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Foto: Gunnar Pippel/Shutterstock.com

Warum wir die Herausforderungen des Lebens annehmen sollten

Die Urlaubszeit ist zu Ende und der ganz normale Alltags-Stress beginnt wieder – mit Deadlines für Entscheidungen, Dokument-Abgaben, Prüfungen oder Projekt-Einreichungen. Abgesehen von all diesen mehr oder weniger bekannten Stress-Faktoren verdeutlicht die derzeitige Menge an Katastrophenmeldungen, dass sich unsere Welt verändert, ob wir das nun wollen oder nicht.

Gerald Hüther beschreibt in seinem Buch: „Die Biologie der Angst“, dass wir auf Situationen, die wir nicht kennen, bzw. mit denen wir keine oder noch zu wenig Erfahrung haben, mit Angst reagieren. Darauf folgt eine Stressreaktion. Kontrollierte Stressreaktionen sind dadurch charakterisiert, dass sie nur kurz anhalten, weil wir eine passende Lösung oder Strategie finden mit dem Neuen umzugehen. Sobald wir die Lösung haben, entspannt sich das System wieder; wir sind um eine Erfahrung reicher und haben unser Selbstbewusstsein, die Gewissheit, dass wir den Herausforderungen des Lebens gewachsen sind, gestärkt.

Je öfter wir etwas machen oder erleben, desto mehr Erfahrung sammeln wir damit, und desto weniger Stress bereitet uns die Situation. Gleichzeitig werden die Verschaltungen in unserem Gehirn (in denen die dazugehörigen Strategien – das was wir gelernt haben – gespeichert sind), besser gebahnt und fixiert.

Wenn ich mich an meine ersten Fahrstunden erinnere, war mir schon 2 Stunden vorher schlecht. Da ich seit meiner Fahrprüfung in New York nicht mehr mit dem Auto gefahren bin, bin ich kein gutes Beispiel, aber jede/r, der/die regelmäßig mit dem Auto fährt bekommt im Straßenverkehr nun wohl keine feuchten Hände oder zittrige Knie mehr. Wir haben auch alle aufgehört, jedes Mal in Tränen auszubrechen sobald unsere Bezugsperson aus unserem Blickfeld verschwindet – da wir erfahren haben, dass es durchaus interessant sein kann, die Welt auch einmal unbeaufsichtigt zu erkunden.

Diese Plastizität unseres Gehirns schafft die Voraussetzungen dafür, dass wir lernen können und ermöglicht uns eine Anpassungsfähigkeit die ihresgleichen sucht. Werden wir jedoch starr und unflexibel, dann kann uns gerade dieser Mechanismus des Lernens, der Bahnung fester, gut funktionierender Verschaltungen in die Bredouille bringen. Bemühen wir nämlich immer wieder dieselben Strategien, ohne zu bemerken, dass sich die Bedingungen bereits verändert haben und dass das was wir gelernt haben, uns nicht mehr weiter bringt verrennen wir uns in eine Sackgasse. Sind dann unsere Versuche, eine Lösung für eine neue Situation zu finden, erfolglos und wir haben plötzlich keine Ahnung mehr, wie wir mit der neuen Lage umgehen sollen, fühlen wir uns hilflos; wir erleben eine unkontrollierte Stressreaktion. Die ist nicht nur aufgrund ihrer längeren Dauer gesundheitsschädlich (unser System ist für kurze Flucht oder Kampf-Reaktionen geschaffen nicht jedoch für Dauerstress), sondern auch deshalb weil die involvierten Hormone unser Immunsystem unterdrücken.

Die Dinosaurier sind vermutlich ausgestorben weil sie sich nicht anpassen konnten. Sie konnten es aber ganz einfach nicht, weil ihr System nicht plastisch war. Wir hingegen haben ein lernfähiges, anpassungsfähiges, flexibles Gehirn. Wir können wählen. Wir können unsere Aufmerksamkeit schärfen darauf, was um uns herum geschieht, was sich verändert, und was diese neuen Bedingungen von uns erfordern. Wir können aufmerksam darauf sein, was passt für uns, und was nicht. Wenn wir merken, dass etwas nicht in Ordnung ist, eine Entwicklung in die falsche Richtung geht, können wir genau hinschauen und uns überlegen, wie wir mit unseren gewohnten Strategien und Routinen vielleicht dazu beitragen. Und dann können wir uns entscheiden, nicht dazu beizutragen und eine neue Richtung einzuschlagen. Gerald Hüther schreibt:

