+43 677 629 38 596 office@corahiebinger.at

Foto: Cora K. Hiebinger

Spürst Du es? Wir enden nicht an unserer Hautoberfläche.

Florian Klenk hat einen Spendenaufruf für den „aufmüpfigen“ Bergbauern Christian Bachler gestartet. Der stand vor der Zwangsversteigerung seines Hofs, weil die Bank seinen Kredit fällig stellte. Innerhalb eines Tages war die benötigte Summe beisammen. Viele der Kommentierenden sahen das Ganze offensichtlich nicht nur als Akt der Nächstenliebe zur Rettung einer Existenz, sondern eben auch als Versuch einer Zurecht-Rückung eines ungerechten, unmenschlichen und ungesunden Systems.

Ist diese überwältigende Solidarität nicht schon erhebend genug, so ist es zusätzlich noch speziell erbaulich, dass dieses Crowd-Funding nicht alleine in der Falter-LeserInnen-Blase stattgefunden hat, sondern dass die UnterstüzterInnen dieses Projektes auch aus ganz anderen Ecken kamen. Auf einen Anruf Klenk’s hinauf hat z.B. Andreas Gabalier ein Video gepostet und seine Fan-Gemeinde um Spenden für den „Wutbauern“ gebeten. Und so konnten in einem Kraftakt innerhalb eines Tages fast 300 000.- auf die Beine gestellt werden. Und Herr Bachler kann seinen Kredit zurückzahlen, seine Almen bewirtschaften und weiter daran arbeiten das System zu verändern.

Ich habe mich, während ich die Kampagne gestern verfolgte, sehr verbunden gefühlt mit anderen: mit FreundInnen, die über verschiedene Kanäle von dem Projekt erfahren hatten und ebenfalls spontan spendeten, aber auch mit mir Unbekannten, die aber offensichtlich ebenfalls die Notwendigkeit sahen, einem System, dass so nochalant eine Existenz auszulöschen bereit ist entgegenzutreten. Plötzlich fühle ich mich nun also auch mit Gabalier-Fans verbunden. Und ziehe meinen Hut vor seiner Aussage im Video bezüglich „weg vom Schubladendenken“.

Das Gefühl tiefer Zufriedenheit, dass hinsichtlich dieses Zeichens von Zusammenhalt genieße hat mich an Gerald Hüther’s großartige Rede aus 2014 erinnert: „Wer glücklich ist, kauft nichts“ (ab Min:11:50).

Bedürfnis nach Verbundenheit und Wachstum

Brückenbauende Solidarität gibt es ja nicht alle Tage – wir leben in Zeiten von social-distancing und zunehmender Kälte auf verschiedensten Ebenen. Aber das Bedürfnis nach verbunden sein ist ein zutiefst menschliches. Hüther erklärt dieses Grundbedürfnis – die Möglichkeit zu haben, zu wachsen und uns verbunden zu fühlen, damit, dass wir diese Basiserfahrungen im Mutterleib erlebt haben, und sie in unserem System verankert ist. Und so wollen wir uns immer wieder autonom und frei fühlen – also wachsen; und uns gleichzeitig verbunden fühlen – also dazugehören, mit anderen sein. Es gilt also ein prekäres Gleichgewicht zu finden zwischen diesen beiden Kräften, die scheinbar in entgegengesetzte Richtungen wirken. Ich sage scheinbar, weil ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe, dass unsere Körper kein Problem damit haben, gleichzeitig autonom und verbunden zu sein.

Verlust

Je nachdem, wie begeistert unser Umfeld auf unser Eintreffen in dieser Welt reagiert hat, verlieren wir dieses ganz selbstverständliche Wachsen-Wollen – unsere Neugierde, unsere Begeisterung für Neues und dafür uns weiterzuentwickeln, als auch unser natürliches Verbundensein – das Gefühl willkommen, dazupassend und „richtig“ zu sein – früher oder später. Ganz viele unserer (Überlebens)Strategien (die wir uns vermutlich genau aufgrund des Verlustes eines oder mehrere unserer Grundbedürfnisse zulegen) beinhalten ein „uns abkapseln“ von unserer Umwelt. Dann fühlen wir uns alleingelassen, abgeschnitten vom Leben. Dieser Zustand des abgekapselt seins lädt ein, sich mit anderen zu vergleichen, sich und andere zu bewerten, die Welt in schwarz und weiß einzuteilen, in richtig und falsch, Dinge in Stein zu meißeln. Es führt wohl auch dazu, uns über andere zu stellen, Andersdenkende zu verurteilen, einen Religionskrieg anzuzetteln. Was zu weiterer Trennung führt.

Wir büßen einen Teil unserer Lebendigkeit ein, wenn wir so tun, als wären wir eine von der Welt unabhängige Entität, deren Einflussgebiet und Sein an der Hautoberfläche aufhört; wenn wir uns einen „schützenden“ Panzer zulegen, der uns zumindest gefühlmäßig abschirmt. Gleichzeitig büßen wir unsere Autonomie ein, denn wenn wir uns abkapseln und einpanzern, beschränkt das unsere Wahrnehmung der Umgebung und wir sind weniger präsent. Andere können dann leichter über unsere Köpfe hinweg bestimmen, was als Nächstes geschieht – auch mit uns.

