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Fred Luks, Ökonom und Nachhaltigkeitsexperte an der WU rät: „Entspannen sie sich. Das ist wahrscheinlich das Beste, was sie zur Rettung der Welt beitragen können.“ Ein großartiges Motto speziell für die Urlaubszeit, wenngleich Abschalten und Entspannen vielen von uns immer schwerer fällt. Viele beantworten auch in ihrer Freizeit geschäftliche E-Mails und es wurde mittlerweile bereits der Begriff Nomophobie (No-Mobile-Phone-Phobia) gekürt, um die Angst nicht erreichbar zu sein zu beschreiben.  In der heutigen Beschleunigungsgesellschaft ist neben diesem Stand-by-Modus, den sich viele auferlegen und in dem ein Teil unserer Aufmerksamkeit gefangen ist, häufig selbst der Urlaub zweckorientiert durchgeplant: Besichtigung architektonischer Meisterwerke, Besteigung von Gipfeln, Besorgung von Souvenirs – all das hat absolviert und allenfalls mit dem Handy dokumentiert zu werden. So bleibt möglicherweise ein Gefühl des Gehetztseins, das Erleben der Gegenwart und die nötige Erholung bleiben auf der Strecke.

Die WHO hat in ihrem Bericht „Global Burden of Disease“ berufsbedingten Stress durch permanente Überlastung zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt. Selbst unter ÖkonomInnen wächst die Überzeugung, dass wir neue Modelle benötigen, die nicht mehr nur auf permanentes Wachstum, Leistung und ständige Erreichbarkeit ausgerichtet sind. Dabei plädieren WissenschaftlerInnen nicht für Trägheit und ständig „wia a stingads G’söchts “ abzuhängen, sondern für Muße: dafür, Zeit zu haben über die man selbst bestimmen kann, „die keinem äußeren Zweck dient“.

Die Ferienzeit, in der viele Leute die Stadt verlassen und die Hitze ihr übriges tut, bietet Gelegenheit für Langsamkeit und Müßiggang als „absichtsloses Sein“ und „unverplante Zeit“. Wenn Du Dich dann noch dem Stressfaktor der ständigen kleinen Unterbrechungen (laut einer Untersuchung werden ArbeitnehmerInnen durchschnittlich alle 11 min in ihrem Tun unterbrochen) – SMS, Anrufe, FB-Chat, E-Mail, etc. – verweigerst, kann sich die Zeit endlich wieder einmal ins Unendliche ausdehnen und Du Dich dem Leben genussvoll hingeben. Wie damals als Kinder, als wir noch ganz in ein Buch oder in unser Spiel versunken sein konnten: Es gibt keine bessere Voraussetzung für Entspannung, Erholung – und dabei ganz nebenbei die Rettung der Welt.

Hier ein paar Ideen und Argumente dafür:

 

