den Stempel einer militanten Nicht-Raucherin aufgedrückt und oft war es schwierig, auf der sachlichen Ebene zu bleiben. Kürzlich hörte ich dann auch wieder das beliebte Argument, dass all diese Rauchverbote doch total genussfeindlich seien und ja wohl nicht alles reglementiert werden müsse und überhaupt, all diese Einschränkungen der persönlichen Freiheit…… Ich bin ganz sicher nicht genussfeindlich – ich bekomme ganz einfach Kopfschmerzen vom Rauch und fühle mich sogar am nächsten Tag noch schlecht. Und es geht hier nicht um Rauchen in geschlossenen Räumen per se – wenn die Lüftung großartig funktioniert und nicht alle Kettenrauchen ist die Luft nicht verraucht und alles ist bestens. Wenn ich im Freiluftkino von RaucherInnen eingenebelt werde, nützt mir die an sich „freie“ Luft nicht viel. Es geht also wieder einmal um die Realität, nicht um eine Regel.

Zuvorkommend sein und Leuten entgegenkommen

Du hast einen Sitzplatz und eine Schwangere, eine gebrechliche alte Frau, ein Vater mit seinem Kind auf dem Arm steigt ein – steh auf und biete deinen Sitzplatz an – sie brauchen ihn vermutlich nötiger als du – und um den Platz bitten tut heutzutage fast niemand mehr. In einer U-Bahn ins Wageninnere vorgehen, oder die Leute zuerst aussteigen lassen führt nicht nur zu einer friedlicheren, sondern auch einer schnelleren Fahrt. Ein Mann kommt voll bepackt auf die Türe zu, durch die du gerade gehst – halt sie ihm auf. Auch wenn er der Mann ist und du die Frau, und nach irgendwelchen archaischen Regeln er aufhalten sollte – in der Realität ist es eben jetzt gerade umgekehrt.

Sich entschuldigen und Fehler eingestehen

In New York war es üblich, dass manche Leute in der U-Bahn prophylaktisch „Excuse me“ sagten, um dir umgehend ihren Ellbogen in die Seite zu rammen oder dir auf die Zehen zu steigen. Ich bin eher dafür, dass man sich entschuldigt, nachdem man versehentlich jemanden anrempelt – oder wenn man einen Fehler gemacht hat. Es ist sehr viel einfacher, jemandem zu verzeihen, wenn er/sie ihren Fehler zugibt und man merkt, dass es der Person wirklich leid tut.

Wie du siehst, es gibt unzählige Möglichkeiten, Respekt, Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu üben und zu verbreiten. Und je mehr wir es üben, desto mehr sind wir auch in der Realität und damit in der Lage, Dinge zu verändern. Und vielleicht wird unsere jeweilige Stadt dann auch friedlicher und freundlicher.

Wie geht es dir mit Respekt? Dir selbst und anderen gegenüber? Was hältst du davon, einmal eine Woche lang wirklich darauf zu achten, einen respektvollen Umgang mit dir und anderen zu pflegen? Ich freue mich über deine Erfahrungen damit zu lesen! Und wenn du Respekt für deinen Körper üben möchtest – komm am 27. Februar zum Saturdays@Noon Workshop!

7 Tipps um Deine guten Vorsätze Realität werden zu lassen

7 Tipps um Deine guten Vorsätze Realität werden zu lassen

Foto: Sarah2/shutterstock.com

Nichts hindert uns, jeden Tag und jede Begegnung, jede Unterrichtsstunde und Präsentation, jede Probe und jeden Bühnenauftritt, jedes Mal wenn wir unser Instrument in die Hand nehmen oder unseren Körper für ein Training aufwärmen, – selbst jeden Atemzug – als Neubeginn zu betrachten. Einen Neubeginn, in dem wir von neuem wählen, was wir tun wollen und was nicht.

Es ist jedoch eine sehr alte Tradition für einen Neubeginn ein spezifisches Datum festzulegen: meist hatte es mit Aussäen und Anbauen zu tun – mit der Tag und Nachtgleiche zu Frühlingsbeginn (Akitu der BabylonierInnen und Nowruz der alten PerserInnen), oder mit anderen regelmäßig auftretenden Naturereignissen (Wepet Renpet der ÄgypterInnen zur Zeit der Nil-Überflutungen Mitte Juli). Einer politischen Entscheidung der alten RömerInnen verdanken wir die Festlegung des ultimativen Neubeginns auf den 1. Jänner. An welcher Entscheidung in Zeiten wie diesen, in denen durch globale Erwärmung nur mehr wenig Verlass auf die Klimabedingungen zu bestimmten Jahreszeiten ist, es sich sicher lohnt festzuhalten.

Der Jahreswechsel wird also gerne als Neubeginn festgelegt: ob es ums Abnehmen geht, darum, mehr Sport zu machen, weniger Süßigkeiten oder weniger Fleisch zu essen, die Buchhaltung nicht wieder am letzten Abdruck zu machen, oder endlich das Kellerabteil auszumisten – laut Statistik fassen ca. 40% der Menschen in der westlichen Welt gute Vorsätze – aber nur ca. 13% verwirklichen sie; und statt 5 kg abgenommen zu haben, hat man plötzlich 3 kg mehr auf den Hüften, statt regelmäßig Ausdauersport gemacht zu haben war man öfter in der Konditorei, und das Kellerabteil ist mittlerweile so voll, das man es nicht mehr betreten kann.

Damit es 2016 nicht nur bei Vorsätzen bleibt, sondern du am Ende des Jahres auf konkrete Resultate zurückblicken kannst die Dich Deinen Zielen und der Verwirklichung Deiner Vision näher bringen, hier ein paar Tipps. Am 30. 1. 2016, 11:30h gibt es dann auch einen Workshop mit vielen praktischen Übungen zum Thema Planen und in die Gänge kommen.

7 Tipps damit es nicht nur bei den guten Vorsätzen bleibt

1. Fragen stellen

Manchmal fassen wir Vorsätze, die schon in ihrem Ansatz halbherzig sind – weil uns der Vorsatz nicht wirklich am Herzen liegt, sondern nur eine Entscheidung von unserem Verstand war, etwas, was wir glauben, machen zu sollen – aber weder brennen wir dafür, noch ist der Leidensdruck uns dazu zu bewegen wirklich groß. D.h. wenn Dein Kellerabteil überquillt, es aber trocken, gut isoliert und ohne Nagetiere die perfekte Ablage für Dinge ist, die Du jetzt gerade nicht brauchst – dann hat es in dem Wust an Dingen auf Deiner To-Do-Liste vielleicht einfach keine Priorität.

Um herauszufinden, was wirklich ein guter Vorsatz ist, hinter dem du voll und ganz stehen möchtest, können die folgenden Fragen helfen:

  • Was lief im letzten Jahr nicht so gut?
  • Was habe ich im letzten Jahr nicht gut gemacht?
  • Was lief im letzten Jahr wirklich gut?
  • Was habe ich im letzten Jahr wirklich gut gemacht?
  • Wann habe ich mich im letzten Jahr so richtig wohl und glücklich gefühlt?

2. Vorsätze versus Ziele

Das Problem mit Vorsätzen ist oft, dass wir sie viel zu vage formulieren und sie damit im Stadium der unverbindlichen Wünsche bleiben. „Ich möchte abnehmen und fit sein“ klingt gut – ist aber viele zu wenig konkret. Wie viele Kilos möchtest Du abnehmen und wie viel möchtest Du im Endeffekt wiegen? Bis wann möchtest Du dein Zeil erreicht haben? Was heißt fit für Dich – dass Du Deine Handflächen mit gestreckten Beine auf den Boden bringst, ein Six-Pack hast, ohne Schnaufen in den 4. Stock hinaufkommst, oder den nächsten Triathlon gewinnst?

3. Das richtige Maß: Think Big – and Be Real

Ich bin eine leidenschaftliche Verfechterin des Ansatzes, groß zu denken und sich nicht von der Vergangenheit oder negativen Unken-Stimmen einschränken zu lassen. Aber! Es macht durchaus Sinn, Dich der Realität zu stellen und Deine Ziele dementsprechend anzupassen. Du hast 4 Kinder, eine Mutter, die ein Pflegefall ist, einen full-time job und bist dabei, Deinen zweiten Studienabschluss zu machen? Du möchtest 2016 endlich ein Buch schreiben? Großartig. Aber vielleicht ist es realistischer, bis Ende 2016 die ersten 5 Kapitel fertig zu haben? Du träumst davon, wie Aretha Franklin auf der Bühne zu stehen und mit Rosen überhäuft zu werden? Dein Musikunterricht bisher war eher lückenhaft und du bist bei jedem Karaokeabend nach einem Lied heiser? Kein Problem! Such Dir eine gute GesangslehrerIn und beginne mit der Arbeit. (Und finde für die Rosen einstweilen einen Galan 😎 ). Um die Realität als solche wahrnehmen zu können (statt ins La-La-Land der Träume abzudriften) hilft es auch sehr, wenn Du atmest und Deinen Körper spürst – weil der ist auf jeden Fall real.

4. Schritt für Schritt

Auch realistische Ziele können so groß sein, dass sie Deine Ohren zum Schlackern bringen. Unterteile sie in Unterziele, und nähere Dich Schritt für Schritt Deinem ultimativen Ziel an. Das Festlegen von Unterzielen unterstützt Dich zusätzlich dabei, Dir genau zu überlegen, was für Schritte notwendig sind, um dorthin zu kommen, wo Du sein willst. Trage Dir in regelmäßigen Abständen Termine mit Dir selbst ein, in denen Du überprüfst, was bisher geklappt hat, wo du stehst, und ob die geplanten Schritte anzupassen sind. Und denk daran – das wichtigste ist, zu atmen und einen Schritt zu machen. Und dann den nächsten. Und den nächsten.

5. Nagel Dich selber fest

Schreib Deine Ziele auf. Am besten jeden Tag wieder. Bastle eine Kollage in dem Du und Dein erreichtes Ziel zu sehen sind. Platziere die Kollage so, dass Du sie jeden Tag siehst. Erzähl FreundInnen von Deinem Ziel, bis wann du es erreichen willst und welche Schritte du geplant hast. Oder mach es überhaupt gleich sehr öffentlich – in Zeiten von Facebook ist das nicht weiter schwierig. All das hilft, Dich bei der Stange zu halten. Wenn Du Deiner Steuerberaterin heroisch verkündet hast, dass sie diesmal die Buchhaltung pünktlich Ende März erhalten wird, ist es so viel peinlicher, wenn im Juni immer noch alle Rechnungen in einer Schachtel liegen, dass Du Dich vielleicht doch im April hinsetzt – tief atmest – und die Sache erledigst. 😉

6. Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin

Auch die beste Planung schützt Dich nicht davor, dass manche Dinge einfach nicht funktionieren werden. Statt aufzugeben und die Flinte ins Korn zu werfen heißt es dann, eine neue Lösung zu suchen, einen neuen Weg auszuprobieren. Und es kann sein, dass Dir noch immer nicht die passendste Lösung eingefallen ist und wieder etwas schief läuft. Das heißt, Deine Ausdauer ist gefragt, und dass Du Deinen Willen hältst Dein Ziel zu erreichen.

Ein gutes Netzwerk kann Dir dabei helfen: Leute, die bereits ein ähnliches Ziel erreicht haben, Leute, die mit Dir neue Lösungen suchen, oder Dich ganz einfach darin unterstützten weiterzumachen. Und natürlich wie schon so oft – Atmen (es heißt nicht umsonst – einen langen Atem haben) und Standfestigkeit.

