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Foto: Cora K. Hiebinger

Die für Heldinnen und Helden unterschiedliche Definition im Duden ist bemerkenswert. Ist sie zum einen eine weibliche oder männliche Person, “ die sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat vollbringt, die ihr Bewunderung einträgt“, so gilt laut Duden eine “ besonders tapfere, opfermütige (!!!) Frau, die sich für andere einsetzt, eingesetzt hat“ als Heldin – während ein Held sich “ durch große und kühne Taten besonders in Kampf und Krieg“ auszeichnet, ein „Mann edler Abkunft“ ist, sowie jemand, „der sich durch außergewöhnliche Tapferkeit im Krieg auszeichnet und durch sein Verhalten zum Vorbild [gemacht] wird“.

Ein Teil dieser Definition passt sehr gut auf die Held*Innen, um die es heute hier geht. Es sind durchwegs besonders tapfere, mutige Menschen, und solche, die sich für andere einsetzen und durch ihr Verhalten uns zum Vorbild dienen könnten. Und trotz Fußballfieber meine ich kein Nationalteam, das „heroisch“ um Tore kämpft. Ich spreche von den Menschen, die ich in den letzten vier Monaten durch meine Arbeit im Krankenhaus kennenlernen durfte. Therapeut*Innen, Pflegekräfte und Patient*Innen.

Da sind zunächst meine Kolleginnen, die Therapeutinnen, die mich sofort und ohne Vorbehalte in ihre Truppe aufgenommen haben. Nach einem Jahr Lock-down zu, Lock-down auf war schon die Möglichkeit für 4 Monate als Vertretung wieder täglich arbeiten zu dürfen ein großes Geschenk. Umso größer, da ich noch selten ein so großartiges, kompetentes Team erlebt habe wie dieses. Wertschätzung auf Augenhöhe, gegenseitige Unterstützung, sehr viel Idealismus – und stets das im Auge behaltend, worum es im Endeffekt ja geht – das Wohl der Patient*Innen. Keine Hierarchien zwischen den Kompetenzen der Teammitgliedern, sondern ein konstruktives Zusammenarbeiten und aneinander wachsen. Könnten wir diesen Ansatz ausweiten auf die restlichen Berufsgruppen, wie viel effizienter – und auch erfolgreicher und menschlicher – wäre nicht nur die Medizin.

Ich spreche auch von Pflegekräften, die nach einem anstrengenden Nachtdienst, während dem sie ein frisch operierter Patient wüst beschimpft und sich wiederholt alle Schläuche herausreißt einfach tun, was zu tun ist und den Patienten waschen und sein Bett frisch überziehen. Und am nächsten Tag mit Gleichmut die Schultern zucken und freundlich erklären, dass es ihm jetzt wieder besser gehe. Und von Krankenschwestern, die geduldig warten, bis ein alter Mann die Worte gefunden hat, mit denen er ihnen etwas zu verstehen geben will. Und davon, wie alle sich über jeden kleinen Fortschritt von Kranken freuen, deren Prognose eher dazu verleiten könnte, die Hoffnung fahren zu lassen.

Ich spreche nicht zuletzt von dem held*Innenhaften Kampf, den die Patientinnen und Patienten tagtäglich führen. Von dem älteren Herren, der nach zahlreichen Operationen seit Wochen im Spital liegt und trotz wiederholter Rückschläge nicht aufgibt sondern weiterhin von sich einfordert, wieder auf die Beine zu kommen. Von der Patientin mit Metastasen, die erzählt, dass sie ein Buch für ihre Kinder schreibt, damit die über die bisher nur mündlich überlieferte Familiengeschichte Bescheid wissen. Von einem, der sich mit den Worten – er habe eine kleine Tochter und sei zu jung, um schon abzutreten – sich auch während der Chemo aufs Ergometer setzt, um seine Ausdauer zu trainieren und damit seine Chancen zu verbessern. Von Patient*Innen, die erzählen, dass sie sich beeilen müssen, wieder gesund geschrieben zu werden, weil sie sonst um ihren Job fürchten müssen. Von Leuten, die sich entschuldigen, dass sie heute nicht so gesprächig seien, weil sie schlechte Nachrichten erhalten haben. Von anderen, die extra noch einmal vorbeikommen, um mich an guten Nachrichten teilhaben zu lassen.

Niemand von all diesen Menschen hat auch nur einmal ein unfreundliches Wort von sich gegeben oder war ungeduldig, wenn ich etwas nachgefragt habe. Alle bedanken sich, dass ich meine Arbeit mache, freuen sich über eine Massage, wünschen mir einen schönen Urlaub und alles Gute für meine Zukunft.

Sie alle sind meine Heldinnen und Helden. Wenn ich mich nächstes Mal über ein Alltagsproblem ärgern möchte, werde ich mich an sie erinnern. Wenn ich nächstes Mal über eine Mühsal zu jammern beginnen möchte, werde ich an sie denken. Wenn ich nächstes Mal ungeduldig reagieren möchte, werde ich mich an sie entsinnen. Und ich hoffe, an mein Super-Team werde ich mich nicht nur erinnern. Es war ein Privileg, mit Euch zu arbeiten.

 

 

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