„Wir brauchen immer neue Herausforderungen und die damit einhergehenden kontrollierbaren Streßreaktionen, um uns immer besser an die vielfältigen Erfordernisse unserer Lebenswelt anpassen zu können…….. Wie sonst könnte es uns gelingen, aus den bisherigen Bahnen unseres Denkens, Fühlens und Handelns auszubrechen und nach neuen, geeigneteren Wegen zu suchen? Wir haben die Streßreaktion nicht deshalb, damit wir krank werden, sondern damit wir uns ändern können. Krank werden wir erst dann, wenn wir die Chancen, die sie uns bietet, nicht nutzen. Wenn wir die Herausforderungen, die das Leben bietet, vermeiden, ebenso, wie wenn wir immer wieder nur ganz bestimmte Herausforderungen suchen. ….. Wenn wir uns weigern, die Angst zuzulassen und unsere Ohnmacht einzugestehen ebenso, wie wenn wir unfähig sind, nach neuen Wegen zu suchen, um sie überwindbar zu machen.“

Es ist also die Angst (in Maßen), die wir so gerne vermeiden, ignorieren, nicht wahrhaben wollen, die uns hilft, umzulernen, uns zu verändern.

Hier die Top 10 positiven Aspekte der Angst:

  1. Angst schützt uns davor, unvorsichtig oder leichtsinnig zu werden; sie führt dazu, dass wir z.B. bei einem Gewitter nicht in eine See hinausschwimmen; sie führt dazu, dass wir zum Arzt gehen, wenn es nötig ist und einen Schmerz nicht einfach ignorieren.
  2. Angst lässt uns flüchten oder kämpfen – damit bringen wir uns in Sicherheit oder verteidigen unser Leben
  3. Angst steigert unsere Leistungsfähigkeit, macht uns schneller und stärker
  4. Angst sorgt dafür, dass wir uns lebendig fühlen
  5. Angst macht uns wach und sehr aufmerksam, sie erhöht die Reaktionsbereitschaft
  6. Angst führt dazu, dass Informationen intensiver und nachhaltiger verarbeitet werden
  7. Bei Angst wird das Hirn stärker durchblutet
  8. Angst sorgt dafür, dass Substanzen abgegeben werden, die wachstumsfördernd auf Nervenzellen wirken und Veränderungen ermöglichen.
  9. Wir lernen etwas Neues richtig schnell und so, dass es sitzt offenbar nur dann, wenn Stresshormone das Hirn so richtig wachrüttelt und dazu beitragen, dass die nötigen Verschaltungen gebahnt werden.
  10. Angst ermöglicht es, dass alte Verschaltungen im Hirn aufgeweicht werden können, um nicht mehr adäquate Strategien und Routinen zu entlernen.

Statt also zu tun, als wäre nichts, wenn wir eigentlich gestresst sind und/oder Angst haben, und darauf zu warten, dass Menschen, die uns lieb sind sich darüber beschweren, dass wir so kurz angebunden und gereizt sind oder uns darüber zu wundern, dass unser Süßigkeitenkonsum drastisch in die Höhe geschnellt ist können wir unsere Aufmerksamkeit schulen – darauf, wie wir selbst zu unserem Stresslevel beitragen, ob unsere üblichen Strategien noch sinnvoll sind, was in der Realität wirklich passiert. Wir können üben, Herausforderungen anzunehmen, damit Veränderungen stattfinden können, damit unser Vertrauen in uns selbst wächst, damit wir das, was wir sind und wofür wir brennen in die Welt bringen können. Wir können dabei freundlich sein zu uns selbst und zur Welt und unseren Humor pflegen.

Ich lade Dich ein zu einer Challenge. Mach eine Liste mit Dingen, die eine Herausforderung für Dich sind – das können ganz unterschiedliche Sachen sein – von „trotzdem atmen“, „U-Bahn fahren“, bis „ein Radiointerview geben“ – eben das, was Dich fordert. Dann lass uns zumindest für die nächsten 7 Tage tun, was Eleanore Roosevelt empfahl: Do one thing that scares you every day !“

Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen bei der Umsetzung!

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