7. Belohnungssystem

Sorge dafür, dass Du Dich für die Erreichung Deiner Ziele und für erreichte Meilensteine auf dem Weg dorthin gebührend belohnst. Du hast beim letzten Klassenabend mit „A Natural Woman“ das Publikum begeistert? Lade Dich und Deine/n Liebsten in die Sky-Bar ein und genieße den Blick über die Dächer von Wien. Die ersten beiden Kapitel Deines Buches sind vom Verlag angenommen worden? Geh mit Deiner Familie fein essen oder gönn Dir einen Tag in einer Therme. Und wenn Du Deine Pläne öffentlich gemacht hast, mach auch Deine Erfolge öffentlich – die Anerkennung die Du Dir selbst zollst und Dir von anderen entgegengebracht wird, kann Dich auf Deinen nächsten Schritten weitertragen.

Wie Du siehst, auch im Vorsätze fassen hilft wieder einmal Wählen, Atmen und Körper spüren, Standfestigkeit, Ausdauer und ein klarer Wille.

Falls Du schon Vorsätze und Ziele ins Auge gefasst hast, kannst Du diese gerne in einem Kommentar öffentlich machen, um Deine Ausdauer zu unterstützen. Falls Dich die Tipps zu Vorsätzen inspiriert haben, freue ich mich ebenfalls über einen Kommentar darüber! Welcher Tipp gefällt Dir am besten? Welchen findest Du am schwierigsten umzusetzen?

Falls Du Deine Standfestigkeit und Deinen Willen stärken, mehr Körper sein und tiefer Atmen lernen möchtest – kontaktiere mich unter 06991 541 4053 oder komm zum Workshop am 30.1.2016, 11:00 – 13:00 Uhr (Anmeldung). Ich freue mich, von Dir zu hören.

Die Kunst, großzügig zu sein

Die Kunst, großzügig zu sein

Foto: Cora K. Hiebinger

Gerade vor den Feiertagen verbinden wir Großzügigkeit meistens mit Geschenken und materiellen Zuwendungen. Großzügigkeit muss jedoch nicht unbedingt etwas kosten. Wenngleich es laut Studien glücklicher macht, Geld für andere auszugeben als für sich selbst (siehe z.B. TED- TALK von Michael Norton) – liegt der Genuss des Schenkens ja eigentlich in dem Akt der Aufmerksamkeit für die andere Person – sich wirklich zu überlegen, was dem Gegenüber Freude machen würde – und dann vielleicht zu bemerken, dass es nicht so sehr ein materielles Gut ist dass sich der/die Beschenkte wünscht, sondern ein gemeinsamer Ausflug, ein Theaterbesuch, eine Einladung ins Konzert. Wie schon so oft, ist also wieder einmal unsere Aufmerksamkeit gefragt, um wirklich großzügig sein zu können; nicht nur, um das passende Geschenk für jemanden zu finden, sondern auch, um nicht von weniger oder gar nicht großzügigen Menschen ausgenutzt zu werden. Auf jeden Fall lohnt es, sich die Vorteile von Großzügigkeit vor Augen zu halten: großzügige Menschen sind glücklicher, gesünder, und zufriedener; Paare, die sich als großzügig bezeichnen sagten 5x so häufig, dass ihre Beziehung „sehr glücklich“ sei, als andere. Im Folgenden findest Du also 10 Tipps, deine Großzügigkeit zu üben.

10 Tipps, Großzügigkeit zu üben.

  1. Umgib dich mit großzügigen Menschen: es ist viel einfacher, etwas von sich zu geben, wenn das geben in deinem Umfeld selbstverständlich ist. Das Schöne daran: wenn alle geben, können Dinge entstehen, die größer als ihre Teile sind. Falls du keine großzügigen Menschen kennst – probiere trotzdem Großzügigkeit aus – manchmal wirkt das wie Diffusion – und die geht ja in beide Richtungen. Eine Möglichkeit, die Welt zum Positiven zu verändern.
  2. Dankbar sein für das, was du hast: wenn du deine Aufmerksamkeit darauf richtest, was du schon bekommen hast und an Bereicherung, Lehrreichem und Positivem erfahren hast, ist es einfacher, diese positiven Erfahrungen an andere weiterzugeben. Eine Lehrerin hat sich deiner angenommen, als du nicht weiterwusstest? Ein Kollege hat dir wertvolle Tipps gegeben, wie du den nächsten Schritt auf der Karriereleiter erklimmen kannst? Die konstruktive Kritik einer Freundin hat dich vor einem großen Fehler bewahrt? Dir fallen sicher verschieden Situationen ein, in denen Dir Menschen weitergeholfen haben. Und natürlich kannst du auch für die Basics dankbar sein – du hast offensichtlich einen Computer, ein Dach über dem Kopf, ein Bett – und du kannst lesen. Nicht selbstverständlich für alle.
  3. Halte dir die Vorteile der Großzügigkeit vor Augen: wie schon oben erwähnt: großzügige Menschen sind glücklicher, gesünder, und zufriedener und haben erfüllendere Beziehungen.
  4. Fang klein an.:
    • Gerade zu Jahresende flattern unzählige Aufrufe ins Haus für die verschiedensten NROs und Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. Die meisten schlagen einen Betrag vor, nichts hindert dich jedoch daran, den Betrag zu halbieren oder zu vierteln.
    • Verteile um: Holst du dir regelmäßig einen Kaffee in der Mittagspause? Wähle einen Tag aus, an dem du auf deinen Kaffee verzichtest und spende das Geld stattdessen einer guten Sache deiner Wahl.
  5. Sei großzügig mit deiner Zeit (kombiniert mit Aufmerksamkeit  😉 ):
    • Such Dir ein Projekt, für das Du Leidenschaft empfindest und unterstütze es.
    • Du weißt, dass dein*e Partner*In bügeln hasst? Deine Abneigung dagegen ist nicht ganz so groß? Bügle ein Hemd, eine Bluse für sie/ihn. Einfach so.
    • Deine Großmutter ist schon ein bisschen anstrengend, sie freut sich aber unbändig über Besuch? Schau bei ihr vorbei.
    • Dein alter Nachbar liebt es, über sein Hobbyprojekt, die Orchideenzucht zu erzählen. Du hast es nicht so mit Pflanzen? Bleib mal wieder stehen im Stiegenhaus und horch ihm zu.
    • Deine Nichte spielt leidenschaftlich gerne Mensch ärgere dich nicht – du findest es sterbenslangweilig? Schenke ihr drei Spieldurchgänge.
  6. Sei großzügig mit deiner Aufmerksamkeit – und du schägst 2 Fliegen mit einer Klappe:
    • Du bemerkst, dass deine Lieblings-Verkäuferin beim Bäcker eine neue Frisur hat, die ihr gut steht? Mach ihr ein Kompliment!
    • Ein Meeting in der Arbeit ist wirklich gut organisiert und vorbereitet? Teile es den Verantwortlichen mit!
    • Dein*e Partner*In ist auf dem Weg zu einem wichtigen Meeting und schaut einfach richtig gut und professionell aus – flüstere es ihr/ihm ins Ohr.
  7. Sei großzügig im Netzwerken und Mundpropaganda:
    • Du lernst bei einem Vortrag jemanden kennen, die eine Stelle in ihrer Firma neu besetzen möchte und die Jobbeschreibung passt genau auf die Interessen und Qualitäten einer Bekannten die seit Monaten Arbeit sucht? Bring die beiden zusammen.
    • Du bist begeistert von einem Produkt eines neuen Start-Ups oder eines Ein-Personen-Unternehmens? Erzähl anderen von deinen positiven Erfahrungen.
  8. Sei großzügig in der Weitergabe deines Wissens/von Informationen:
    • Du hast Informationen, die auch einer Kolleg*In weiterhelfen würden? Gib ihr Bescheid.
    • Du bist Expert*In in einem Fachgebiet und unterrichtest? Teile dein Wissen und deine Erfahrungen, ohne Geheimnisse zurückzuhalten.
    • Dir fällt ein Fehler im System auf, von dem du vermutest, dass er den Erfolg einer Organisation behindert? Gib den Zuständigen Feed-back.
  9. Übe Nachsichtigkeit/Toleranz/Großherzigkeit:
    • Du bist Radfahrer*In und ein Autofahrer gibt dir den Vorrang, der dir laut StVO zusteht? Bedanke dich trotzdem!
    • Du hast deinen Kindern schon hundertmal gesagt, sie sollen ihre Schuhe ordentlich zur Türe stellen und merkst, dass sie sich zwar bemühen aber in 3 von 10 Gelegenheiten vergessen? Sei nachsichtig und fokussiere dich auf die 7 mal wo es klappt.
    • Eine freundliche, aber offensichtlich sehr gestresste Kellnerin bringt dir das falsche Getränk. Du weißt dass du etwas anderes bestellt hast, kannst aber mit dem Vorhandenen auch gut leben. Lass 5 gerade sein und bestehe nicht auf deinem Recht (und gib ihr trotzdem ein Trinkgeld).
  10. Großzügigkeits-Matrix – 6-Wochen Challenge: Diese Matrix habe ich von Nisandeh Neta’s ProFit Marketing-Kurs übernommen (www.opencirclesacademy.nl), in der er sie in einem völlig anderen Kontext vorgestellt hat. In der linken Spalte liste mögliche, großzügige Handlungen auf, oben verschieden Personen oder Szenarios, in denen du diese Handlungen setzen könntest und mache ein x in den Schnittstellen. Dann wähle die relevantesten Möglichkeiten aus und wähle 2 – 3 Schnittstellen, die du für die nächsten 6 Wochen üben möchtest (z.B.: links: Zeit – Spiel spielen. Oben: Nichte; Katze; Hund. oder Aufmerksamkeit – Komplimente – oben: Lieblingsverkäuferin; Fremde; Partner*In; oder Geld: jede 5. Zigarette – Ute Bock Verein; Ärzte ohne Grenzen; Greenpeace; Global 2000 und du wählst: Zeit:Nichte und Aufmerksamkeit: Partner*In und Geld: Ute Bock Verein). Gerne schicke ich dir ein Pdf mit der Matrix.

Ich würde mich freuen, von Dir zu hören, wie es dir mit der Großzügigkeit geht. Hast du noch andere Tipps, um sie zu erhöhen, zu üben? Wie funktioniert die Matrix für dich? Bemerkst du eine Veränderung in deinem Umfeld und darin, wie zufrieden und wohl du dich fühlst, seit du begonnen hast, deine Großzügigkeit bewusst zu vermehren? Schreib mir einen Kommentar! Und falls Du noch ein nachhaltiges Geschenk suchst – weise jemanden auf meine Weihnachtsaktion hin – oder schenke sie her!

 

 

Die Macht des Nein

Die Macht des Nein

Foto: Matthias G. Ziegler/shutterstock.com

Nein hat eine große Macht. Schon Zweijährige, die ihre Unabhängigkeit und ihre Grenzen zu entdecken beginnen wissen das und antworten häufig grundsätzlich einmal mit Nein, egal was sie gefragt werden. In YouTube Videos wirkt das Ganze entzückend und amüsant, für Eltern die laut einer Studie in dieser Phase 25 – 30 mal in der Stunde mit ihrem Kind argumentieren müssen ist es eine anstrengende Herausforderung.

