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Foto: Cora K. Hiebinger

Dieses Jahr sind sich leider nur 5 Tage ausgegangen. Aber immerhin konnte die Tradition Attersee aufrechterhalten werden. Abgesehen davon, dass dieser See etwas Magisches hat, die Gegend einfach wunderschön ist und alles bietet, was das Herz begehrt – kristallklares Wasser, gut zu bewandernde Berge und Wälder, und – in den Tagen kurz vor dem Beginn der Schulferien – eine gemächliche Stille, in der selbst der Weg zum nächsten ADEG zur tagesfüllende Aktivität wird – hilft mir der jährlichen Aufenthalt dort, mein Seelenheil zu erhalten. Weil der See einfach immer der See ist. Weil die uralte Linde, unter der Mahler wohl einige seiner Symphonien geschrieben hat, jedes Jahr wieder in voller Pracht am Ufer steht und einfach Baum ist – und das Höllengebirge dahinter abends in rosa Licht erstrahlt. Weil wir jedes Jahr den selben Dauercampern zunicken und ein paar Worte über den Zustand des Sees wechseln („Heute ist er wieder prachtvoll.“); weil sich ein Jahr ins nächste fügt. Man rollt aus dem Zelt und der erste Weg ist ins Wasser. Oft benötigt es dann eine heiße Dusche, weil der See noch unter 20 Grad hat. Frühstück mit Blick auf den See, allenfalls fordert die einäugige Katze ihre Streicheleinheiten ein, und das Schwanenpaar kommt für die Morgentoilette vorbei. Planung des Tages – wohin paddeln wir? Paddeln wir? Wollen wir morgen auf den Berg? Oder eher chillen?

Die Dinge, die sich in den letzten Jahren geändert haben sind wenige – ich brauche mittlerweile eine „Prinzessinnen-Matte“, damit ich in der Früh auch wirklich aus dem Zelt komme. Und es gibt einen neuen Campingkocher, der einwandfrei funktioniert – und der uns daran denken lässt, nächstes Jahr vom Löskaffee auf italienischen Espresso up zu graden. Und die Wettervorhersagen waren heuer absolut nicht verlässlich. Angeblich ist die Luft aufgrund des stark reduzierten Flugverkehrs so viel besser, dass die Berechnungen nicht mehr stimmen.

Diese Beständigkeit, dieses „mehr desselben“ hat etwas sehr Beruhigendes, Sicherheit gebendes. Denn selbst wenn der Attersee viele Gesichter hat und sich die Wetter- und Wasserlage rasch radikal ändern kann, so ist doch der Steg, auf den wir vom Ufer blicken, immer derselbe, und auch die beiden Segelboote, die an den Bojen davor verankert sind, sind stets im Blickfeld – und somit auf jedem der zahlreichen Fotos, die wir immer wieder machen weil er halt einfach so schön ist, der See.

Ich verstehe also diesen Sog des Bekannten, das Bestreben, dass alles in einem gewissen Rahmen so wie immer abläuft – und ich gebe mich ihm auch willig hin. Und ich bin Claudia, der Freundin, mit der diese Art von Urlaub möglich ist, ewig dankbar dafür, dass sie mir das Faltboot und Paddeln nähergebracht und gezeigt hat, dass das Reisen mit Camping-Ausrüstung und Boot auch ohne Auto durchaus möglich ist. Vor einigen Jahren hätte ich mir wohl noch gedacht, dass sich der Aufwand für 5 Tage nicht auszahlt: Leiter aus dem Keller holen, jemanden organisieren, der mir beim runterheben der Boot-Packtaschen hilft, Taxi bestellen, in 3 – 4 Gängen das ganze Gepäck nach unten schleppen, am Bahnhof zitzerlweise die Gepäckstücke zum Zug tragen…… Und da das Wetter im Salzkammergut oft recht unbeständig ist, haben wir auch schon Hauben und Fäustlinge gebraucht im Juli – oder unsere Sachen in der Sauna getrocknet, wo wir auch uns selbst wieder aufgewärmt haben. (Gott sei Dank bietet die ebenfalls Blick auf den See. 🙂 ) Heuer mussten wir die Zelte umstellen, weil die Regengüsse auf dem leicht abschüssigen Wiesenstück den Boden durchnässt haben. Aber nachdem die Sonne, wenn sie denn da war, alles schnell wieder trocknete, war auch das bald erledigt.

