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Foto: Cora K. Hiebinger

Seit Jahrtausenden wissen Menschen, dass unsere körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte untrennbar mit dem Atem verbunden sind. Abgesehen davon, dass jede Zelle unseres Körpers auf ständige Zufuhr von Sauerstoff und den Abtransport von Kohlendioxid angewiesen ist, und das Gehirn ohne ausreichende Sauerstoffversorgung bereits nach 15 Sekunden mit Bewusstlosigkeit reagiert, können wir zwar bis zu 72h ohne Wasser – aber nur wenige Minuten ohne Sauerstoff überleben. Trotzdem wirst Du ständig dazu aufgefordert, mehr Wasser zu trinken, aber nur von einem ausgewählten Personenkreis (z.B. der Grinberg-PraktikerIn Deiner Wahl 😉  ) dazu mehr zu atmen. Zum Glück wird die Atmung über das Atemzentrum im Stammhirn gesteuert und wir können uns nicht willentlich durch Nicht-Atmen ersticken. So flach und angestrengt, wie viele von uns jedoch atmen, halten wir unseren Körper doch oft auf Sparflamme und schränken unsere Beweglichkeit, unser Wohlbefinden und unseren Energielevel dadurch unnötig ein.

Es ist relativ simple: wir brauchen Sauerstoff, um in unseren Zellen Nährstoffe abzubauen (oxidativer Abbau); der Nährstoffabbau dient der Energiegewinnung für unseren Körper. Wer kaum atmet, braucht sich deshalb nicht wundern, wenn ihn/sie die Frühjahrsmüdigkeit oder sonstige Energielosigkeit heimsucht. Da wiederum das Gehirn ganz besonders viel Energie benötigt, kann eine unergiebige Atmung auch ein Grund für Konzentrationsschwierigkeiten sein. Bei dieser inneren Atmung entsteht Kohlendioxid, das über die Lungen wieder an unsere Umgebung abgegeben wird und da wiederum die Pflanzen erfreut. Was für die ein Segen ist, ist für unseren Körper ein Abfallprodukt, dass aus dem Körper abtransportiert werden muss. Nicht umsonst ist eine erhöhte Kohlendioxidkonzentration und der damit verbundene Abfall des pH-Wertes im Blut (niedriger pH-Wert = sauer) der stärkste chemische Atemreiz, der das Atemzentrum veranlasst die Atmung anzukurbeln.

Das heißt – deine Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit steht in engem Zusammenhang mit deiner Atmung.

Eine weiteres Argument für eine bewusstere, weniger flache Atmung ist die Bewegung, die die Atmung in unseren Körper bringt. Nicht nur werden die Organe durch die rhythmischen Atembewegungen sanft massiert und der Bewegungsapparat inklusive Knochen und Muskeln wird ständig durchbewegt. So soll ein chinesischer Weiser auf die Frage, wie man richtig atmen soll geantwortet haben: „Nur der Kranke atmet mit der Lunge, der Gesunde atmet mit der großen Zehe“. Wenn Du dem Zwerchfell, unserem Hauptatemmuskel, erlaubst, seine Arbeit zu tun und sich bei der Einatmung zusammenzuziehen und den Inhalt des Bauchraums leicht zu komprimieren wird dadurch auch Deine Verdauung unterstützt. Das funktioniert natürlich nur, wenn Du dem Bauch wiederum erlaubst, sich beim Einatmen leicht nach außen zu wölben und beim Ausatmen alles wieder in seine Ausgangslage zurückgleiten kann.

Der Übergang von körperlichem zu seelischem Nutzen der bewussten Atmung wird besonders deutlich beim Thema Stress: wissenschaftliche Studien haben nachweisen können, dass bestimmte Atemübungen bzw. eine bewusste, tiefe Atmung Einfluss auf die Stimmung und den Stresslevel haben können: Herzfrequenz und Blutdruck fallen, der Level am Stresshormon Cortisol sinkt. Wie frei unsere Atmung ist, hängt nicht unwesentlich von unserem Entspannungsgrad ab. Im Extremfall behindert ein stark verspannter, unbeweglicher Brustkorb die Atmung und führt zu Beklemmung oder Panikzuständen. Stress zeigt sich meist mit unregelmäßigem oder beschleunigtem Atem-Rhythmus. Atmen wir jedoch sehr rasch und gleichzeitig flach, wird fast ausschließlich der anatomische Totraum belüftet (der Totraum ist der Bereich von Mundhöhle, Nasenrachenraum, Luftröhre und Bronchien, in dem ein Teil der Luft verbleibt (ca. 150 ml bei Erwachsenen)) und nur wenig „frische“ Luft gelangt überhaupt zu den Alveolen, in denen der Gastaustausch erst stattfindet.