Wir sind Lebewesen

Tatsache ist – wir sind Lebewesen. Wir sind mit Wahrnehmungsorganen ausgestattet, – z.B. unsere Haut – mit denen wir unsere Umgebung wahrnehmen können. Nicht nur 1 mm über der Haut, sondern auch in einiger Entfernung. Wir können nicht nur spüren, wie es uns selbst geht und was wir gerade brauchen, damit es uns besser geht (etwas trinken, ausruhen, das Gespräch suchen, in die Natur gehen, …), wir können auch spüren wie es anderen Lebewesen geht. Vielleicht spürst du nicht gleich den Grant deiner Zimmerpflanze, die im hintersten Eck deines Wohnzimmers langsam vertrocknet, aber ich bin mir sicher, du kannst relativ rasch spüren, wenn sich dein Haustier vernachlässigt fühlt – und wenn deinE PartnerIn schlecht drauf ist, oder im Büro dicke Luft ist, merkst du das sowieso sehr schnell.

Wenn wir spüren, dass wir ein Lebewesen sind, fällt es uns schwerer, andere so zu behandeln, wie wir selbst nicht behandelt werden möchten. Wenn wir spüren, dass wir ein lebendiger Körper sind, unsere Umgebung wahrnehmen, uns und andere spüren, dann sind wir verbunden. Dann ist uns klar, dass wir nicht alleine sind. Dann wünschen wir uns eher, dass es nicht nur uns, sondern auch unserem Gegenüber gut geht. Und dann ist es auch wieder ganz selbstverständlich, dass wir wachsen können. Raus aus Schubladen. Rein in die Revolution :-). Wie groß deine ganz persönliche Revolution auch sein mag.

Übung für mehr Verbundenheit

Hier findest du eine meiner Lieblingsübungen, um diesen Zustand des Verbundenseins und der entspannten Stille besser spüren zu können.

Am besten machst du diese Übung im Stehen und ohne Schuhe.

Du stehst aufrecht, zumindest hüftbreit, allenfalls etwas breiter, die Füße sind satt auf dem Boden platziert, du gibst dein Gewicht an den Untergrund ab.

Nimm ein paar tiefe Atemzüge.

Dann atme ein (tief aber ohne Anstrengung) halte den Atem und spanne den Körper an (nicht 100%, aber so ca. 70%)

Stell dir vor, du legst alles an Ablenkungen, Sätzen die im Kopf herumschwirren, in das nächste Ausatmen.

Atme aus mit „TSSSSSSS“.

Wiederhole das noch einmal.

Atme entspannt weiter.

Spüre den Boden unter dir und stell dir vor deine Fußsohlen und Zehen schlagen Wurzeln. Mach auch das ohne Anstrengung, erlaube es einfach. Spüre den Boden, deine Sohlen auf dem Boden, dehne deine Wahrnehmung nach unten in den Boden aus.

Lass dir Zeit, atme ruhig weiter, gib dein Gewicht immer wieder an die Schwerkraft ab.

Lass diese Verbindung zwischen Boden und Füßen sich nach oben ausdehnen, d.h. was immer du in den Füßen spürst (Wärme des Bodens, Energie, Kribbeln,…) hol dir das nach oben und lass es bis in den Kopf strömen. Wenn du zunächst nichts spürst, ist das auch ok, du kannst dir auch vorstellen, dass von den Fuß-Wurzeln deine Beine und der restliche Körper wie ein Baumstamm nach oben wachsen. Wähle ein Bild, dass dir zusagt.

Auch das mach ohne Anstrengung, erlaube es einfach, gib immer wieder dein Gewicht ab und atme weiter.

Dann spür deinen Scheitel und spür die Luft über deinem Kopf. Spüre den Raum über dir und dehne deine Wahrnehmung nach oben aus.

Mach das einige Atemzüge lang, ohne jegliche Anstrengung.

Dann spür noch einmal nach unten und nach oben, dehne deine Wahrnehmung aus.

Dann nimm die restlichen 4 Richtungen – nach vorne, nach hinten, nach links und nach rechts auch mit und dehne deine Wahrnehmung, den Raum den du einnimmst auch in diese Richtungen aus.

Lass dich von Wänden, Zimmerdecken, anderen Gegenständen oder Personen nicht aufhalten. Erinnere dich immer wieder daran, dass das Ganze kein Kampf ist, sondern ein natürlicher Seins-Zustand unseres Körpers – wir – als Wesen – hören nicht an unserer Hautoberfläche auf. 🙂

Ich wünsche dir viel Genuss bei dieser Übung und beim autonom verbunden sein mit der Welt. Wenn du Unterstützung dabei möchtest, einen dich einschränkenden Zustand zu ent-lernen, um wieder verbundener und freier sein zu können melde dich. Bis 22. Dezember 2020 gibt es noch Weihnachts-Angebote zu vergünstigten Preisen.

Von Heldinnen und Helden

Von Heldinnen und Helden

Foto: Cora K. Hiebinger Die für Heldinnen und Helden unterschiedliche Definition im Duden ist bemerkenswert. Ist sie zum einen eine weibliche oder männliche Person, " die sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat...

mehr lesen
Raum geben. Raum nehmen. Raum haben.

Raum geben. Raum nehmen. Raum haben.

Foto: Cora K. Hiebinger Das Konzept Raum Neulich sprach ich mit jemandem über den Südwesten der USA. Wo ich, bevor ich nach Österreich zurückkam, 6 Wochen lang in den verschiedenen Nationalparks unterwegs war. Und wo mir klar wurde, was Pearl Lang, diese großartige...

mehr lesen
Über Berührung – Teil 1

Über Berührung – Teil 1

Foto: Julia Maria Rohn Berührung die berührt Neulich wünschte sich eine betagte Patientin eine Massage statt der Strombehandlung die ihr verschrieben wurde. Ich klärte das also mit der behandelnden Ärztin ab und sie fragte mich, was denn Massage bewirken würde. Die...

mehr lesen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen