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Foto: Lightspring/shutterstock.com

Was Brexit, Trump, Hofer und Pokemon gemeinsam haben – und was Du dagegen tun kannst.

Bewegung ist lebensnotwendig, senkt das Gesamtsterberisiko und hilft laut WHO gegen Erkrankungen wie Diabetes, Depression, Demenz und Herz-Kreislauferkrankungen (wobei schon durch die Mindestdosis von 150 min pro Woche das Gesamtsterberisiko um 10% verringert werden kann). Damit ist auch gleich das Argument für Pokémon Go abgedeckt – wenn die Kids (und Erwachsenen) plötzlich lieber zu Fuß durch die Gegend laufen, um Monster zu fangen, statt in der Straßenbahn Heute zu lesen – großartig. Ansonsten finde ich dieses Versinken von Vielen in der „augmented reality“ solcher Spiele etwas irritierend.

Nicht nur, weil es schon vor dem Launch der App genügend Leute gab, die ohne zu schauen vom Gehsteig sprangen, die Richtung wechselten oder bei einer Kreuzung abbogen – durchaus auch im Auto – sondern weil ich glaube, dass diese „erweiterte“ Realität so erweitert gar nicht ist; und weil diese Form des sich Einlullen und Verschaukeln lassen offensichtlich eine immer größere Anziehungskraft auf viele Menschen hat.

Die Wähler*Innenstromanalysen nach der Bundespräsident*Innenwahl im April (Klappe die erste) kam zu dem Ergebnis, dass Norbert Hofer v.a. von Männern unter 29 gewählt wurde. Das Argument, dass speziell junge Menschen leicht hinters Licht zu führen sind zerbröselt jedoch, wenn man im Gegenzug die Analyse des Brexit-Referendums betrachtet: da waren es vor allem die Alten, die sich von Farage und Konsorten anschmieren ließen: „bamboozled, hoodwinked, hornswoggled“ – kann man nur sagen (im Englischen gibt es ganz großartige Wörter für die Aktion des täuschens!).

Laut Politifact, eine U.S.-amerikanische, unabhängige, überparteiliche Nachrichten-Organisation, entspricht nur 9% der Dinge, die Donald Trump von sich gibt zumindest halbwegs der Wahrheit. Auch Norbert Hofer und seine FPÖ „erweitern“ die Realität und verbreiten gezielt Unwahrheiten.

„Die Blauen haben es geschafft, sich eine digitale Parallelrealität aufzubauen -mit eigenen Sites, mit Videonachrichten und Facebook-Accounts. Fans und „besorgte Bürger“ werden dort permanent mit parteigenehmen Informationen versorgt. Die Online-Inszenierung erklärt einen Teil des Erfolgs der Freiheitlichen. Weitgehend unbemerkt von den traditionellen Medien und klassischen Parteien entsteht im Netz ein neuer Machtfaktor in der Meinungsbildung.“

(Jakob Winter und Ingrid Brodnig im Profil, 24. 5. 2016 )

Gemeinsam ist Hofer und Trump auch, dass sie beide ein Bild ihres Landes erschaffen, als wäre schon alles den Bach hinuntergegangen.

„Wer sich länger auf der Plattform unzensuriert.at umsieht, kann den Eindruck gewinnen, Österreich stehe kurz vor dem Zusammenbruch.“ (Jakob Winter und Ingrid Brodnig im Profil, 24. 5. 2016)

Selbst wenn wir uns aber gravierende Systemänderungen wünschen (ich habe eine ganze Liste), naiv und gutgläubig auf den Wunderwuzi zu setzen, der vermeintliche Lösungen anbietet aber doch nur das Blaue vom Himmel verspricht, wird den Frustrationslevel nur noch weiter erhöhen. So wie es wohl kürzlich den BritInnen ergangen ist, als sich herausstellte, dass die Versprechungen leere waren:

So meinte Ian Duncan Smith am Tag nach dem Referendum, dass die £ 350 Millionen für die NHS nicht so gemeint waren. Und Nigel Farage, der Leiter der UKIP, die Partei die den Austritt Großbritanniens aus der EU vorangetrieben hat, ist kurz nach dem erfolgreichen Vorantreiben zurückgetreten, behält jedoch seinen (gutdotierten) Job als Mitglied  des Europäischen Parlaments.