Diese Tage am See sind eine jährliche Übung darin, das zu tun, was gerade zu tun ist. Es gibt kein Rumzicken und Klagen, das Wetter ist, wie es ist (es hat auch noch nie dauergeregnet), wenn es uns am Abend nicht freut zu kochen, dann ist das auch ok – es gibt schließlich auch ein wirklich gutes Restaurant vor Ort, und als ich letztes Jahr so erschöpft war, dass ich die ersten drei Urlaubstage zu gar nichts fähig war, haben wir zunächst nur gelesen.

Bequem und „sicher“ gegen die Wand

So sehr Beständigkeit und Nicht-Veränderung auch mir das Gefühl von Sicherheit geben, so sehr finde ich es beängstigend, wie sehr alle an ihrer Bequemlichkeit hängen, wie sehr uns vorgegaukelt wird, es gäbe ein Zurück zu einer unveränderten „Normalität“, wie leicht es uns fällt, so zu tun, als ob es keiner (gravierenden) Veränderung bedürfe. Das Bild des Frosches kommt mir in den Sinn, der sich langsam sieden lässt, wenn nur die Temperatur ganz allmählich höhergeschraubt wird, so dass er sich zu lange in Sicherheit wiegt und keine Notwendigkeit sieht, sein wärmer werdendes Aquarium mit einem Sprung schleunigst zu verlassen.

Weil der Mund-Nasen-Schutz als lästig und unangenehm empfunden wird, entbrannte kürzlich in der Praxis eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Maskentragens. Als würden die Infos dazu bewusst falsch interpretiert, um sich selbst darin zu bestätigen, dass es sowieso nichts bringe. Der Mund-Nasen-Schutz schützt nicht die TrägerIn, sondern deren Gegenüber. D.h. wenn in einer Situation, in dem der Abstand nicht einhaltbar ist, beide Beteiligten einen MNS tragen, ist das Risiko reduziert, jemanden anzustecken. Und das ist sehr wohl erwiesen und deshalb sieht man z.B. ChirurgInnen und Pflegepersonal im OP schon immer mit MSN. Selbstverständlich würde auch ich gern so wie früher ohne Maske, ohne Visier arbeiten. Besonders, wenn sich noch eine Hitzewallung dazugesellt :-).  Aber ich gebe mich ehrlichgesagt keinen Illusionen hin. Die Masken werden – zumindest im Dienstleistungsbereich – bleiben.

Wenn Vielen schon diese „Unbequemlichkeit“ des Maskentragens zu viel ist, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass es zu jeder Maßnahme, die dazu beitragen könnte, die Klimakrise noch irgendwie in den Griff zu bekommen einen Aufschrei der Entrüstung gibt. Neulich argumentierte eine Frau, die gegen das Autoverbot im ersten Bezirk aufbegehrte damit, dass es bei unserem Klima derzeit viel zu heiß sei, mit dem Fahrrad vom 19. in den ersten zu fahren.

Beständigkeit und alles so lassen wie immer gibt ein Gefühl der Sicherheit. Das stimmt. JedeR, der schon Sitzungen gehabt hat oder in einem anderen Kontext daran gearbeitet hat sich zu verändern und weiterzuentwickeln kennt die Warnungen des Systems/des Verstandes, nur ja nichts zu verändern – „wer weiß was dann passiert“, „all hell will break lose“, „es ist zwar vielleicht nicht super, wie es ist, aber wenigstens kennen wir es – nichts Besseres kommt nach“.

Veränderung ist unbequem. Auch das stimmt. Veränderung verlangt von uns, unsere Komfortzone zu verlassen. Was natürlich Angst macht. Wenn wir jedoch die Augen nicht verschließen vor den Konsequenzen, die Untätigkeit bzw. Weitertun wie bisher nach sich ziehen, dann ist möglicherweise die Unbequemlichkeit, die durch die Veränderung entsteht, gar nicht so schlimm. In Bezug auf die Klimakrise ist es ganz sicher weniger „unbequem“, jetzt auf etwas „Gemütlichkeit“ zu verzichten, als bald wie der Frosch im „plötzlich“ kochenden Wasser zu sitzen. Dann werden wir uns sehnsüchtig daran erinnern, als nur eine „Anschobaschiatsn“ zu tragen von uns gefordert wurde.

Wenn es dir langsam zu warm wird und du die Zeit für Veränderung gekommen siehst, melde dich bei mir. Im Juli 2020 erhältst du deine erste Sitzung gegen Bequemlichkeit zum reduzierten Preis.

Ein weiterer Blog-Artikel zum Thema Bequemlichkeit findest du hier: Plädoyer gegen die Bequemlichkeit

 

 

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