Als Tante von drei sehr willensstarken Nichten habe ich die Vehemenz und Klarheit ihres Neins stets sehr bewundert: nein, dieser halbe Löffel Jogurella ist nicht mehr erwünscht – oder, nein, diese Strumpfhose ziehe ich heute ganz sicher nicht an.

Dieses ständige Sich-Behaupten und Grenzen-Austesten zeugt von einer gesunden Entwicklung und stärkt das Selbstbewusstsein. Warum fällt uns dann aber als Erwachsene das Nein oft so unsagbar schwer?

Nein ist eine Barriere zwischen uns und dem Einfluss anderer und wird oft als Ablehnung empfunden. Dazu kommt, dass wir gerne „Person und Sache“ vermischen – d.h. wir fühlen uns persönlich abgelehnt, obwohl in der Realität jemand nur Nein zu einem Theaterbesuch am Freitagabend gesagt hat. Außerdem reagiert unser Hirn stärker auf negative als auf positive Aussagen (Negativitäts-Bias): Du hast vielleicht auch schon einmal intensiver und länger anhaltend auf Tadel oder Kritik reagiert, als auf Lob oder ein nettes Kompliment. Evolutionär macht das Sinn, damit wir schnell und effizient auf schlechte Nachrichten (= Gefahr) reagieren.

Nein ist eine selbstbejahende Aussage, mit der Du eine klare Wahl triffst – dabei ist die Grenze zwischen egoistisch und selbstbestimmt denkbar fein:

  • Natürlich wollen wir nett, freundlich, großzügig, und hilfsbereit sein und als solches wahrgenommen werden: Sagen wir also Nein zu
    • einer neuen Kollegin, die zum dritten Mal diese Woche unsere Unterstützung braucht – selbst wenn wir eine dringende Deadline zu erfüllen haben?
    • einer Freundin, die spontan Hilfe beim Umzug braucht – obwohl wir uns schon seit Wochen auf einen freien Tag ohne Termine freuen?
  • Gerade bei uns nahestehenden Menschen ist es manchmal schwer, Nein zu sagen – wir wollen ja niemandem weh tun. Sagen wir also Nein zu
    • unserer 80-jährigen (Groß)Mutter, die gerne mit uns Weihnachten feiern möchte, – auch wenn uns der Sinn nach einer unkonventionellen Lichter-Party am Strand steht?
    • unserem Liebsten, der sich unbedingt den neuesten Animationsfilm mit uns anschauen möchte – wenn das wirklich das letzte ist, was womit wir unsere spärliche Freizeit verbringen möchten?

Manche Gelegenheiten und Angebote sind einmalig – unser Nein kann dazu führen, dass wir eine wertvolle Chance verpassen.

Nein wird oft mit Negativität verwechselt oder als unhöflich empfunden; sozialer Druck und Erwartungen machen es schwierig, Nein zu sagen:

  • speziell Autoritätsfiguren sind oft nicht gewohnt Nein zu hören und erwarten grundsätzlich Zustimmung
  • ein Nein zuviel kann dazu führen, dass wir einen Kontakt verlieren
  • von bestimmten sozialen Gruppen wird oft erwartet, dass sie jederzeit bereit sind, sich um Anliegen von anderen zu kümmern
    • Frauen sollen pflegen
    • Großeltern sollen babysitten
  • solange man kein Fieber hat, ist man gesund und einsatzfähig.

Besonders in Gruppen macht es die Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung schwierig, ein Nein zu vertreten, wenn man als Einzige*r gegen eine Entscheidung oder Idee ist. Dieser Sog des Gruppendenkens hat schon zu schwerwiegenden und weitreichenden Fehlentscheidungen geführt.

Ja zu sagen, wenn wir eigentlich Nein meinen hat auf jeden Fall Konsequenzen:

  • Wir tun Dinge, die wir nicht wollen. Punkt.
  • Wir reagieren möglicherweise verärgert und vorwurfsvoll (weil wir ja etwas tun, was wir nicht wollen) – was unseren Beziehungen schaden kann
  • Wir verwenden unsere Zeit für Dingen, die wir nicht wollen, die derzeit keine Priorität haben, oder die uns davon abhalten, unsere Ziele zu erreichen und:
    • haben weniger Zeit für Dinge die für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden wichtig sind (Sport, Spazierengehen, Ausruhen)
    • unsere Stresslevel steigt (wir schlafen schlechter, haben mehr schädliche Stresshormone in unserem System, Blutdruck und Herzfrequenz steigen – wir betreiben Raubbau an unserem Körper)
    • wir erreichen unser Ziel nicht wie geplant und sind unzufrieden, unglücklich, frustriert.
  • Andere sehen uns möglicherweise als schwach und ohne eigene Meinung und zollen uns dementsprechend keinen Respekt. Möglicherweise werden wir gerne ausgenutzt.
  • Wir halten unsere Gruppe nicht davon ab, eine schlechte Entscheidung zu treffen – und müssen dann mit den Konsequenzen dieser Entscheidung leben.

10 Strategien, die Nein sagen einfacher machen:

  1. Nein sagen (oder ein Nein hören) ist erwiesenermaßen mit einer Erhöhung des Stresslevels verbunden. Sei Dir darüber klar und stimme zu, dass diese physiologische Reaktion in Deinem Körper ablaufen darf, Du aber trotzdem entspannt bleibst und atmest.
  2. Nimm Dir Zeit. Vor allem wenn du die Tendenz hast, Dingen schnell und automatisch zuzustimmen gibt dir ein kleiner Aufschub deiner Antwort die Möglichkeit, dir über deine Prioritäten klar zu werden.
  3. Sei dir klar über das Warum deines Neins. Z.B. ich habe mir vorgenommen, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen – d.h. ich kann dieses Projekt nicht mit gutem Gewissen annehmen.
  4. Hör auf, dich zu rechtfertigen. Wenn du z.B. spezifische andere Verpflichtungen zu einem bestimmten Zeitpunk als Grund angibst, nicht schon wieder ohne Gegenleistung für einen Hilfsdienst einspringen zu können kann es sein, dass dir die Fragende anbietet, den Termin zu verschieben, oder eine Diskussion beginnt, ob deine Verpflichtung wirklich so wichtig ist; oder sie versucht dich sonst irgendwie zu überzeugen, das zu tun, was sie möchte. Ein kurzes, klares, freundliches Nein wirkt in so einem Fall oft Wunder.
  5. Erinnere Dich daran, dass Du wählen kannst und niemand (mehr) über Dich bestimmen kann. Oft glauben wir, wir hätten kein Recht Nein zu sagen – aber selbst in einem Angestellten-Verhältnis gibt es die Möglichkeit, Dinge abzulehnen. Du benötigst dafür Klarheit, Standfestigkeit und allenfalls eine gute Argumentation. Und Du kannst auch wählen, etwas für jemanden zu tun, obwohl du eigentlich nicht willst – einfach weil du diese Person wirklich, wirklich magst. Und dann tu es mit ganzem Herzen.
  6. Gelegenheiten mögen einmalig sein – aber vielleicht nicht wirklich die große Chance für dich persönlich. Sei aufmerksam und spüre genau hin, ob Dich etwas wirklich weiterbringt und deinen Prioritäten entspricht oder ob du die Tendenz hast, überall mitmischen zu müssen und einfach nur automatisch Angst hast, etwas zu verpassen.
  7. Du willst vielleicht nicht immer die kritische Stimme in einer Gruppe sein und als Einzige*r deinen Mund aufmachen. Um gravierende Fehlentscheidungen zu vermeiden, kannst du die Etablierung eines Anti-Groupthink-Systems anregen:
    • in jeder Diskussion sollte es Möglichkeiten für kreativen Konflikt geben
    • Eine Person sollte immer den Part der kritische Stimme übernehmen(der schwarze Hut der Denkhüte)
    • Die Dominaz des Alpha-Tiers der Gruppe sollte wenn möglich eingeschränkt werden
    • Die Gruppenmitglieder sollten nicht zu stolz auf die Gruppe werden (elitäres Denken führt dazu, dass sich die Gruppe für unverwundbar hält und gar nicht in Betracht zieht, Fehlentscheidungen zu treffen)
    • Die Vor- und Nachteile aller Vorschläge sollten untersucht werden
    • probiert verschiedene kreative Methoden aus, um Probleme ganzheitlich zu betrachten.
  8. Sei offen für Kompromisse; oft ist es einfach, jemandem entgegenzukommen und plötzlich bekommen alle das, was sie möchten.
  9. Sieh die Realität und trenne Person und Sache. Eine Idee kann großartig sein, sie bringt es einfach für dich nicht, oder es ist nicht das, was du möchtest. „Ich denke, das ist eine gute Idee, aber leider nicht mein Ding.“ Macht deine Absage leichter verkraftbar. Vielleicht fällt dir sogar noch jemand ein, den die Idee wirklich interessieren könnte und du bietest an, den Kontakt herzustellen.
  10. Wenn du Nein sagst, sag es mit Herz.

Und dann bleibt nur mehr: üben, üben, üben. Nein sagen ist oft nicht einfach. Es benötigt Aufmerksamkeit, Klarheit darüber, was du willst, was deine Prioritäten, deine Werte sind und Mut. Und es braucht Selbst-Disziplin, uns immer wieder daran zu erinnern, dass wir ein Abkommen mit uns getroffen haben (z.B. – jede Woche dreimal ins Fitness-Studio zu gehen, uns mehr Zeit für Familie und Freund*Innen zu nehmen, etc.). Wenn wir atmen, uns immer wieder entspannen, zustimmen, zu spüren was ist (z.B. das uns die Situation, der soziale Druck, die Chefin – gerade stresst, dass wir Angst vor einem drohenden Konflikt haben, etc.) und uns immer wieder als lebendiger Körper wahrnehmen, können wir lernen, Nein zu sagen, wenn es für unser Wohlbefinden unumgänglich ist – und uns ein Stück Autonomie, Unabhängigkeit, Integrität, Energie und Selbstbewusstsein zurückholen.

Beginn gleich jetzt mit dem Üben! Nach dem Motto – Vorbereitet sein ist alles – schreib eine Liste von Dingen, Ideen, Aktivitäten, Personen oder Routinen, zu denen du (schon immer gerne) nein sagen möchtest.

Wenn Dir nicht gleich etwas einfällt, denk an Situationen wo du Ja gesagt hast und es bereut hast. Denk an die Dinge die deine Zeit oder Energie rauben, denk an die Dinge/Personen die dir gut tun, und denen du zu wenig Raum einräumst. Die Liste soll Dir deine Prioritäten und Werte in Erinnerung zu rufen.

Sei präzise. Nach jedem Nein kannst du dir auch ein Warum überlegen. Das Warum kann dir den Mut und die Inspiration dazu geben, nächstes Mal wirklich Nein zu sagen.

z.B. Nein sagen zu

  • Anfragen/Bitten, die körperliches Unbehagen auslösen
  • Anfragen/Bitten, die nicht danach klingen, Spaß zu machen
  • Anfragen/Bitten, die dich ganz sicher grantig machen
  • Essen, dass du nicht verträgst
  • Kleidungsstücke, in denen du dich nicht wohl fühlst.
  • Zeit verbringen mit Menschen, die dich auslaugen. Wenn das unvermeidbar ist, kannst du vielleicht zumindest die Zeit mit ihnen minimieren.
  • Zappen
  • Serien-Binging
  • Zu spät ins Bett gehen
  • Ohne Pausen durcharbeiten…..

Du kannst dann die Neins auf deiner Liste laut und deutlich deklarieren. Ein öffentliches Bekenntnis zu einem Vorhaben unterstützt die Selbst-Disziplin ganz ungemein – wenn Du also Unterstützung willst, schreib in einem Kommentar, wozu in den nächsten 3 Wochen Nein sagen wirst. Ich bin neugierig!

 

 

Zeit für Entspannung? Wählen geht immer.

Zeit für Entspannung? Wählen geht immer.

Foto: Sakuoka/Shutterstock.com

Als ich beim Passion-Project-Workshop im September die Frage in den Raum stellte, was das denn eigentlich sei – entspannt sein – kamen die verschiedensten Definitionen: Wohlspannung im Körper spüren, mit einem Buch auf der Couch liegen, keine fixen Termine haben, alle Dinge der To-Do-Liste abgearbeitet haben, u.ä.

Auf diversen Wissensseiten im Internet wird Entspannung als körperlich und geistig spürbarer und messbarer Zustand definiert, der frei von Anspannung und Angst ist und einem Zustand des Gelöstseins entspricht. In einem entspannten Körper sende das Gehirn weniger Impulse an die Muskeln, eine Gefäßerweiterung sorge für bessere Durchblutung, der Atemrhythmus verlangsame sich, und man fühle sich locker, ruhig und gelassen. Oft probiert, selten erreicht?

Zahlreiche Ratgeber geben verschiedenste Entspannungstipps und –tricks. Die meisten sind relativ simpel – z.B.

  • gewisse Nahrungsmittel zu sich nehmen (grünen Tee, dunkle Schokolade, Honig) oder zumindest riechen (Kaffee, Zitrusfrüchte), da sie Substanzen enthalten die unser System entspannen können
  • genügend Schlaf und Erholung
  • hinaus in die Natur
  • Atmen
  • Füße massieren
  • Bewegung machen (egal ob Yoga, Spazierengehen oder Joggen)
  • soziale Kontakte pflegen
  • meditieren, autogenes Training
  • Aufmerksamkeit bzw. Achtsamkeit praktizieren
  • Lachen
  • Jemanden etwas Gutes tun, etc.

Interessant ist, dass sich in dieser Liste einiges wiederfindet, das von der Glücksforschung als Glück induzierende Gewohnheit propagiert wird (Greater Good Science Center, Universtiy of California, Berkeley).

An Schokolade erinnert sich so manche/r wohl gerne, möglicherweise jedoch nicht an die dunkle, eher bittere Variante; aber die Option, ein paar Mal tief durchzuatmen ist oft bereits durch akute Anspannungs-Amnesie überdeckt. Für die Umsetzung vieler anderer Ratschläge benötigt man Zeit, und das ist ja eine der Ressourcen, die immer knapper wird und deren Mangel viele überhaupt erst in den Zustand der Anspannung treibt.

Wer entscheidet aber über unsere Zeit? Wie konnte es passieren, dass wir trotz aller technischer Hilfsmittel in Haushalt, Verkehr und Büro, die uns eigentlich Arbeit abnehmen und das Leben erleichtern sollten, immer weniger Zeit dafür haben, einfach einmal entspannt auf einer Bank zu sitzen, um die Welt zu betrachten?

„In unserer schnell ablaufenden Industrie- und Leistungsgesellschaft haben wir den Fokus verschoben: Die Außenwelt mit ihren Anforderungen steht an erster Stelle. Erst danach kommen wir mit unserem Organismus und unserem Gefühl……..“ sagen Elmar Hatzelmann und Martin Held vom Institut für Zeitkompetenz.

Der Soziologe Hartmut Rosa schreibt, dass die Beschleunigung von Prozessen und Ereignissen ein Grundprinzip der modernen Gesellschaft sei. Dieser Sog der Beschleunigung ist stark, weil er alle Lebensbereiche betrifft – sei es die Geschwindigkeit, in der man heute von A nach B reisen kann, die Mastzeit von Tieren bis zur Schlachtreife, die Entwicklung neuer Produkte, die Zeit, innerhalb der eine neue Erfindung akzeptiert wird (im Falle der Schreibmaschine dauerte dies noch über 150 Jahre, vom ersten bis zum 50-millionsten Internetanschluss nur noch vier), und die Zeit, in der von uns erwartet wird, Dinge zu erledigen.

Probleme, die einen mehrjährigen zeitlichen Rahmen erfordern, können in solcher Hektik nur schlecht bewältigt werden und wirklich tief greifende Veränderungen sind kaum noch zu erzielen – der „rasende Stillstand“ (Paul Virilio).

„Das ursprüngliche Glücksversprechen, das Wachstum und Beschleunigung bargen, verblasst zusehends und verwandelt sich in den Fluch einer stetig wachsenden Gefährdung individueller und kollektiver Autonomie.“ sagt Rosa.

Autonomie nun ist für mich eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, entspannt sein zu können; d.h. immer wieder zu wählen, die Vorschläge der Glücks- und Entspannungsforschung anzuwenden:

  • selbstbestimmt produktiv zu sein, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, uns ständig weiter zu entwickeln, unser Bestes zu geben, großzügig zu sein mit dem was wir zu geben haben;
  • unsere Bedürfnisse zu spüren und uns ausreichend darum zu kümmern: gut essen, schlafen, ruhen, Ordnung und Klarheit, Ziele haben, die zu erreichen wir uns bemühen.
  • soziale Kontakte zu pflegen in denen alle Beteiligten frei sind, so zu sein, wie sie sind; Konflikte anzusprechen und eine Lösung zu suchen, uns immer wieder daran zu erinnern, dass man sich mag, auch wenn es manchmal kriselt oder kracht, saubere Beziehungen zu üben.
  • Dinge mit Humor zu nehmen, beweglich zu bleiben.
  • uns immer wieder bewusst machen, dass es uns gut geht – weil wir gesund sind, lesen und schreiben können, Arbeit haben, die uns vielleicht sogar Spaß macht, weil wir ein Dach über dem Kopf haben………

Mir ist durchaus klar, dass ich speziell in Sachen Zeiteinteilung absolut privilegiert bin – und auch nicht jede/r ist mit Gesundheit gesegnet. Und doch haben wir alle einen gewissen Rahmen, in dem wir frei entscheiden können. Wenn alle immer Überstunden machen und Arbeit mit nach Hause nehmen, um die von außen festgelegten Deadlines erfüllen zu können, wird das System der Beschleunigung mühelos weiterlaufen. Auch wenn die Serie noch so spannend ist, niemand kann dich zwingen, Dir noch eine vierte Folge anzuschauen, statt schlafen zu gehen, damit du ausgeruht aufwachst.

Wenn wir es also schaffen, diese Vorschläge/Gewohnheiten immer wieder anzuwenden stärkt jede Wahl unsere Autonomie, das Bewusstsein, dass uns niemand (mehr) vorschreiben kann, wie wir unser Leben leben.

Die drei Kontexte, die es meiner Meinung nach ermöglichen, diese „Gewohnheiten“ in unserem Leben zu verankern sind: Aufmerksamkeit (z.B. darauf, wann du eine Pause brauchst), Entscheidungen treffen (z.B. Nein zu etwas sagen, Prioritäten setzen,…), eine gewisse Konsequenz (z.B. die Schritte zu deinem Ziel auch wirklich umzusetzen)– und all das mit Humor und Freundlichkeit zu Dir selbst.

Das Thema des nächsten Saturday@Noon Passion Projects ist dann auch das „Nein- Sagen“: nein sagen zu einer Option, die man nicht will; nein sagen zu etwas, was man will aber was einem nicht gut tut; nein sagen zu etwas, weil man zu etwas anderem ja sagt.


 

Wenn Du schon gestresst und angespannt bist und eine kurze Erholungspause benötigst, kannst du die beiden Übungen ausprobieren, die ganz wenig Zeit kosten und die du überall machen kannst, ohne dass jemand etwas davon bemerkt.

  1. Kinn-Lade:

Sitz aufrecht. Platziere den Kopf auf der Wirbelsäule, stell dir vor, unter der Schädeldecke sei Helium und der Kopf schwebt nach oben zur Decke; das Kinn ist ca. parallel zum Boden, der Nacken ist lang und entspannt.

Stell Dir vor, dein Unterkiefer sei die Lade einer Küche der Top-Qualität (eine Lade, die sich wie durch Zauberhand öffnet und schließt wenn man nur kurz hinschaut).

Senke den Kopf ganz leicht nach unten, in dem du am Kopfansatz hinten den Nacken ein klein wenig verlängerst. Stell Dir vor, die Kinn-Lade rutscht ganz ohne Anstrengung ein klein wenig nach unten (Das ist eine Mini-Bewegung, es passiert nichts aktiv, die Muskeln und Knochen geben einfach etwas der Schwerkraft nach!). Dann hebe den Kopf wieder leicht und lass die Kinnlade sanft wieder in die Ausgangslage zurückrutschen.

  1. Beckenboden aktivieren

Sitz aufrecht, atme, die Beine sind rechtwinkelig abgebogen, die Füße stehen entspannt auf dem Boden. Bring deine Aufmerksamkeit zu deinen Sitzknochen, spür, wie du auf ihnen sitzt, wie sie senkrecht nach unten in den Boden weisen. Lass die Muskeln des Gesäßes entspannt rund um die Sitzknochen auf den Sessel fließen.

Aktiviere nun den Beckenboden (die Schicht, die zwischen den Sitzknochen aufgespannt ist) und zieh die Sitzknochen etwas zusammen.

Zieh den Beckenboden noch weiter zusammen und leicht nach oben, zuletzt zieh den Unterbauch sanft nach innen und Richtung Nabel. Atme ruhig und entspannt weiter während du das machst.

Dann lass kontinuierlich von oben nach unten langsam alles wieder los und spür wie am Ende die Sitzknochen wieder leicht auseinanderweichen und sich der Beckenboden weitet. Es geht hier v.a. um deine Aufmerksamkeit und deine Atmung. Das Training des Beckenbodens ist nur ein netter Nebeneffekt. Mach das ganze ca. 2 min lang, lass dir Zeit. Spür dann nach. Spür, ob sich vielleicht auch deine Schultern entspannt haben.


 

Wie immer freue mich von Dir zu hören. Schreib einen Kommentar – wo siehst Du Potential (abgesehen vom 11. Oktober in Wien) deine Autonomie zu stärken, deine Wahl zu treffen? Wenn du dich für den kostenfreien Mini-Workshop am 24. Oktober anmelden möchtest, kannst du das hier tun.

Die nächste Deadline kommt bestimmt

Die nächste Deadline kommt bestimmt

Foto: Gunnar Pippel/Shutterstock.com

Warum wir die Herausforderungen des Lebens annehmen sollten

Die Urlaubszeit ist zu Ende und der ganz normale Alltags-Stress beginnt wieder – mit Deadlines für Entscheidungen, Dokument-Abgaben, Prüfungen oder Projekt-Einreichungen. Abgesehen von all diesen mehr oder weniger bekannten Stress-Faktoren verdeutlicht die derzeitige Menge an Katastrophenmeldungen, dass sich unsere Welt verändert, ob wir das nun wollen oder nicht.