  • Seele baumeln lassen und Langeweile erlauben – vor allem wenn Du kreative Ideen oder Lösungen suchst: Wenn Du ständig beschäftigt bist, hat es die Muse natürlich schwer dich zu küssen. Studien haben gezeigt, dass das Gehirn bei geistiger Untätigkeit, sozusagen im Leerlauf, seine Betriebsamkeit in bestimmten Regionen ankurbelt. Anscheinend kümmert es sich dann um seine eigenen neuronalen Geschäfte – Nervenzellen-Netzwerke werden neu organisiert, das Gedächtnis sortiert und Gelerntes verarbeitet. Werden unserem Bewusstsein zu lange keine neuen Eindrücke und Erkenntnisse beschert versucht es den Mangel an äußerer Stimulation aus dem Inneren heraus zu kompensieren, schickt die Gedanken auf Wanderschaft und greift auf gespeichertes inneres Wissen zurück – was dann zu Geistesblitzen und genialen Ideen führen kann. Die Vorgänge, die im Leerlauf stattfinden, scheinen wie ein wöchentlicher Hausputz ein reibungsloses Funktionieren unseres Denkens zu gewährleisten und geradezu lebenswichtig für unsere geistige Gesundheit zu sein. Probier mal, was passiert, wenn du nichts planst, einfach mal sitzt und schaust, die Gedanken schweifen lässt.
  • Schlafen: Tiefschlafphasen fördern unser Fakten- und Wissensgedächtnis. Abgesehen davon hat ausreichend Schlaf bzw. ein Mittagsschläfchen viele weitere Vorteile, wie die Schlaf-Forscherin Sara Mednick in ihrem Nap Manifesto beschreibt – u.a. werden Aufmerksamkeit, motorische Koordination, Wahrnehmungsfähigkeit und Entscheidungsfreude, jugendliches Aussehen, Gedächtnisleistung und Kreativität verbessert, das Abnehmen erleichtert, die Stimmung gehoben und das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle reduziert. So ist von Johann Sebastian Bach die Erkenntnis überliefert, es sei nicht schwer, musikalische Ideen zu finden; das Problem sei, „morgens beim Aufstehen nicht auf sie zu treten.“
  • Lesen: Während das schnelle Scannen von Informationen im Netz eine Horizonterweiterung durch rasche Aufnahme vieler Fakten ermöglicht geht gründliches Lesen von Büchern in die Tiefe und schafft eine vertikale Bewusstseinserweiterung. Es eröffnet einen „gedanklichen Raum“, in dem die Phantasie aufblüht und ermöglicht, uns in fremde Welten hineinzuversetzen. Das Gehirn bildet dann neue Verknüpfungen und Assoziationen, die über die Gedanken der AutorIn hinausgehen können. Leseforscherin Maryanne Wolf  sagt, dass Lesen „…..dem Gehirn die Freiheit gibt, Gedanken zu haben, die tiefer sind als die Gedanken, die ihm bisher gekommen sind.“ Und was gibt es Schöneres als das Erlebnis des „Flow“, das sich einstellt wenn wir ganz und gar in einer Geschichte versinken und die Zeit vergessen?
  • Sanftes Digital Detox: Gönn dir Zeiten, in denen du keine digitalen Geräte verwendest – weder Handy, Kamera, Laptop, noch TV. Ruf deine E-Mails nur zu festgelegten Zeiten ab (eine großartige Idee nicht nur für den Urlaub) oder richte für die Dauer Deines Urlaubs eine automatische Antwort ein und lass sie überhaupt links liegen.
  • Schmeichle deiner Aufmerksamkeit: Richte Zeiten ein, in denen Multi-Tasking out ist und du nur eine einzige Sache machst – die dann aber mit deiner ganzen Aufmerksamkeit. Wenn Du in Hallstatt die Eishöhlen besichtigst, spür die Kälte, greif das Eis an, riech die Höhlen, achte auf die Luftzirkulation, schau am Ausgang in die Ferne. Wenn Du das machst, wirst du dich in 40 Jahren noch daran erinnern (ich war das letzte Mal mit 10 dort :-)).
  • Lass dir Zeit: wer mit 180 Sachen unterwegs ist, übersieht einiges. Schau mal, wie es ist, wenn du deine Geschwindigkeit reduzierst. Ein beeindruckendes Buch zum Thema ist „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Stan Nadolny – ein Roman, der seinem Titel alle Ehre macht. Als ich es vor ca. 25 Jahren las, war es eine einzige Herausforderung, jeder Satz ist langsam – aber es hat sich ausgezahlt.

Wie ergeht es Dir mit dem Müßiggang? Gefällt dir das digitale Detox-Programm? Gibt es ein Buch, das dich diesen Sommer fesselt? Hat dich die Muse geküsst?

Ich werde in meinem Urlaub meine eigenen Anregungen beherzigen und freue mich, Dir ab 13. August wieder entspannt und erholt zur Verfügung zu stehen und dann Deine Kommentare und Erfahrungen zu lesen.