Richten wir unsere Aufmerksamkeit dann bewusst auf die Atmung und atmen ruhig und tief, denkt unser System – ah – ruhige Atmung, wir sind entspannt – und entspannt, der Stresslevel sinkt, und Muskelverspannungen lockern sich.

Markus Schirner sagt in seinem Buch „Atemtechniken“:

»Die Bewusstwerdung des Atems ist die schnellste und einfachste Möglichkeit, mit unseren Gedanken ins Hier und Jetzt zu kommen.«

Falls Du schon einmal eine Grinberg-Sitzung bekommen hast, kannst du das aus eigener Erfahrung bestätigen. Eine besondere Art zu atmen (oder eben fast nicht zu atmen) ist meiner Erfahrung nach immer Teil eines Zustands, den jemand automatisch kreiert, der sein/ihr Wohlbefinden und seine/ihre Bewegungsfreiheit einschränkt, und den er/sie ent-lernen möchte. Alleine dadurch, dass wir uns entscheiden, wieder tief(er) zu atmen und uns aus der Unbeweglichkeit zu befreien ist ein Teil des Zustands bereits weg. Gestoppt. Nicht mehr da. Und Du bist wieder präsenter, mehr in der Realität, das Drama ist kein so großes mehr. Einfach weil du die Möglichkeit nutzt, bewusst zu atmen und dich nicht nur auf dein Stammhirn verlässt, dass für das reine Überleben zuständig ist – nicht unbedingt für ein volles, saftiges, genußvolles Leben, so wie du es Dir wünscht.

Wie Du siehst, vieles spricht dafür, Dir Deine Atmung bewusst zu machen und Deine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was da eigentlich alles passiert beim Ein- und Ausatmen. Atemübungen gibt es viele (im nächsten Breath_Lab am 20. März 2017, 18h stelle ich wieder einige vor, die Du leicht in Deinen Alltag integrieren kannst) – und manchmal hilft schon die Vorstellung davon, um die Atmung zu vertiefen:

Probiere mal folgendes aus: Setz dich bequem hin und atme für einige Atemzüge tief ein und aus. Achte auf deine Atmung, fokussiere Dich darauf, was im Körper passiert. Dann schließe die Augen und stelle Dir vor, dass du die Arme hebst und über den Kopf nach oben ausstreckst. Atme erneut ein. Lass mich in einem Kommentar wissen, was mit deiner Einatmung während dieser imaginären Dehnung passiert!

Shizuto Masunaga, der Begründer des Zen Shiatsu sagt dazu:

„Man muss sich von der Vorstellung lösen, dass ein Bewegungsablauf lediglich von den Körperteilen ausgeführt wird, denen gerade die Aufmerksamkeit gilt, und begreifen, dass jede Bewegung vom gesamten Körper vollzogen wird.“

Was für ein schönes Bild das unserem Körper-Sein so viel gerechter wird als eine rein mechanistische Erklärung des Menschen und seine Zerstückelung in separate Einzelteile als würden die verschiedenen Systeme unabhängig voneinander in einem Vakuum existieren. Der Atem verbindet nicht nur aus physiologischer Sicht unser Inneres mit unserem Äußeren; er schafft es auch, oben und unten anzunähern und sorgt für mehr Gleichgewicht und Balance. Der Frühlingsbeginn ist ein guter Zeitpunkt, wieder einmal tief durchzuatmen und auf frische Luft zu bestehen.

Im Get_It_Done im April kannst Du Dir individuelle Tips zu Deiner Atmung holen kommen – mehr dazu unter Aktuelles.

Zum Abschluss noch ein Übung, die sich gut für zwischendurch eignet:

Rippen-Weiten

Beginne auf der rechten Seite. Platziere die rechte Hand hinten auf den unteren Rippen, die linke Hand vorne auf den oberen rechten Rippen. Nun atme so, dass du eine Ausdehnungsbewegung gegen die Hände spürst, auf einer Diagonalen die von schräg oben vorne nach schräg unten hinten verläuft. Es geht nicht darum, eine möglichst große Bewegung zu erzielen, sondern eine möglichst gleichgroße nach vorne oben und hinten unten. Wiederhole das für einige Male, dann die Hände sinken lassen, weiteratmen, so wie dein Körper es jetzt mag. Vergleiche die beübte mit der unbeübten Seite. Dann mach das gleiche auf der anderen Seite. (Wenn deine Wahrnehmung schon geschärft ist, kannst du es auch ohne die Hand aufzulegen machen.)

Hier noch ein Link zum Quiz – Die Theorie der Atmung. Die ersten 10 Personen, die das Quiz machen und einen Kommentar schreiben, erhalten ein Geschenk als Überraschung (das ist leider nur für Personen gültig, die in Wien leben).

* Ca. 7,5 l Luft atmet ein Erwachsener in Ruhe pro Minute ein und aus. Bei Anstrengung kann sich das auf bis zu 100 l/min steigern.

 

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