Gerald Hüther beschreibt in seinem Buch: „Die Biologie der Angst“, dass wir auf Situationen, die wir nicht kennen, bzw. mit denen wir keine oder noch zu wenig Erfahrung haben, mit Angst reagieren. Darauf folgt eine Stressreaktion. Kontrollierte Stressreaktionen sind dadurch charakterisiert, dass sie nur kurz anhalten, weil wir eine passende Lösung oder Strategie finden mit dem Neuen umzugehen. Sobald wir die Lösung haben, entspannt sich das System wieder; wir sind um eine Erfahrung reicher und haben unser Selbstbewusstsein, die Gewissheit, dass wir den Herausforderungen des Lebens gewachsen sind, gestärkt.

Je öfter wir etwas machen oder erleben, desto mehr Erfahrung sammeln wir damit, und desto weniger Stress bereitet uns die Situation. Gleichzeitig werden die Verschaltungen in unserem Gehirn (in denen die dazugehörigen Strategien – das was wir gelernt haben – gespeichert sind), besser gebahnt und fixiert.

Wenn ich mich an meine ersten Fahrstunden erinnere, war mir schon 2 Stunden vorher schlecht. Da ich seit meiner Fahrprüfung in New York nicht mehr mit dem Auto gefahren bin, bin ich kein gutes Beispiel, aber jede/r, der/die regelmäßig mit dem Auto fährt bekommt im Straßenverkehr nun wohl keine feuchten Hände oder zittrige Knie mehr. Wir haben auch alle aufgehört, jedes Mal in Tränen auszubrechen sobald unsere Bezugsperson aus unserem Blickfeld verschwindet – da wir erfahren haben, dass es durchaus interessant sein kann, die Welt auch einmal unbeaufsichtigt zu erkunden.

Diese Plastizität unseres Gehirns schafft die Voraussetzungen dafür, dass wir lernen können und ermöglicht uns eine Anpassungsfähigkeit die ihresgleichen sucht. Werden wir jedoch starr und unflexibel, dann kann uns gerade dieser Mechanismus des Lernens, der Bahnung fester, gut funktionierender Verschaltungen in die Bredouille bringen. Bemühen wir nämlich immer wieder dieselben Strategien, ohne zu bemerken, dass sich die Bedingungen bereits verändert haben und dass das was wir gelernt haben, uns nicht mehr weiter bringt verrennen wir uns in eine Sackgasse. Sind dann unsere Versuche, eine Lösung für eine neue Situation zu finden, erfolglos und wir haben plötzlich keine Ahnung mehr, wie wir mit der neuen Lage umgehen sollen, fühlen wir uns hilflos; wir erleben eine unkontrollierte Stressreaktion. Die ist nicht nur aufgrund ihrer längeren Dauer gesundheitsschädlich (unser System ist für kurze Flucht oder Kampf-Reaktionen geschaffen nicht jedoch für Dauerstress), sondern auch deshalb weil die involvierten Hormone unser Immunsystem unterdrücken.

Die Dinosaurier sind vermutlich ausgestorben weil sie sich nicht anpassen konnten. Sie konnten es aber ganz einfach nicht, weil ihr System nicht plastisch war. Wir hingegen haben ein lernfähiges, anpassungsfähiges, flexibles Gehirn. Wir können wählen. Wir können unsere Aufmerksamkeit schärfen darauf, was um uns herum geschieht, was sich verändert, und was diese neuen Bedingungen von uns erfordern. Wir können aufmerksam darauf sein, was passt für uns, und was nicht. Wenn wir merken, dass etwas nicht in Ordnung ist, eine Entwicklung in die falsche Richtung geht, können wir genau hinschauen und uns überlegen, wie wir mit unseren gewohnten Strategien und Routinen vielleicht dazu beitragen. Und dann können wir uns entscheiden, nicht dazu beizutragen und eine neue Richtung einzuschlagen. Gerald Hüther schreibt:

„Wir brauchen immer neue Herausforderungen und die damit einhergehenden kontrollierbaren Streßreaktionen, um uns immer besser an die vielfältigen Erfordernisse unserer Lebenswelt anpassen zu können…….. Wie sonst könnte es uns gelingen, aus den bisherigen Bahnen unseres Denkens, Fühlens und Handelns auszubrechen und nach neuen, geeigneteren Wegen zu suchen? Wir haben die Streßreaktion nicht deshalb, damit wir krank werden, sondern damit wir uns ändern können. Krank werden wir erst dann, wenn wir die Chancen, die sie uns bietet, nicht nutzen. Wenn wir die Herausforderungen, die das Leben bietet, vermeiden, ebenso, wie wenn wir immer wieder nur ganz bestimmte Herausforderungen suchen. ….. Wenn wir uns weigern, die Angst zuzulassen und unsere Ohnmacht einzugestehen ebenso, wie wenn wir unfähig sind, nach neuen Wegen zu suchen, um sie überwindbar zu machen.“

Es ist also die Angst (in Maßen), die wir so gerne vermeiden, ignorieren, nicht wahrhaben wollen, die uns hilft, umzulernen, uns zu verändern.

Hier die Top 10 positiven Aspekte der Angst:

  1. Angst schützt uns davor, unvorsichtig oder leichtsinnig zu werden; sie führt dazu, dass wir z.B. bei einem Gewitter nicht in eine See hinausschwimmen; sie führt dazu, dass wir zum Arzt gehen, wenn es nötig ist und einen Schmerz nicht einfach ignorieren.
  2. Angst lässt uns flüchten oder kämpfen – damit bringen wir uns in Sicherheit oder verteidigen unser Leben
  3. Angst steigert unsere Leistungsfähigkeit, macht uns schneller und stärker
  4. Angst sorgt dafür, dass wir uns lebendig fühlen
  5. Angst macht uns wach und sehr aufmerksam, sie erhöht die Reaktionsbereitschaft
  6. Angst führt dazu, dass Informationen intensiver und nachhaltiger verarbeitet werden
  7. Bei Angst wird das Hirn stärker durchblutet
  8. Angst sorgt dafür, dass Substanzen abgegeben werden, die wachstumsfördernd auf Nervenzellen wirken und Veränderungen ermöglichen.
  9. Wir lernen etwas Neues richtig schnell und so, dass es sitzt offenbar nur dann, wenn Stresshormone das Hirn so richtig wachrüttelt und dazu beitragen, dass die nötigen Verschaltungen gebahnt werden.
  10. Angst ermöglicht es, dass alte Verschaltungen im Hirn aufgeweicht werden können, um nicht mehr adäquate Strategien und Routinen zu entlernen.

Statt also zu tun, als wäre nichts, wenn wir eigentlich gestresst sind und/oder Angst haben, und darauf zu warten, dass Menschen, die uns lieb sind sich darüber beschweren, dass wir so kurz angebunden und gereizt sind oder uns darüber zu wundern, dass unser Süßigkeitenkonsum drastisch in die Höhe geschnellt ist können wir unsere Aufmerksamkeit schulen – darauf, wie wir selbst zu unserem Stresslevel beitragen, ob unsere üblichen Strategien noch sinnvoll sind, was in der Realität wirklich passiert. Wir können üben, Herausforderungen anzunehmen, damit Veränderungen stattfinden können, damit unser Vertrauen in uns selbst wächst, damit wir das, was wir sind und wofür wir brennen in die Welt bringen können. Wir können dabei freundlich sein zu uns selbst und zur Welt und unseren Humor pflegen.

Ich lade Dich ein zu einer Challenge. Mach eine Liste mit Dingen, die eine Herausforderung für Dich sind – das können ganz unterschiedliche Sachen sein – von „trotzdem atmen“, „U-Bahn fahren“, bis „ein Radiointerview geben“ – eben das, was Dich fordert. Dann lass uns zumindest für die nächsten 7 Tage tun, was Eleanore Roosevelt empfahl: Do one thing that scares you every day !“

Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen bei der Umsetzung!

Digital Detox zur Rettung der Welt

Digital Detox zur Rettung der Welt

Foto: ESB Professional/shutterstock.com

Fred Luks, Ökonom und Nachhaltigkeitsexperte an der WU rät: „Entspannen sie sich. Das ist wahrscheinlich das Beste, was sie zur Rettung der Welt beitragen können.“ Ein großartiges Motto speziell für die Urlaubszeit, wenngleich Abschalten und Entspannen vielen von uns immer schwerer fällt. Viele beantworten auch in ihrer Freizeit geschäftliche E-Mails und es wurde mittlerweile bereits der Begriff Nomophobie (No-Mobile-Phone-Phobia) gekürt, um die Angst nicht erreichbar zu sein zu beschreiben.  In der heutigen Beschleunigungsgesellschaft ist neben diesem Stand-by-Modus, den sich viele auferlegen und in dem ein Teil unserer Aufmerksamkeit gefangen ist, häufig selbst der Urlaub zweckorientiert durchgeplant: Besichtigung architektonischer Meisterwerke, Besteigung von Gipfeln, Besorgung von Souvenirs – all das hat absolviert und allenfalls mit dem Handy dokumentiert zu werden. So bleibt möglicherweise ein Gefühl des Gehetztseins, das Erleben der Gegenwart und die nötige Erholung bleiben auf der Strecke.

Die WHO hat in ihrem Bericht „Global Burden of Disease“ berufsbedingten Stress durch permanente Überlastung zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt. Selbst unter ÖkonomInnen wächst die Überzeugung, dass wir neue Modelle benötigen, die nicht mehr nur auf permanentes Wachstum, Leistung und ständige Erreichbarkeit ausgerichtet sind. Dabei plädieren WissenschaftlerInnen nicht für Trägheit und ständig „wia a stingads G’söchts “ abzuhängen, sondern für Muße: dafür, Zeit zu haben über die man selbst bestimmen kann, „die keinem äußeren Zweck dient“.

Die Ferienzeit, in der viele Leute die Stadt verlassen und die Hitze ihr übriges tut, bietet Gelegenheit für Langsamkeit und Müßiggang als „absichtsloses Sein“ und „unverplante Zeit“. Wenn Du Dich dann noch dem Stressfaktor der ständigen kleinen Unterbrechungen (laut einer Untersuchung werden ArbeitnehmerInnen durchschnittlich alle 11 min in ihrem Tun unterbrochen) – SMS, Anrufe, FB-Chat, E-Mail, etc. – verweigerst, kann sich die Zeit endlich wieder einmal ins Unendliche ausdehnen und Du Dich dem Leben genussvoll hingeben. Wie damals als Kinder, als wir noch ganz in ein Buch oder in unser Spiel versunken sein konnten: Es gibt keine bessere Voraussetzung für Entspannung, Erholung – und dabei ganz nebenbei die Rettung der Welt.