Ich bin selbst erschüttert, wie vieles ich mir schon weismachen habe lassen, selbst von Leuten, die sich auf ihre Fahnen geheftet haben, dass sie „die Realität an sich“ verkörpern.

Wenn Du ein komisches Gefühl bei einer Sache hast, Dir etwas „Spanisch“ vorkommt, etwas klingt als wäre es zu gut, um wahr zu sein – dann stimmt vermutlich wirklich etwas nicht. Im Zweifelsfall kannst Du immer eine Person Deines Vertrauens herzuziehen und sie zu ihrer Wahrnehmung desselben Geschehnisses befragen.

Der Phyisker David Bohm stellte 1977 fest:

 „Reality is what we take to be true. What we take to be true is what we believe. What we believe is based upon our perceptions. What we perceive depends on what we look for. What we look for depends on what we think. What we think depends on what we perceive. What we perceive determines what we believe. What we believe determines what we take to be true. What we take to be true is our reality.”

Klar ist, dass wir die Welt oft sehr unterschiedlich wahrnehmen – und dass unsere Wahrnehmung durch unsere Erfahrungen gefärbt ist. Wenn wir vorwiegend in unserem Verstand sind und unser Körper nur so nebenher mitläuft für die nötigsten Funktionen wie Essen, Verdauen, Schlafen werden wir leichter in die Irre zu führen sein. Egal, ob unser Verstand dabei eine Regel wiederholt, die wir vor Dekaden von einer Großtante eingeimpft bekommen haben – (z.B. Man muss lieb und nett sein; die Gruppe der Soundso sind soundso; Man kann nur auf sich selbst zählen) – und die uns seit Jahren narrt und unser Verhalten und Wahrnehmung prägt; oder ob wir vermeiden wollen, die Angst, Frustration und Traurigkeit zu spüren über eine Situation in unserem Leben oder die Lage der Welt an sich – und dann eben doch lieber Heilsversprechen der Werbung oder NLP-geschulter Machthungriger glauben möchten:

Je mehr wir wieder unseren Körper spüren, unserer Glaubenssätze ausmustern und wählen, welche wir weiter mitnehmen wollen und wir lieber ersatzlos streichen, je mehr wir unsere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung trainieren und uns darauf einlassen das zu spüren „was ist“, desto mehr sind wir gefeit davor, gelinkt und verladen zu werden.

Probier es mal. Vor dem nächsten TV-Interview, Nachrichtenbericht, Zeitungsartikel, aufgebrachter Mitteilung eines Kollegen bei der Kaffee-Maschine, Besuch bei Deiner Großtante ( 😎 ) – mach 10 min lang etwas, das dich deinen Körper besser spüren lässt. Zum Beispiel Bewegung! Das kann sein – eine Runde gehen und dabei tief atmen und ganz aufmerksam einen Fuß vor den anderen setzen und abrollen; oder zu einer flotten Musik Deines Geschmacks abzutanzen, tief zu atmen und deine Aufmerksamkeit bewusst auf einen Körperteil deiner Wahl zu fokussieren, oder ganz bewusst ein- und auszuatmen und dabei darauf zu achten, wo im Körper sich der Atem bewegt. (Wenn Du Atem-Übungen lernen willst, kannst Du gerne zu einem Breath_Lab kommen, wenn es eher um Frustration nutzen geht, gibt es im Oktober einen Saturdays@Noon Mini-Workshop dazu, und wenn Du Unterstützung beim Ausmisten Deiner Glaubenssätze benötigst, kannst Du Dir immer auch eine Sitzung holen.) Hier sind noch die links zur sehr amüsanten Darstellung des Brexit bzw. zum Profil-Artikel und des Artikels über Trump.

Ich freue mich über Deinen Kommentar zum Thema verschaukelt werden und wie Du es vermeidest!

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