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Foto: Sumitra.Hanai/shutterstock.com

Die letzten eineinhalb Jahre waren von einem Konflikt überschattet, in den ich zwar nicht direkt involviert war, der mich jedoch trotzdem tangierte und Anlass zu diversen, hitzigen Diskussionen unter Kolleg*Innen und Freund*Innen gab. Zum Teil machten wir uns schon im Vorhinein aus, diesmal nicht über „das Thema“ zu sprechen, weil absehbar war, dass – sobald wir es anschnitten – die Wogen emotional hochgehen und unsere Treffen sich dadurch bedeutend weniger produktiv und erquicklich gestalten würden.

Im Laufe des letzten Monats passierten dann mehrere Dinge:

  • besagter Konflikt eskalierte;
  • neben dem Zorn, der oberflächlich vorgeherrscht hatte schaffte sich eine große Enttäuschung und Trauer Platz;
  • ich träumte von meinem Ex;
  • ich verbalisierte meine emotionale Betroffenheit einer der am Konflikt beteiligten Personen gegenüber.

Und ich erlangte folgende Erkenntnisse:

All drama must remain on stage! – oder: I am too old for this.

Ich habe es geliebt, auf der Bühne zu stehen und nicht nur die Erlaubnis, sondern den dezidierten Auftrag zu haben, das jeweilige „Drama“ in aller Fülle auszuleben. „Bigger than life“ sollte es sein, damit auch die Zuschauer*Innen auf den billigen Plätzen davon berührt sein konnten. Und die Verdreh- und Verwringungen, die die Martha-Graham-Technik uns Tänzer*Innen abverlangte, fühlten sich gut und richtig an.

Ich liebe ein gutes Drama. Auf der Bühne.

Gerne lasse ich mich auch von Carlos, meinem Lieblingskater und absoluter Drama-Queen um den Finger wickeln. Das war’s dann auch schon. Mein Kontingent an Dramabedarf ist damit ausgeschöpft.

Not my circus, not my monkeys

Drama übt nicht nur im Theater einen Sog auf uns aus. Auch im Alltag bleibt es an uns haften und macht schnell einmal aus einer Mücke ein Zebra, aus einem Einzelfall eine Epidemie. Es stellt Loyalitätsforderungen und will, dass Du Partei ergreifst; dass du dich gemeinsam mit der Drama-Darsteller*-, oder –Erzähler*In ereiferst über das Huftier, dass da plötzlich im Raum steht. Ein Faktencheck kann dann helfen, das Zebra in die ursprüngliche Mücke (oder eigentlich einen Weberknecht) zurück zu verwandeln. Offensichtlich haben genau das jetzt dankenswerterweise mehr Österreicher*Innen getan als es vorerst den Anschein hatte – und sich von dramatisch aufgeheizten Faktenverdrehungen nicht irreführen lassen.

Manchmal ist jedoch eine objektive Überprüfung der Fakten einfach nicht möglich und allein ein Gespräch mit einer beteiligten Person kann Dir helfen, mit den dadurch erlangten Informationen aus erster Hand, zusammen mit deinen persönlichen Eindrücken und Wahrnehmungen eine informierte Entscheidung zu treffen.

Darüber, ob das nun wirklich dein Zirkus und deine Affen sind; und ob du dich (weiterhin) involvieren und vom Drama einwickeln lassen möchtest.

Friedliche Feiertage – oder: Bau die Zirkuszelte ab.

Die Feiertage sind prädestiniert für Konflikte und das Wiederaufflackern von Dramen, deren Ursprung z. T. Generationen zurückliegt. Neu-Hinzukommende werden umgehend in eines der gegnerischen Lager rekrutiert und selbst wenn die ursprünglichen Opponenten abgehen wird das Drama doch am Leben erhalten.

Egal ob eine private oder professionelle Situation Deine (Feiertags)-Ruhe stört – die Dinge sind nicht so sehr in Stein gemeißelt, wie wir das oft glauben. Du kannst immer wieder überlegen, ob das wirklich dein Zirkus ist. Folgende Fragen können dir dabei helfen:

  • Was ist eigentlich los? Wie komme ich zu Informationen aus erster Hand?
  • Kann ich konstruktiv etwas zur Situation beitragen?
  • Wenn nein, möchte ich in dieses spezielle Drama verwickelt sein? Wenn ja, was ist meine Motivation dafür? Was ist der Preis den ich dafür zahle? (in Bezug auf dein Wohlbefinden, deine Energie, Beziehungen, Zeit).

Selbst wenn du nach reiflicher Überlegung die Wahl triffst, Dich nicht (mehr) involvieren zu wollen, ist es nicht immer leicht, dich dem Sog des Dramas zu entziehen. Und dann – du ahnst es schon:

  • Bring deine Aufmerksamkeit in deinen Körper (Bewegung hilft ungemein dabei!). Wie spürt sich der an, wo bist du angespannt/entspannt, wo zwickt etwas, wo fühlt es sich eingeengt/weit/leer an?
  • Atme (wieder) tief.
  • Lass angespannte Bereiche so gut wie möglich los, bewege sie, entspann sie mehr und mehr. Atmen hilft ungemein dabei!
  • Erinnere dich daran, was du willst. Frage dich aufs Neue: „Ist das mein Zirkus? Sind das meine Affen?“
  • Wiederhole je nach Bedarf.

Und dann lass das Zebra Zebra sein. Und kümmere dich um deine eigenen Affen.

Wie geht es dir mit Zirkus und Affen? Findest du die Fragen hilfreich und was hältst du davon, mehr zu atmen und zu wählen? Schreib mir einen Kommentar, ich bin gespannt auf deine Erfahrungen. Wenn du etwas für deine Atmung tun möchtest, kannst du das im nächsten Breath_Lab Vienna tun. Oder Du schenkst Dir eine Sitzung – die Weihnachtsaktion ist eine gute Gelegenheit einmal einen Mini-Prozess auszuprobieren.

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