Hier ein paar Ideen und Argumente dafür:

 

  • Seele baumeln lassen und Langeweile erlauben – vor allem wenn Du kreative Ideen oder Lösungen suchst: Wenn Du ständig beschäftigt bist, hat es die Muse natürlich schwer dich zu küssen. Studien haben gezeigt, dass das Gehirn bei geistiger Untätigkeit, sozusagen im Leerlauf, seine Betriebsamkeit in bestimmten Regionen ankurbelt. Anscheinend kümmert es sich dann um seine eigenen neuronalen Geschäfte – Nervenzellen-Netzwerke werden neu organisiert, das Gedächtnis sortiert und Gelerntes verarbeitet. Werden unserem Bewusstsein zu lange keine neuen Eindrücke und Erkenntnisse beschert versucht es den Mangel an äußerer Stimulation aus dem Inneren heraus zu kompensieren, schickt die Gedanken auf Wanderschaft und greift auf gespeichertes inneres Wissen zurück – was dann zu Geistesblitzen und genialen Ideen führen kann. Die Vorgänge, die im Leerlauf stattfinden, scheinen wie ein wöchentlicher Hausputz ein reibungsloses Funktionieren unseres Denkens zu gewährleisten und geradezu lebenswichtig für unsere geistige Gesundheit zu sein. Probier mal, was passiert, wenn du nichts planst, einfach mal sitzt und schaust, die Gedanken schweifen lässt.
  • Schlafen: Tiefschlafphasen fördern unser Fakten- und Wissensgedächtnis. Abgesehen davon hat ausreichend Schlaf bzw. ein Mittagsschläfchen viele weitere Vorteile, wie die Schlaf-Forscherin Sara Mednick in ihrem Nap Manifesto beschreibt – u.a. werden Aufmerksamkeit, motorische Koordination, Wahrnehmungsfähigkeit und Entscheidungsfreude, jugendliches Aussehen, Gedächtnisleistung und Kreativität verbessert, das Abnehmen erleichtert, die Stimmung gehoben und das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle reduziert. So ist von Johann Sebastian Bach die Erkenntnis überliefert, es sei nicht schwer, musikalische Ideen zu finden; das Problem sei, „morgens beim Aufstehen nicht auf sie zu treten.“
  • Lesen: Während das schnelle Scannen von Informationen im Netz eine Horizonterweiterung durch rasche Aufnahme vieler Fakten ermöglicht geht gründliches Lesen von Büchern in die Tiefe und schafft eine vertikale Bewusstseinserweiterung. Es eröffnet einen „gedanklichen Raum“, in dem die Phantasie aufblüht und ermöglicht, uns in fremde Welten hineinzuversetzen. Das Gehirn bildet dann neue Verknüpfungen und Assoziationen, die über die Gedanken der AutorIn hinausgehen können. Leseforscherin Maryanne Wolf  sagt, dass Lesen „…..dem Gehirn die Freiheit gibt, Gedanken zu haben, die tiefer sind als die Gedanken, die ihm bisher gekommen sind.“ Und was gibt es Schöneres als das Erlebnis des „Flow“, das sich einstellt wenn wir ganz und gar in einer Geschichte versinken und die Zeit vergessen?
  • Sanftes Digital Detox: Gönn dir Zeiten, in denen du keine digitalen Geräte verwendest – weder Handy, Kamera, Laptop, noch TV. Ruf deine E-Mails nur zu festgelegten Zeiten ab (eine großartige Idee nicht nur für den Urlaub) oder richte für die Dauer Deines Urlaubs eine automatische Antwort ein und lass sie überhaupt links liegen.
  • Schmeichle deiner Aufmerksamkeit: Richte Zeiten ein, in denen Multi-Tasking out ist und du nur eine einzige Sache machst – die dann aber mit deiner ganzen Aufmerksamkeit. Wenn Du in Hallstatt die Eishöhlen besichtigst, spür die Kälte, greif das Eis an, riech die Höhlen, achte auf die Luftzirkulation, schau am Ausgang in die Ferne. Wenn Du das machst, wirst du dich in 40 Jahren noch daran erinnern (ich war das letzte Mal mit 10 dort :-)).
  • Lass dir Zeit: wer mit 180 Sachen unterwegs ist, übersieht einiges. Schau mal, wie es ist, wenn du deine Geschwindigkeit reduzierst. Ein beeindruckendes Buch zum Thema ist „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Stan Nadolny – ein Roman, der seinem Titel alle Ehre macht. Als ich es vor ca. 25 Jahren las, war es eine einzige Herausforderung, jeder Satz ist langsam – aber es hat sich ausgezahlt.

Wie ergeht es Dir mit dem Müßiggang? Gefällt dir das digitale Detox-Programm? Gibt es ein Buch, das dich diesen Sommer fesselt? Hat dich die Muse geküsst?

Ich werde in meinem Urlaub meine eigenen Anregungen beherzigen und freue mich, Dir ab 13. August wieder entspannt und erholt zur Verfügung zu stehen und dann Deine Kommentare und Erfahrungen zu lesen.

Routinen – shake them, baby, shake them!

Routinen – shake them, baby, shake them!

Foto: Sam72/shutterstock.com

Ich muss zugeben, dass mich alleine der Gedanke, ich müsste – ohne gemütlich meinen Kaffee getrunken zu haben – in der Früh überstürzt das Haus verlassen, unrund macht. Obgleich ich dieses Ritual (oder weniger euphemistisch ausgedrückt – diese Routine) nur ungern aufgebe, kann ich doch den Nutzen darin sehen, Routinen immer wieder einmal zu durchforsten und ordentlich zu rütteln – ganz nach dem Motto – Shake them, baby, shake them!

Die Definition, die der Duden für Routine liefert beinhaltet bereits die Mehrdeutigkeit, die diesem Wort innewohnt: so bedeutet Routine sowohl

1. durch längere Erfahrung erworbene Fähigkeit, eine bestimmte Tätigkeit sehr sicher, schnell und überlegen auszuführen als auch

2. (technisch perfekte) Ausführung einer Tätigkeit, die zur Gewohnheit geworden ist und jedes Engagement vermissen lässt, Automatismus, (blinde) Gewohnheit.

Schon in der Definition sieht man, wo der Hund begraben ist: Routinen beginnen eine negative Konnotation zu haben, sobald fehlendes Engagement, Automatismus und blinde Gewohnheit dazukommen, d.h., wie schon so oft, wenn unsere Aufmerksamkeit fehlt und sie zu Energieräubern werden.

Das Hauptargument für Routinen ist wohl, dass sie uns erlauben, wiederkehrende, kleine Entscheidungen nicht jedes Mal aufs Neue treffen zu müssen und „decision fatigue“ (siehe Fußnote unten) aus dem Weg zu gehen: so sagt z.B. Obama: „you need to focus your decision-making energy. You need to routinize yourself. You can’t be going through the day distracted by trivia.“ Er trägt deshalb nur graue oder blaue Anzüge und argumentiert, dass er die Anzahl von Entscheidungen zu reduzieren sucht, weil er zu viele andere Entscheidungen treffen muss – und daher keine Entscheidung darüber treffen will, was er anzieht.

Ein weiteres Argument für Routinen ist, dass sie uns helfen, „gute Gewohnheiten“ aufrechtzuerhalten, „schlechte“ in Schach zu halten und insgesamt Struktur und Ordnung in unser Leben zu bringen.

So sind z.B. Routinen wie vor dem Schlafengehen die Zähne zu putzen, jeden Mittwoch und Freitag Laufen zu gehen, jeden Morgen zu meditieren, oder nie Alkohol zu trinken, wenn Du mit dem Auto oder Fahrrad unterwegs bist, durchaus dazu angetan, unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit zu sichern.

Selbst solche „guten Routinen“ können sich jedoch ins Negative verkehren – wenn wir z.B. die ursprüngliche Intention verlieren und einfach beinhart sitzen statt zu meditieren, wenn wir die Routine so ferngesteuert absolvieren, dass wir nachher nicht mehr wissen, ob wir uns jetzt die Zähne schon geputzt haben oder nicht – oder wenn wir so streng an unserem Wochenplan festhalten, dass auf die besagten Tage kein Geburtstagsfest fallen darf.

Warum es also Sinn macht, unsere Routinen immer wieder einmal zu hinterfragen und zu schütteln: Sobald unsere Aufmerksamkeit fehlt und die Routine zur blinden Gewohnheit wird, ist es Zeit!

1. Routinen zu ändern oder zu beenden kann dazu führen, dass Du neue Dinge kennenlernst, von denen du gar nicht wusstest, dass du sie kennen oder wissen möchtest (oder sogar solltest).

2. Unser Gehirn ist neuroplastisch, d.h. es kann bis ins hohe Alter neue Hirnzellen und neuronale Verbindungen herstellen. Soweit ich es verstanden habe, stärken wir jedes Mal, wenn wir etwas gewohnheitsmäßig wiederholen oder uns daran erinnern, die Nervenbahnen, in denen dieses Verhalten abgespeichert ist. Wenn wir etwas Neues lernen oder tun, werden neue Bahnen geschaffen – unser Hirn trainiert und erneuert sich sozusagen – durchaus erstrebenswert! Zusatz-Bonus: deine Kreativität und Inspiration werden gefördert.

2. Unser Hirn mag, was es kennt. Wer immer wieder Veränderung übt, bringt seinem System bei: hey, Veränderung ist schon ok, kann man lassen.

3. Flexibilität in Körper und Geist hält jung, frisch und knackig. Du kannst Routinenschütteln wie ein regelmäßiges Software-Update sehen, das dein System bereitmacht, auch auf veränderte Bedingungen entsprechend reagieren zu können, eine Fähigkeit, die in der heutigen Zeit nicht zu unterschätzen ist.

Nicht zuletzt: Routinen machen uns vorhersagbar: im Zeit-Artikel „Denn sie wissen schon, was ich will – wie Firmen und Behörden selbst unsere Wünsche vorhersehen“ über die neue digitale Macht wird berichtet, dass zahlreiche Algorithmen unser Leben und unsere Vorlieben ausforschen; vielleicht können wir ihnen im Kleinen ein Schnippchen schlagen, wenn wir uns immer wieder neu erfinden.

Auf zum Shaken!

1. Aufmerksamkeit ist Energie, Energie ist Lebendigkeit, Aufmerksamkeit macht dich wach und präsent. Übe dich darin, wieder Aufmerksamkeit in deine Routine zu bringen: z.B. verändere jeden Tag eine (andere) winzige Kleinigkeit an deinem gewohnten Ablauf – z.B. wenn du üblicherweise die Zahnpasta über die ganze Länge der Zahnbürste aufträgst, hör diesmal 2 mm vor Ende der Bürste auf. Oder, wenn du deinen Kaffee trinkst, halte die Tasse so, dass dein Zeigefinger 5 mm höher ist als sonst. Lass dir was einfallen, spiel damit.

2. Ändere die Geschwindigkeit in deiner Routine. Du bist im Laufschritt unterwegs, um noch rechtzeitig in die Arbeit zu kommen? Stell dir den Wecker eine halbe Stunde früher und probiere einmal, deinen Weg gemächlich zu beschreiten. Oder gehörst du zu den Dusch-TrödlerInen? Miss mit der Stoppuhr, wie lange du brauchst und dann reduziere die Zeit um 25%.

3. Ändere den Ort und die Art: du fährst immer mit dem Auto in die Arbeit? Nimm mal die Straßenbahn. Oder steig 2 Stationen früher aus der U-Bahn aus und geh das letzte Stück zu Fuß. Geh einen Weg, den du normalerweise nicht nimmst. Du gehst mit Blick zu Boden – hebe deinen Blick und schau mal, wie dein Weg auf Augenhöhe und über dir ausschaut. Du hast einen Lieblingsplatz in der Kantine, oder ein Lieblings-Café? Setz dich woanders hin. Du putzt immer mit der rechten Hand die Zähne? Probier es mit der Linken.

4. Mach was Neues. Du isst immer auswärts? Schau dir ein Kochbuch an, wähle ein Rezept und geh einkaufen – koch dir selber etwas. Lade FreundInnen ein. Probier etwas aus, was du noch nie gegessen hast. Probier eine neue Sportart aus, oder mach deinen gewohnten Sport in neuem Gelände, mit anderem Gerät.

5. Hol dir neuen Input. Was wir sehen oder hören triggert Emotionen und Gedanken und regt dein Hirn an neu zu reagieren. Geh in eine Ausstellung oder ein Konzert, etwas was du dir sonst nie anschauen oder anhören würdest; probiere kontemplatives Gehen (aus dem Shambhala-Buddhismus), in dem du übst, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen und über Details staunen kannst.

Du siehst, die Möglichkeiten Routinen zu schütteln sind schier grenzenlos. Was fällt dir sonst noch ein? Wie geht es dir mit deinen Routinen? Was passiert mit deinem Aufmerksamkeitslevel, deiner Energie, wenn du deine Routine schüttelst? Ich bin gespannt! Schreib mir einen Kommentar, ich freue mich, von dir zu hören!

Fußnote:

Entscheidungen zu treffen ist anstrengend für unser Gehirn und kann zu „decision fatigue“ führen; je mehr Entscheidungen wir zu treffen haben, desto schwieriger wird es demnach, eine zu fällen. Üblicherweise sucht das Hirn dann nach Abkürzungen – entweder man wird wagemutig und impulsiv (statt sich gut zu überlegen, was Sinn macht und was die möglichen Konsequenzen der geplanten Handlung sind) – oder man wählt den ultimativen Energiespar-Modus – Nichtstun. Außerdem zapfen wir, um Entscheidungen zu treffen, die selben Willensstärke-Ressourcen an, die wir dafür benötigen, um Nein zu sagen zum Dessert (wenn wir abnehmen wollen), höflich zu bleiben, wenn unser Gegenüber unausstehlich ist, oder trotz Schlechtwetter Laufen zu gehen.

 

Siehst Du den Gorilla?

Siehst Du den Gorilla?

Foto: Nagel Photography/shutterstock.com

Das neue Werbeplakat von Wien Energie zeigt eine Radfahrerin (Martina, 16) auf einem Elektro-Rad mit dem Slogan: „Benzinbrüder brems ich mit Strom aus“ – ein Paradebeispiel für die Verwendung von Stereotypen: emotional besetzt, „ganz oder teilweise tatsachenwidrig und Veränderungen gegenüber weitgehend resistent“, wird hier der schwelende Unfriede zwischen VerkehrsteilnehmerInnen angeheizt und gleich noch weiter verfestigt. Solche eingefahrenen Klischees werden jedoch nicht nur in der Werbung oder zur Aufrechterhaltung verschiedener –Ismen gezielt eingesetzt, sondern schränken auch im zwischenmenschlichen Bereich unsere Wahrnehmung und unser Verhalten ein.

Unser Gehirn braucht nur eine Zehntelsekunde, um bei einer ersten Begegnung ein Urteil über andere zu fällen. Aber auch Menschen, die uns nahe stehen, drücken wir nur allzu gerne einen Stempel auf, der „Veränderungen gegenüber weitgehend resistent“ ist. So erwarten wir vielleicht von einem Freund, der bei den letzten paar Treffen schlagfertig und spritzig die ganze Runde unterhalten hat, auch bei folgenden Zusammenkünften für das Entertainment zu sorgen und reagieren irritiert wenn er mal nicht so gut drauf ist. Äußert eine Kollegin, die einmal vor Jahren ihrem Ärger lautstark Luft gemacht hat, leise berechtigte Kritik, wird sie umgehend zurechtgewiesen mit der Bitte, „doch nicht schon wieder auszuflippen.“ Und oft sind wir so überzeugt, dass jemand „das Übliche“ machen wird („er/sie kommt sicher wieder zu spät“), dass wir gar nicht richtig wahrnehmen, was in der Realität wirklich passiert (die Person kommt vor uns an).

Untersuchungen über Stereotypen haben gezeigt, dass wir dem, was unserer Erwartung, unserem (Vor)Urteil entspricht, automatisch mehr Aufmerksamkeit schenken, es leichter abspeichern und uns langfristig besser daran erinnern – d.h. unsere Wahrnehmung ist eingeschränkt und fokussiert automatisch immer wieder auf den gleichen Teilaspekt des Geschehens. Ein bisschen wohl wie beim „Gorilla-Experiment“, bei dem mehr als die Hälfte der Testpersonen nicht bemerkte, dass ein „Gorilla“ durch das zu beobachtende Spielfeld lief, weil ihre Aufmerksamkeit einzig und allein darauf fokussiert war, die Pässe zwischen den SpielerInnen zu zählen.

Die Abgestempelten fokussieren im Gegenzug ihre Wahrnehmungsantennen oft auf die Erwartungshaltung oder die Missbilligung der anderen und reagieren dann automatisch genau so, wie man es von ihnen erwartet; oder sie vermeiden unter Extra-Anstrengung der Erwartung zu entsprechen; sie sind dann vielleicht automatisch zuvorkommend und verständnisvoll, obwohl es jeden Anlass dafür gäbe, auf den Tisch zu hauen. So oder so sind alle Beteiligten eingeschränkt durch selektive Wahrnehmung, reduziertem Bewegungs- und Handlungsspielraum und endlose Wiederholungen des immer Gleichen. Die gefällten Urteile bleiben auch oft wie Kletten an Menschen kleben – egal, was man tut und wie lange man eigentlich dem Stempel nicht (mehr) entspricht, man wird immer noch mit dem selben Etikett versehen: und als die Aufmüpfige, die Schlampige, der Ehrgeizling, der Hallodri wahrgenommen.

Erscheint ungerecht? Unvermeidlich? Unausweichlich?

Wie du aus diesem Netz aussteigen kannst?

Ich denke, es gibt Möglichkeiten, aus diesem Netz von Erwartungen und Einschränkungen auszusteigen. Eine davon ist, unsere „Erwartungs-Wahrnehmung“ und Aufmerksamkeit wieder auszuweiten. Eine Anleitung zum ersten Schritt aus dem starren Netz, das dich auf immer wieder gleiche Wahrnehmungs- oder Handlungsweisen festzulegen drängt findest du weiter unten im Übungsteil! Am Schluss ist auch ein Link zum Video aus dem Gorilla-Experiment.

Siehst Du den Gorilla?

Was sind deine Erfahrungen zu Abstempeln und Abgestempeltwerden? Kennst du Situationen, in denen deine Wahrnehmung eingeschränkt ist? Und siehst du den Gorilla?

Die ersten 10 Personen, die in einem Kommentar hier kurz über eine Erfahrung oder Erkenntnis berichten erhalten eine Überraschung! 🙂

Bestandsaufnahme

Wähle eine Situation in der du dich durch Abstempeln oder Abgestempeltwerden automatisch einschränkst. Beginne, Daten und Fakten darüber zu sammeln, was in der Situation passiert und wie du währenddessen bist. Unter dem Motto: „Jugend forscht!“ sei neugierig und beschreibe im Detail: z.B. Wo passiert was wann, wie oft, mit wem? (Sei präzise, nicht nur – „im Büro“ – sondern – „im großen Sitzungszimmer im vierten Stock, rechts beim Fenster“). Wie ist deine Haltung, wie atmest du, wie schaust du, wo im Körper spürst du was (Anspannung, Enge, Druck, Leere?…), gibt es Bereiche, die du gar nicht wahrnehmen kannst? Wie sehr spürst du den Raum um dich? Worauf ist deine Aufmerksamkeit gerichtet? Hast Du bestimmte Sätze im Kopf, diskutierst du mit dir, was sagst du über dich, die anderen, kommentierst du das Geschehen? Wie ist dein Denken? Sind die Sätze vollständig oder nur Fetzen? Wie ist deine Stimmung? Nimm dir Zeit und schaffe eine detaillierte, wertungsfreie Bestandsaufnahme. Diese soll dich unterstützen, deine Aufmerksamkeit zu schärfen.

Atmen und Körper sein

Möglicherweise bist du nach dem Schreiben angespannt und fühlst dich ähnlich wie in der von dir gewählten Situation. Dann ist wieder einmal atmen angesagt! Atme tief und lass die Anstrengung so gut es geht wieder los. Die folgenden beiden Übungen können dich dabei unterstützen und sind auch gut für zwischendurch (z.B. im Büro). (Wenn du weißt, dass die betreffende Situation ansteht, kannst du auch gleich prophylaktisch (:-) ) oder mittendrin atmen und entspannen, schau mal, ob dann etwas anders ist!)

Gehen im Sitzen

Ausgangshaltung: Aufrecht Sitzen, Augen geschlossen, ein paar tiefe Atemzüge nehmen, Aufmerksamkeit auf den Körper bringen

Bewegungsablauf: Nimm sitzend die Bewegung auf, wie wenn du gehen würdest. Schwing den linken Arm locker neben dem Körper nach vorne, während du das rechte Bein hebst, dann schwing den linken Arm zurück, während du das rechte Bein kraftvoll auf den Boden zurück setzt. Gleichzeitig heb das linke Bein und schwing den rechten Arm nach vorne,….. Geh einige Zeit auf diese Weise im Sitzen. Danach spür nach, wie sich dein Körper nun anfühlt, wie deine Atmung ist. (Diese Übung stammt aus dem Buch „Atem und Bewegung“ von Norbert Faller).

Vasenatmung

Diese Übung kannst du im Sitzen, Stehen, oder Liegen machen.

Leg deine Hände zunächst auf den Bauch und atme ein paar Mal so, dass sich die Bauchdecke hebt und senkt. Dann leg die Hände seitlich auf die unteren Rippen und atme so, dass sich die Rippen seitlich ausdehnen. Dann leg die Hände auf die obere Brust, und bring die Atembewegung dorthin. Wenn Du die Übung so machen willst, dass es keiner merkt, lass einfach die Hände weg.

Jetzt kombiniere alle drei Atmungsarten: atme über den Bauch, in die Seiten, bis ganz hinauf in die Brust wie wenn dein Torso eine Vase wäre und du sie von langsam anfüllst – dann atme von oben über die Mitte nach unten wieder aus. Mach das für 4 – 10 mal. Spür nach, merke, wie deine Atmung jetzt ist, wie du deinen Körper nun spürst.

Entspannt bleiben in Absurdistan

Entspannt bleiben in Absurdistan

Foto: Ollyy/Shutterstock.com

Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit als Lehrerin im amerikanischen Schulsystem: immer wieder kamen Anweisungen von oben, die in der Realität im Klassenzimmer absolut keinen Sinn machten und kaum durchführbar waren, meinen Handlungsspielraum jedoch massiv einschränkten. Auch von meinen KlientInnen höre ich immer wieder über fehlende Wertschätzung, mangelnde Perspektiven und Aufstiegschancen, sowie Umstrukturierungen, die in der Realität außer zusätzlichem Arbeitsaufwand nicht viel bringen.

Googelt man Stress und Arbeitsplatz, erhält man mehr als 600.000 Einträge, und viele Strategien, wie damit umzugehen ist. Ich biete Dir im Folgenden drei simple Vorschläge an, die Du jederzeit verwenden kannst, um auch geradezu absurde Situationen entspannter meistern zu können.

Atmen

Schon im 14. Jahrhundert wusste man: „Solange Atem im Körper ist, solange gibt es Leben. Wenn der Atem sich verabschiedet, geht auch das Leben“ (Hatha Yoga Pradipika). Oft hemmen wir durch Spannungen in Bauch, Brust oder Nacken unsere Atmung und reduzieren sie auf ein absolutes Minimum – wäre sie nicht über das Atemzentrum im Gehirn zentral gesteuert, würden wir wohl häufig mal blau anlaufen! Die Anspannung lässt uns nicht atmen, weil wir nicht atmen, können wir nicht gut entspannen… Wenn du diesen Teufelskreis durchbrechen und den Atem als die „unerschöpfliche Energie- und Kraftquelle“ nutzen willst, die er sein kann, ist es hilfreich, immer wieder einmal bewusst tief durchzuatmen. Du weißt sicher aus Erfahrung, dass schon alleine dadurch sich ein gewisses Maß an Entspannung einstellt.

Hier eine kurze Übung fürs Durchatmen aus der Spiraldynamik, die Du auch im Büro gut zwischendurch machen kannst:

Diagonalatmung:

Setz Dich aufrecht hin. Lege eine Hand vorne auf die oberen Rippen, direkt unter das Schlüsselbein. Die andere Hand kommt auf der gleichen Brustkorbseite hinten auf den unteren Rippenbogen.

Versuche nun beim Einatmen, die Luft in beide Hände strömen zu lassen. Spüre, wie sich Dein Brustkorb diagonal weitet und wieder entspannt, die oberen Rippen heben sich nach vorne oben, die unteren fächern sich zur Seite auf.

ACHTUNG: Es ist besser zunächst weniger tief zu atmen, dafür gleichmäßig nach oben und unten. Beginne mit 1 Min. (bis zu 5 Min.). Die ideale Übung für zwischendurch, v.a. wenn dich etwas nervt!

Basis kräftigen

Egal, ob Deine Chefin oder Dein Team Dich nervt, oder Du am System an sich verzweifelst: eine flexible, kräftige Basis kann Deine Standfestigkeit unterstützen, um im Chaos bestehen zu können und gleichzeitig für Entspannung weiter oben sorgen. Zum Beckenboden gehören z.B. Reflexzonen im Bereich zwischen den Schulterblättern!

Auch die folgende Übung kannst Du jederzeit ohne Aufwand und ohne dass es groß auffällt an Deinem Schreibtisch machen:

Sitzbeinhöcker-Schmelzen (Franklin-Methode)

Setz dich aufrecht hin. Verlagere dein Gewicht auf den rechten Sitzbeinhöcker, so dass sich die linke Seite leicht abhebt. Dann lass die linke Seite zurück auf den Sessel schmelzen. Je mehr es schmilzt, desto mehr sinkt auch die Schulter ab.

Wählen

Vielleicht denkst du dir jetzt auch – ja, schön und gut, natürlich kann ich atmen – aber die Art und Weise, wie in meiner Firma Entscheidungen gefällt werden, spottet einfach jeder Beschreibung; oder: mein Chef meckert ja wirklich nur; oder: die Atmosphäre im Team ist grottenschlecht, alle jammern.

Frage Dich, warum Du in Deinem Job bist. Ist es die großzügige Bezahlung? Planst Du Familienzuwachs und möchtest die Sicherheit deiner Anstellung nutzen? Willst Du Erfahrungen für deinen nächsten Karriereschritt sammeln und deinen derzeitigen Job-Titel im CV haben? Wenn Du die Frage nach dem Warum beantwortet hast, kannst Du wählen. Und wenn Du dich bewusst entscheidest, deinen Job in deiner Firma zu machen, weil du xy willst, wird deine Haltung eine andere sein und Du wirst entspannter sein können.

Selbst wenn also unser Handlungsspielraum eingeschränkt ist, bleibt doch immer ein gewisser Rahmen, in dem wir uns frei bewegen und wählen können, wie wir sind und was wir tun: wir können atmen wie wir wollen, wir können denken, was wir wollen, wir können überflüssige Anstrengung immer wieder loslassen, wir können trotz Stress für ein Mindestmaß an Bewegung, Ruhe und ausgewogener Ernährung sorgen.

Schreibe mir doch einen Kommentar: Welche Strategien hast Du, um mit Stress-Situationen des tägliches Wahnsinns, mit Forderungen aus Absurdistan umzugehen? Wenn Du einen meiner Vorschläge ausprobiert hast – wie hat er funktioniert für Dich?

Ich freue mich, wenn Du den Link zu meinem Blog teilst. Und wenn Du noch mehr Übungen für entspannte Standfestigkeit lernen willst, melde Dich zum Workshop Bewegliche Füße – Standfestigkeit im Alltag an (siehe Termine).

Bewegliche Füße – Standfestigkeit im Alltag

Bewegliche Füße – Standfestigkeit im Alltag

Foto: Julia M. Rohn

Wenn ich Leuten meinen Beruf erkläre, höre ich oft ein – „Ah die Grinberg-Methode, das ist doch das mit den Füßen?!“. Und es stimmt, als Praktikerin der Grinberg-Methode stelle ich in einer ersten Sitzung häufig nicht nur unzählige Fragen zu dem Thema, das Dich zu mir bringt, sondern betrachte zunächst auch ausgiebig Deine Füße, bewege und berühre sie.

All diese Informationen, die Farbe und Festigkeit der verschiedenen Fußzonen, die Beweglichkeit der Füße und Knöchel, die Antworten auf meine Fragen helfen mir, ein klareres Bild davon zu bekommen, was Du lernen kannst, um die von Dir gewünschte Veränderung in Deinem Alltag erzielen zu können – die sich dann früher oder später auch in einer Veränderung in Deinen Füßen widerspiegeln wird.

Auch wenn in Deinem Leben alles wunderbar läuft, Beschwerden in den Füßen, Knien oder Hüften sind weit verbreitet: Bis zu 40% der Bevölkerung leiden unter Fußproblemen, mit dem Alter steigt dieser Anteil oft noch weiter an. Oft bemerken wir solche Ungleichgewichte gar nicht wirklich – oder ignorieren sie: die Diagnose Knick-, Senk- oder Spreizfuß und die familiäre Veranlagung dazu wird oft als schicksalhaft und unumstößlich angesehen, der Hallux prägt sich zwar immer deutlicher aus, aber es tut noch nichts weh; wir müssen regelmäßig zum Schuster, weil immer eine Seite der Schuhsohle viel stärker abgegangen ist als die andere; wir haben Rückenschmerzen, die wir jedoch ausschließlich auf das viele Sitzen im Büro schieben, unsere Knöchel fühlen sich labil an und wir knöcheln immer wieder mal um….

Wir stellen täglich hohe Anforderungen an unsere Füße: sie müssen sowohl weich und beweglich, als auch stabil und kräftig sein, um sich an verschiedene Bodenbeschaffenheiten und Fortbewegungsarten anpassen zu können. Zugleich lastet je nach Laufgeschwindigkeit das zwei- bis fünffache Körpergewicht auf einem Fuß. Dieses Anforderungsprofil an die Füße: stabile Standfläche, elastische Stoßdämpfung und kraftvolles Abstoßen wird durch eine architektonische Meisterleistung ermöglicht: 26 Knochen und unzählige Bänder bilden ein Quergewölbe nach Art einer römischen Brücke; der zyklische Wechsel zwischen halten und nachgeben, dehnen und kontrahieren verteilt die Belastung gleichmäßig und eine umfassende Versorgung der einzelnen Knochen, Knorpel, Bänder und Muskeln wird ermöglicht.

Die Füße stehen für das Fundament und Authentizität, für Urvertrauen und Standfestigkeit. Es erscheint daher logisch, dass ein Ungleichgewicht im Fundament, an der Basis, mit der Zeit Probleme verursachen kann: jede Art von länger anhaltender Störung im Fuß könnte sich dann nicht nur auf die Statik des Körpers, die Knie, Hüften, oder den Rücken, sondern auch belastend auf die dem Bereich im Fuß zugeordneten Zonen bzw. Organe im Körper auswirken – und umgekehrt. Und wenn jemand nun leicht den Boden unter den Füßen verliert, oder nie so recht das Gefühl hat, mit beiden Füßen fest im Leben zu stehen, für ihre Fehler gerade zu stehen, seinen Mann zu stehen? Wie sehr beeinflussen unsere Verhaltensweisen unsere Füße, und wie sehr beeinflusst die Art und Weise, wie wir unsere Füße verwenden, wie wir stehen und gehen unsere Verhaltensweisen?

Sicher ist eines – wir können unseren Füßen – und unserem Fundament – den Respekt zollen, und ihnen die Aufmerksamkeit schenken die sie verdienen – und wir können manche Ungleichgewichte in den Fußstrukturen oder deren Verschlimmerung  beheben bzw. verhindern.

Wenn ich deine Neugierde auf Füße geweckt habe – am 25. April biete ich von 11 bis 12:15 Uhr in meiner Praxis einen Workshop zum Thema Füße an – wir richten unsere Aufmerksamkeit wieder mehr auf unsere Füße und darauf, wie wir stehen und gehen. Verschiedene Übungen aus dem Pilatesrepertoire und der Spiraldynamik zielen darauf ab, wieder mehr Boden unter den Füssen zu haben. Anmeldung per E-Mail (office@corahiebinger.at) oder direkt über meine Website.


Hier kurz eine kleine Übung:

1. Steh aufrecht, am besten barfuss, und schließ die Augen. Dann bring die Aufmerksamkeit auf deine Füße. Wie stehen sie auf dem Boden? Wo spürst du Kontakt mit dem Boden, wo nicht? Sind beide Füße gleich belastet oder gibt es Unterschiede? Wie fühlen sich deine Zehen an? Sind sie entspannt ausgestreckt oder zusammengekrampft, wie wenn sie sich am Boden festkrallen wollten? Nimm dir ein paar Minuten Zeit, deinen Bodenkontakt zu erforschen.

2. Nun richte deine Füße hüftbreit parallel aus (d.h. die Zehen schauen gerade nach vorne), lockere die Knie und lass das Becken hängen (d.h. stell dir vor, ein Gewicht hinge an der Spitze deines Kreuzbeins (das ist der Teil der Wirbelsäule, der hinten die Beckenknochen verbindet und an dem das Steißbein dranhängt). Wenn das zunächst schwierig ist, kannst du einige Male ganz sanft auf und abwippen und das Becken sozusagen nach unten schütteln.)

Dann spür die rechte Ferse und stell dir vor, du hättest hinten an der Ferse zwei kleine Saugnäpfe rechts und links befestigt. Lass den Fuß am Boden und verlagere dein Gewicht hin und her, sodass jeweils ein Saugnapf mehr oder weniger am Boden andockt. Finde eine Position, in der beide Saugnäpfe deine Ferse gleich stark am Boden befestigen.

Mach das gleiche mit deinem Vorfuß, d.h. du tarierst die imaginären Saugnäpfe rechts und links vom Ballen aus. Dann lass die ganze Fußsohle, Ferse und Ballen entspannt und gleichmäßig auf dem Boden aufliegen, die Zehen liegen lang ausgestreckt.

Spür nun den rechten Fuß und ob du einen Unterschied zu vorher und zum linken Fuß bemerken kannst.

Wiederhole das ganze mit dem linken Fuß.

Dann steh noch einmal aufrecht mit dem hängenden Becken und spür nach. Wie nimmst du deine Füße nun wahr? Hatte diese kurze Übung eine Auswirkung darauf, wie du jetzt stehst? Wie du deinen Rücken spürst? Wie du den Boden unter deinen Füßen spürst?

Du kannst gerne das Kommentarfeld unten verwenden, um über deine Erfahrungen mit deinen Füßen und der wechselseitigen Beeinflussung von Füßen und restlichem Körper zu berichten. Es würde mich interessieren, darüber zu hören!

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